FAZ 07.03.2026
19:42 Uhr

Eintracht-Mittelfeldspieler: Deshalb ist Oscar Højlund des Trainers Liebling


Schon als kleines Kind war Oscar Højlunds Weg in den Profisport vorgezeichnet. Nach anderthalb Jahren bei der Eintracht zählt der Däne erstmals zur Stammelf. Das hat auch mit einer veränderten Rolle zu tun.

Eintracht-Mittelfeldspieler: Deshalb ist Oscar Højlund des Trainers Liebling

Neuer Trainer, neues Glück! Oscar Højlund gehört zu den Profis im Kader der Frankfurter Eintracht, die am meisten von der Verpflichtung Albert Rieras profitiert haben. Erstmals in seinem gut anderthalbjährigen Arbeitsverhältnis mit der Eintracht hat der 21 Jahre alte Däne dreimal hintereinander in der Startelf gestanden, und es wäre wohl schon viermal gewesen, wenn er nicht gegen Borussia Mönchengladbach eine Sperre abgesessen hätte. Riera mag Spieler, die so leidenschaftlich und bedingungslos ihrem Beruf nachgehen wie er selbst. Spieler mit unbändigem Ehrgeiz, die sich für die Mannschaft zerreißen. Die Schattenseiten, die mit diesem unbändigen Engagement einhergehen, nimmt der Cheftrainer erst mal in Kauf, in der Hoffnung, dass ein Lerneffekt einsetzt, dass die Schatten kürzer werden. Højlund übertreibt es manchmal mit seinem Eifer. Gegen Union beharkte er im Strafraum seinen Gegenspieler Khedira zu stark, was der Schiedsrichter mit einem Elfmeter und der Gelb-Roten Karte bestrafte, nachdem er schon in der ersten Halbzeit verwarnt worden war. Højlund fehlt manchmal auch das rechte Maß, was die Laufbereitschaft angeht. Nach der Partie gegen Freiburg kritisierte ihn Riera: „Oscar wollte überall sein und war nirgends.“ Man müsse nicht nur viel laufen, sondern auch die richtigen Wege wählen. Riera darf davon ausgehen, dass sich der Mittelfeldspieler die Kritik zu Herzen nimmt. „Ja, ich will manchmal zu viel“, gibt der Däne zu. Er habe kein Problem mit der öffentlichen Korrektur. „Der Trainer will, dass ich mehr meine Position halte und der Mannschaft damit mehr Halt gebe.“ In den Videositzungen habe er ihm freundlich und überzeugend vermittelt, worauf es ankomme. „Die Videositzungen sind manchmal ein bisschen lang, aber sie helfen sehr, ein besserer Spieler zu werden.“ Ein Kleinfeldplatz im Keller des Hauses der Eltern Und darauf kommt es ihm an. Nach seinen Zielen und Ambitionen gefragt, verweigert Højlund konkrete Angaben wie Titel oder persönliche Erfolge. „Ich möchte mich jeden Tag als Spieler und Mensch entwickeln.“ Ein Satz, der erst mal nach angepasstem Profi unter starkem Einfluss eines Medienberaters klingt. Bei Oscar Højlund spricht viel dafür, dass er seiner wahren Überzeugung entspricht. Denn der Däne ist von klein auf mit den ethischen Standards eines Profisportlers vertraut gemacht worden. Sein Vater verdiente Geld mit Fußball und ließ Werte aus seinem Profileben in die Erziehung einfließen. „Mein Vater und meine Mutter haben uns von klein auf sehr unterstützt.“ Uns, das sind sein zwei Jahre älterer Bruder Rasmus und sein Zwillingsbruder Emil. „Seit wir vier Jahre alt waren, wurden wir von meinem Vater trainiert.“ Zusätzlich zum Vereinstraining. Damit das Kicken nicht durch schlechtes Wetter beeinträchtigt werden konnte, bauten die Eltern ihren Söhnen einen Kleinfeldplatz im Keller des Hauses. „Mein Vater hat unser Haus so entworfen, dass wir im Keller genügend Platz zum Fußballspielen hatten. Das war großartig.