Herr Beck, ich nehme an, das war für Sie eine Olympia-Premiere. Wie hat es Ihnen in Cortina gefallen? In der Tat war das meine Olympia-Premiere. Wir fanden es toll, überhaupt dabei sein zu können. Es herrschte eine großartige Atmosphäre. Im Rückblick wird mir Cortina immer in guter Erinnerung bleiben. Verbinde ich doch mit dieser Stadt die erste Medaille bei Olympischen Winterspielen für Eintracht Frankfurt. Das ist wirklich historisch für uns. Sie waren dabei, als Adam Ammour, der im vergangenen Jahr zur Eintracht gewechselt ist, im Zweierbob Bronze gewann. Konnten Sie mit ihm auf den Erfolg anstoßen? Wir hatten die Möglichkeit, Adam direkt nach der Siegerehrung am Dienstag in die Arme zu schließen und ihm zu gratulieren. Feiern konnten wir nicht, da der Wettbewerb im Viererbob noch anstand. Ich war mir aber sicher, dass das Team um Adam, zu welchem auch unsere weiteren Eintracht-Athleten Issam Ammour und Joshua Tasche zählen, gute Chancen haben, sich auch in dieser Konkurrenz weit vorne zu platzieren, und das haben sie geschafft. Für die erste Olympia-Teilnahme ist das ein großartiger Erfolg, auch wenn sich das für unsere Athleten im Moment noch nicht so anfühlen mag. Durch den Bau der Bob-Anschubbahn haben wir optimale Trainingsbedingungen geschaffen, die sich nun ausgezahlt haben. Was gab den Ausschlag, dass ein vom Fußball dominierter Verein auf den Wintersport setzt? Frankfurt ist ja nicht unbedingt als Wintersport-Hochburg bekannt. Da muss ich ein bisschen ausholen. Wir sind der größte Mehrspartensportverein der Welt mit einer angeschlossenen Profifußballmannschaft und über 50 Sportarten. Insofern ist es für uns als Eintracht Frankfurt ganz wichtig, dass wir nicht nur den Fußball, sondern den gesamten Sport fördern. Insbesondere den Spitzensport, aber auch den Breitensport. Bobsport ist aber kein Breitensport. Unser Motto lautet: von der Breite in die Spitze. 31 gewonnene Medaillen bei Olympischen Spielen zeigen im Übrigen, dass Eintracht Frankfurt auch außerhalb vom Fußball eine Tradition im Spitzensport hat. Eines Tages wurden wir vom Hessischen Bob- und Schlittenverband angesprochen, ob wir uns nicht vorstellen können, bei Eintracht Frankfurt Bobfahren aufzunehmen, da wir eine sehr gute Leichtathletikabteilung haben. Innerhalb der Leichtathletik gibt es tolle Sportler, die sehr wertvoll als Anschieber sind. Deshalb ist Bobsport in Frankfurt auch gar nicht exotisch, obwohl es auf den ersten Blick so wirken mag. Und wir waren sehr froh, dass die Ammour-Brüder, die als Gießener eine Nähe zu Frankfurt haben, sich für uns entschieden haben. Sie haben schon die Anschubbahn angesprochen, die ist im vergangenen Jahr im Herbst fertig geworden. Sie war mit 800.000 Euro ja nicht ganz billig … Das stimmt, aber ganz so hoch waren die Kosten nicht. Aber auf alle Fälle im hohen sechsstelligen Bereich. Lohnt sich denn so eine Investition? Wir haben einen sehr substanziellen Teil der Bahn über die Förderung seitens des Landes Hessen und der Stadt Frankfurt bekommen. Für diese Unterstützung sind wir sehr dankbar, das war für uns dann auch ein ausschlaggebender Punkt, dass wir dieses Projekt umsetzen konnten. Adam Ammour und sein Bruder sind zwei Ihrer Aushängeschilder. Wie wichtig ist es, auch außerhalb des Fußballs so erfolgreiche Sportler im Verein zu haben? Unheimlich wichtig. Der Profifußball dominiert im deutschen Sport. Aber wir haben auch außerhalb des Profifußballs viele Leistungssportarten. Auch dadurch, dass Bob nicht unbedingt ein naheliegender Sport für einen Frankfurter Verein ist, haben wir damit innerhalb unserer gesamten Eintracht-Familie große Aufmerksamkeit erreicht. Auf unserer Mitgliederversammlung kürzlich wurde ganz stark bejubelt, dass wir an den Olympischen Winterspielen teilnehmen. Man merkt auch, dass so etwas sehr wichtig ist für unsere gesamte Jugendarbeit. Alle können sehen, dass man mit Leistungssport bei Eintracht Frankfurt nach vorne kommen kann. Als Sie als Präsident vor eineinhalb Jahren angetreten sind, haben Sie gesagt, Sie ordnen, strukturieren die Nebenabteilungen, also die Nichtfußballabteilungen, um. Wie weit sind Sie damit? Wir sind auf einem guten Weg. Wir mussten die Sportabteilung von vielen administrativen Aufgaben befreien, damit sich die sporttreibenden Abteilungen auf das Kerngeschäft konzentrieren können. Es war uns wichtig, dass wir mit erfolgreichen Trainern arbeiten, denn in der Region gibt es sehr viele Talente, die wir nach vorne bringen wollen. Es ist uns extrem wichtig, aus unserer eigenen Jugend heraus Spitzensportler zu formen. Was muss noch getan, verändert werden? Es gibt noch viel zu tun. Eine unserer größten Abteilungen ist die Triathlon-Abteilung mit über 2000 Mitgliedern, damit ist sie auch die mitgliederstärkste Triathlon-Abteilung Deutschlands. Hier wird derzeit überwiegend auf den Breitensport gesetzt. Aber wer bei uns Spitzensport machen und nach vorne kommen möchte, den unterstützen wir. Wir wollen der Spitzensportverein für alle sein. Aber Sie haben zum Beispiel die Turner aus der Bundesliga abgemeldet. Das ist ein ganz spezielles Thema gewesen. Dort hatten wir Sportler, die größtenteils aus dem Ausland kamen. Wir haben uns auf die Fahne geschrieben, dass wir das verändern wollen. Wir haben im Einzugsgebiet Rhein-Main viele Talente in den unterschiedlichsten Sportarten, und die wollen wir für Eintracht Frankfurt gewinnen. Das Regionalprinzip, der Lokalkolorit ist eines unserer großen Ziele. Gilt das auch für die Tennisabteilung? Auch hier möchten wir zukünftig vermehrt auf Talente und Sportler aus der Umgebung und dem eigenen Nachwuchs setzen. Ich bin davon überzeugt, dass wir ebenso erfolgreich sein werden, wenn wir diesen Weg konsequent umsetzen. Zum Abschluss noch ein Blick auf den Profifußball und den neuen Eintracht-Trainer Albert Riera. Er ist jetzt gut drei Wochen da. Wie ist Ihr Eindruck? Sehr gut. Wir sehen in eine positive Zukunft. Er scheint die Defensive stabilisiert zu haben. Was muss sich noch verbessern? Die sportliche Expertise liegt bei Markus Krösche. Er weiß genau, wo angesetzt werden muss. Wir haben immer gesagt, dass wir auch nächste Saison international spielen wollen, und daran wollen wir auch festhalten.
