Am Freitag hat der Vorstand der Enerparc AG beim Amtsgericht Hamburg wegen Zahlungsunfähigkeit den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Enerparc ist mit mehr als 500 Solarparks der größte Freiflächen-Solarpark-Betreiber in Deutschland und mit einer installierten Leistung von 5,5 Gigawatt einer der größten in Europa. Davon seien 3,8 Gigawatt am Netz, heißt es. Diese Diskrepanz könnte ein Hinweis sein auf die Probleme, die zu den finanziellen Schwierigkeiten von Enerparc geführt haben könnten: Engpässe im Stromnetz gelten quer durch die Republik als einer der Gründe, warum große Anlagen nicht in Betrieb genommen werden können. Sofern Einnahmen aus dem Stromverkauf also nicht realisiert werden können, wäre damit ein möglicher Geschäftsplan obsolet, was besonders dann zu Buche schlägt, wenn unterdessen Zinsen für eine Fremdkapitalfinanzierung anfallen. Ob das maßgeblich war für die Zahlungsunfähigkeit von Enerparc, ist noch nicht klar. Stabilisierung steht im Vordergrund Das Hamburger Amtsgericht ernannte am Montag den Restrukturierungsexperten Stefan Denkhaus von der Kanzlei BRL zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Denkhaus, dessen Namen die Öffentlichkeit im Kontext der Karstadt-Insolvenz kennt, kann am Tag danach noch keine Details nennen. „Ich führe bereits erste Gespräche mit dem Vorstand, den Beratern des Unternehmens und den Finanzierern, um das Unternehmen zu stabilisieren“, teilte er mit. Möglich seien auch Insolvenzanträge von Schwestergesellschaften. Für eine eindeutige Beurteilung sei es aber noch zu früh. Noch vor wenigen Monaten standen die Zeichen für Enerparc auf Expansion. Nachdem im vergangenen Jahr 1,2 Gigawatt Solarleistung neu installiert worden seien und damit das Freiflächen-Portfolio auf fünf Gigawatt angestiegen war, plane man auch in diesem Jahr ein steigendes Ausbauvolumen, teilte Enerparc im März mit. Zudem plane das Unternehmen, die Zahl der 24 Batteriespeicher (BESS) mit 220 Megawattstunden weiter auszubauen, hieß es damals. Solche Speicher können die Erträge der Solarparks stabilisieren, indem Strom vorübergehend gespeichert wird, wenn das Stromangebot groß ist und der Preis sogar negativ sein kann, zum Beispiel über die Mittagszeit. Enerparc fand zur Finanzierung der Ausbauvorhaben ein Konsortium, das bis zu eine Milliarde Euro zur Verfügung stellte. Ein Junior-Darlehen im Volumen von 500 Millionen Euro sichere als Brückenfinanzierung den Eigenkapitalersatz für Projekte in Deutschland, Frankreich und Spanien über die kommenden fünf Jahre, hieß es im März. Das von Astris Finance strukturierte und platzierte Darlehen werde von den drei Vermögensverwaltern EIG, Schroders Capital und Eiffel Investment Group bereitgestellt. Auch die LBBW hat Finanzierungszusagen gemacht Die andere Hälfte des Finanzierungsvolumens entfällt demnach auf einen langfristigen Rahmenvertrag mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), der Finanzierungsabschnitte abhängig von bestimmten Bau- und Betriebsphasen abdeckt. Schon im Jahr zuvor hatte die LBBW ein solches Finanzierungspaket über 200 Millionen Euro gewährt. Warum die finanzielle Lage von Enerparc sich innerhalb weniger Monate so deutlich verschlechtert hat, ist noch unklar. Der Betrieb von Enerparc werde fortgeführt, teilte der vorläufige Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus mit. Diese Nachricht wird auch im Unternehmen bekräftigt: „Die Anlagen, die am Netz sind, speisen weiterhin Strom ein.“ Vermarktet wird der Strom über die Börse und über langfristige Lieferverträge von zertifiziertem Ökostrom an Großkunden. Zuständig ist dafür die Enerparc-Tochtergesellschaft Sunnic Lighthouse GmbH. „Sunnic Lighthouse ist ein eigenständiges und wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen mit einem etablierten Geschäftsmodell“, bekräftigt Geschäftsführer Arved von Harpe. „Unser operatives Geschäft läuft stabil, wir beliefern unsere Kunden zuverlässig mit Strom und führen unsere Zusammenarbeit mit Anlagenbetreibern und Handelspartnern wie gewohnt fort.“ Sunnic Lighthouse GmbH erwarte einen positiven Cashflow und sei finanziell abgesichert. Enerparc wurde im Jahr 2008 von drei erfahrenen Energiemanagern gegründet, die auch heute noch Eigentümer und Vorstände sind: Christoph Koeppen ist Vorstandschef, Frank Müllejans verantwortet die Finanzen, und Stefan Müller ist als operativer Vorstand für den (auch internationalen) Vertrieb und die Geschäftsentwicklung zuständig. Das Unternehmen hat knapp 700 Beschäftigte, davon gut die Hälfte in der Zentrale in der Hamburger Hafencity.