“ Und so drehte sich alles im Hause Højlund von Anfang an um Fußball. Was den Söhnen viel Spaß bereitete. „Wir sind wirklich eine fußballbegeisterte Familie und sehr wettbewerbsorientiert.“ Aus allen drei Højlunds ist etwas geworden. Zwillingsbruder Emil steht bei Schalke 04 unter Vertrag, Oscar bei der Eintracht, Rasmus bei Manchester United. Rasmus ist derzeit an die SSC Neapel ausgeliehen und fester Bestandteil der dänischen Nationalmannschaft. Seine Popularität strahlt in der Heimat auf die ganze Fußballfamilie Højlund aus. Vater Anders hat sein Mittelstürmertalent an seine Söhne Rasmus und Emil weitergegeben, nur Oscar ist aus der Art geschlagen. Was lief falsch? „Tatsächlich habe ich bis 13 auch Mittelstürmer gespielt. Aber dann schoss ich zu wenig Tore. Da ich viel Energie und Kondition hatte, haben sie mich ins Mittelfeld geschoben.“ Da blieb er auch, als er wenig später zum nationalen Spitzenklub FC Kopenhagen wechselte. „Sie sahen etwas in mir. Und ich liebe es, zu rennen und zu kämpfen.“ Oscar Højlund machte seinen Weg, gab schon mit 18 sein Debüt in der ersten dänischen Liga, wurde zum Kapitän des Kopenhagener und des dänischen Juniorenteams. Er galt als Führungsspieler, als Rückgrat seiner Mannschaften, aber nicht als das ganz große Talent. Die Eintracht konnte ihn für eine vergleichsweise geringe Summe von 500.000 Euro plus Boni verpflichten. Zum Vergleich: Für den gleichaltrigen Schweden Hugo Larsson überwies die Eintracht neun Millionen Euro nach Malmö. Højlund spielt sicher nicht so kreativ und pfiffig Fußball wie Larsson. Ihm wurde weniger natürliche Begabung in die Wiege gelegt. Aber seine Ballkontrolle und sein Passspiel sind durchaus solide, und dank der gesunden Basis und seines überaus stark ausgeprägten Lern- und Leistungswillens gibt es für ihn noch klare Steigerungsmöglichkeiten, wenn er einmal in einen längeren Spielrhythmus kommt. Toppmöller sah Højlund in einer anderen Rolle Bis jetzt ist seine Karriere in Frankfurt noch nicht so richtig ins Rollen gekommen, wegen eines Mittelfußbruchs und einer langwierigen Muskelverletzung, die ihn in seiner Entwicklung zurückwarfen. Aber auch, weil ihn Dino Toppmöller zwar sehr für sein Potential und seine Stärken lobte, aber nicht entsprechend häufig einsetzte, weil er andere Spieler in ihrer Wirkung auf die Mannschaftsleistung noch höher einschätzte. Wobei Toppmöller den Dänen vornehmlich als „Abräumer“ vor der Abwehr sah, wegen dessen aggressiver Zweikampfführung und ausgeprägter Laufstärke. Riera hat diese Position dem zweikampfschwächeren Larsson zugewiesen, der dafür aber mit seinem Überblick und Antizipationsgeschick die Räume vor der Abwehr besser verdichtet. Højlund soll dagegen die Gegner weiter vorne stressen und ermüden und eine tragende Rolle im Gegenpressing spielen. Aber der Däne hat auch den Ehrgeiz, Kernkompetenzen eines offensiven Mittelfeldspielers zu entwickeln: „Ich will häufiger an Toren und Assists beteiligt sein und kreativer werden.“ Trainer Riera hat überhaupt nichts dagegen, der Spanier liebt Spieler, die verschiedene Fähigkeiten auf sich vereinigen. Einen zweiten Trainer hat Oscar Højlund übrigens nicht mehr. „Mein Vater wäre es gerne noch, aber ich habe mich in puncto Training ein wenig von ihm gelöst. Ich habe mein ganzes Leben sehr viele Ratschläge bekommen, die hilfreich waren und mich auch weitergebracht haben. Aber jetzt bin ich auf einem Niveau angekommen, wo wir keine Freunde mehr sein könnten, wenn er noch mein Trainer wäre.“