FAZ 27.11.2025
12:01 Uhr

Einschätzung von Schmerzen: Gequälter Miene wird eher geglaubt als klagenden Worten


Gießener Forscher haben untersucht, worauf Menschen achten, um einschätzen zu können, ob jemand starke Schmerzen hat. Die Ergebnisse sollten Ärzten und Pflegern zu denken geben.

Einschätzung von Schmerzen: Gequälter Miene wird eher geglaubt als klagenden Worten

Frauen, die vor Schmerz das Gesicht verzerren, wird eher geglaubt, dass sie tatsächlich leiden – allerdings erscheinen sie ihrem Gegenüber auch weniger sympathisch. Dies ist das Ergebnis einer Studie von Psychologen der Uni Gießen. Die Forscher zeigten 106 Probanden Videoclips von Frauen, in denen diese tatsächlich Schmerzen empfanden. Den Teilnehmern wurde gesagt, es handele sich um Patienten einer Schmerzklinik. Aufgabe der Probanden war es, die Schmerzintensität einzuschätzen. Außerdem sollten sie angeben, wie schwierig sie die Bewertung fanden und wie sympathisch ihnen die im Video gezeigten Frauen erschienen. Hatten die Testpersonen den Eindruck, dass sich die Frauen durch das Darstellen von Schmerz einen Vorteil verschaffen konnten – im Studienszenario war das der Zugang zu einer neuen, teuren Behandlungsmethode –, verließen sie sich stärker auf den Gesichtsausdruck als auf die verbale Schilderung. Allerdings führte die Leidensmimik auch zum Verlust von Sympathiepunkten. Nach Ansicht der Wissenschaftler zeigen die Ergebnisse, dass mündlichen Schmerzschilderungen im Zweifel weniger Glauben geschenkt wird als einer gequälten Miene. Letztere könne aber dazu führen, dass ein Patient weniger positiv wahrgenommen werde. Es sei ratsam, Mitarbeiter im Gesundheitswesen für solche Effekte zu sensibilisieren.