In Sachen größtmöglicher Aufmerksamkeit war es eine gute Woche für das internationale Damentennis: Am Dienstag war Aryna Sabalenka, die Weltranglistenerste und der größte Star der WTA-Tour, zu Gast in der „Tonight Show“ von Jimmy Fallon. Sabalenka ist eine Entertainerin. So souverän, wie sie auf dem Court mit brachialer Schlaggewalt agiert, so lässig meisterte sie auch diesen TV-Auftritt. Am Ende kritzelte sie dem Gastgeber eine Unterschrift auf die Stirn, ein scherzhafter Verweis auf ein Ritual mit ihrem Performance-Coach Jason Stacy nach großen Siegen. Sabalenka ist schrill, albern und strahlt – sie ist gemacht für solche Gigs. Der WTA, dem Weltdachverband des professionellen Damentennis, war dieser Auftritt eine Meldung auf der eigenen Website wert. Sabalenka, das größte Zugpferd der Tour, wird gerne ins Schaufenster gestellt. Doch die WTA setzt nicht allein auf die Strahlkraft ihrer prominentesten Spielerin. Strategisch noch wichtiger als ein Auftritt in einer amerikanischen Late-Night-Show ist eine Partnerschaft, die die Tour über Jahre hinweg prägen dürfte: Mercedes-Benz wird ab dem 1. Januar 2026 „Premier Partner“ der WTA-Tour – unter dem Claim „WTA-Tour – driven by Mercedes-Benz“. Für die Tour bedeutet das nicht weniger als die umfassendste Markenkooperation ihrer Geschichte. Am Mittwoch beim Kick-off-Event dieser Partnerschaft im Mercedes-Benz Museum in Stuttgart zeigte sich, wie ernst es der WTA mit ihrer internationalen Positionierung ist – und wie prominent die Unterstützung dabei ausfällt. Die Lockerheit des Museumsnachmittags stand im bewussten Kontrast zur Tragweite der Ankündigung. Da hatte die Marketingabteilung des Autobauers natürlich geliefert und mit Andrea Petkovic die perfekte Moderatorin auf die Bühne geschickt. Die ehemalige deutsche Weltklassespielerin hat sich seit ihrem Karriereende vor drei Jahren als eine der profiliertesten Stimmen im Frauentennis etabliert. Petkovic führte mit Charme und feinem Witz durch die Veranstaltung. Im Saal hatten sich Persönlichkeiten versammelt, die die Geschichte und Gegenwart des Frauentennis prägen. Billie Jean King, Gründerin der WTA, war aus Amerika angereist; allein ihre Präsenz verlieh der Sache eine historische Dimension. King sagte in Stuttgart: „Seit der Gründung der WTA war es unsere Mission, jedem Mädchen und jeder Frau die Möglichkeit zu geben, sich messen zu können, Anerkennung für ihre Leistung zu bekommen und ihren Sport zum Beruf zu machen. Athletinnen verdienen eine globale Bühne, auf der sie gesehen und gehört werden und auf der sie auch selbst glänzen und inspirieren können.“ Es wurde viel geklatscht und sich zugenickt. Nebenrolle für Federer Auch Roger Federer, seit Jahren eng mit Mercedes-Benz verbunden, nahm in der ersten Reihe Platz. Er spielte an diesem Abend nur eine Nebenrolle, doch seine Anwesenheit sollte wohl die langfristigen Verbindungen, die der Konzern im Tennis pflegt, unterstreichen. Einen der eindrucksvollsten Momente lieferte jemand, der gar nicht vor Ort war. Coco Gauff, US-Open-Siegerin und eine der prägenden Figuren einer neuen Generation, wurde kurz vor einer Trainingseinheit per Video aus den USA zugeschaltet. Nur wenige Minuten, aber die reichten: Die smarte Gauff wirkt wie die Idealbesetzung für eine Partnerschaft, die ja Sichtbarkeit schaffen und inspirieren soll. Gauff ist erst 21 Jahre alt. Aber sie steht eben schon länger für Professionalität und Glaubwürdigkeit. Gauff, die das Gesicht dieser neuen Partnerschaft ist, verriet – völlig überraschend – nichts über ihr Honorar und die Details des Mega-Deals. In Tenniskreisen wird über eine Größenordnung von rund 25 Millionen Dollar pro Jahr spekuliert, die der Autokonzern ins Damentennis stecken wird, teilweise ist sogar von noch höheren Summen die Rede. Die tatsächliche Höhe hängt dem Vernehmen nach davon ab, an wie vielen Turnieren Mercedes-Benz wirklich präsent sein wird und wie umfangreich die Aktivierungen ausfallen. Zu hören war, dass im kommenden Jahr bei 30 Turnieren auf der Tour aktiviert werden soll. Was immer das auch heißt. Über die konkrete Laufzeit äußerten sich weder die WTA noch der Automobilkonzern. Fest steht nur, dass die Vereinbarung die größte Partnerschaft in der Geschichte der WTA darstellt und die bisherige Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsunternehmen Hologic klar übertrifft. Für die WTA markiert die Kooperation einen echten Einschnitt. Der Verband steht seit Jahren unter Druck, wirtschaftlich stabiler zu werden und zugleich strukturell enger mit den Organisatoren des Herrentennis zusammenzurücken. Eine Partnerschaft dieser Dimension stärkt also womöglich nicht nur die öffentliche und internationale Wahrnehmbarkeit der Tour, sondern auch ihre Verhandlungsposition in einer Phase, in der die Diskussion über eine mögliche Zusammenführung der kommerziellen Strukturen neu an Fahrt gewinnt. Der Tag im Museum war ein Hinweis darauf, dass das Damentennis seine Zukunft nicht mehr allein über sportliche Leistungen ihrer Hauptdarstellerinnen definieren will, sondern über strategische Allianzen, die größer gedacht sind als der Stern auf dem Netz. Wie weit diese Ambitionen tragen, wird sich aber erst zeigen.
