FAZ 10.12.2025
13:26 Uhr

Eileen Higgins: Wer ist die erste Bürgermeisterin von Miami?


Seit fast 30 Jahren stellen die Demokraten erstmals wieder den Bürgermeister von Miami. Die Partei sieht das als Zeichen für kommende Wahlen.

Eileen Higgins: Wer ist die erste Bürgermeisterin von Miami?

Eileen Higgins hat geschafft, was keiner Frau vor ihr gelang: Sie wird Bürgermeisterin von Miami. Die 61 Jahre alte Demokratin besiegte in einer Stichwahl am Dienstag ihren Gegenkandidaten von den Republikanern, Emilio González. Am Dienstagabend hatte die Ingenieurin einen Vorsprung von rund 19 Prozentpunkten erlangt, berichtete die Nachrichtenagentur Associated Press. Mit Higgins’ Sieg ist der Posten seit rund 30 Jahren erstmals wieder in der Hand der Demokraten, und erstmals seit den Neunzigerjahren führt jemand ohne hispanische Wurzeln die Stadt; die Politik in Miami wurde in den vergangenen Jahrzehnten von kubanischstämmigen Republikanern geprägt. Higgins feierte ihren Erfolg am Abend. Ihren Unterstützern sagte sie, diese hätten „eine neue Richtung eingeschlagen … Ihr habt Kompetenz dem Chaos vorgezogen“. In einer Stellungnahme legte sie wenig später nach. Nach Jahren „von Chaos und Korruption“ werde nun ein neues Kapitel aufgeschlagen, teilte sie mit. Es beginne eine neue Ära für die Stadt – eine Ära „geprägt von ethischer, verantwortlicher Führung, die sich für die Menschen einsetzt“. Sie wolle eine Führung stellen, die „endlich das Vertrauen der Bevölkerung gewinnt“, äußerte sie. Die Demokraten feiern Damit griff sie auf die Slogans ihrer Wahlkampagne zurück, in der sie versprochen hatte, sich um die Themen vor Ort zu kümmern. Zwar stellte sie diese in den nationalen Kontext, machte aber klar, dass es ihr vor allem um die Stadt gehe. Die Bürger wollten, dass die lokale Führung sich um sie kümmert, sagte sie im Wahlkampf. Ihre Lehre aus den vergangenen Wahlen in Virginia und New Jersey – in denen zwei Demokratinnen zu Gouverneurinnen gewählt wurden – sei, dass die Bürger moderate Politiker wollten. Sie sagte auch, sie werde mit Präsident Donald Trump zusammenarbeiten, wenn es dafür eine Grundlage gebe. Doch gerade in der Migrationspolitik sehe sie diese nicht. Trumps Migrationspolitik nannte sie in einer Fernsehdebatte „unmenschlich und grausam“. Miami sei eine Stadt, geprägt von Einwanderern, und das habe sie stark gemacht. Higgins war in den Zweitausendern in die Stadt gezogen, nachdem sie jahrelang im Ausland in der Entwicklungshilfe gearbeitet hatte. Sie war unter anderem in Belize tätig, kümmert sich aber auch um Themen in Mexiko und Südafrika. 2018 wurde sie erstmals Abgeordnete für den Regierungsbezirk Miami-Dade, in dem die Stadt Miami liegt. Diesen Posten musste sie im November räumen, um an der Wahl zum Bürgermeister teilzunehmen. Ihr Gegenkandidat González gestand seine Wahlniederlage noch am Dienstag ein. Er habe Higgins angerufen und ihr alles Gute gewünscht, teilte er mit. Die Demokraten feierten den Erfolg im Süden Floridas. Der Vorsitzende der nationalen Parteiorganisation, Ken Martin, teilte mit, der Erfolg sei „ein Beweis dafür, was Demokraten erreichen können“. Es sei ein „Warnsignal an die Republikaner“, dass die Wähler genug hätten „von einer Politik, die die Lebenshaltungskosten im ganzen Land in die Höhe treibt“. Trump konnte den Regierungsbezirk gewinnen Tatsächlich reiht sich das Ergebnis in Miami in eine Reihe von demokratischen Wahlerfolgen in den vergangenen Wochen und Monaten ein. Wie auch bei anderen Wahlen versuchten die Demokraten den republikanischen Kandidaten in die Nähe des Präsidenten Donald Trump zu rücken, um von dessen geringen Beliebtheitswerten zu profitieren. In diesem Fall gelang das auch, weil Trump auf seiner Plattform Truth Social wiederholt für González geworben hatte. Noch am Samstag hatte er geschrieben, González sei „phantastisch“ und die Wahl in Miami „groß und wichtig“. Das kam bei den Wählern nicht gut an. In Miami leben rund eine halbe Million Menschen, abgestimmt haben am Dienstag allerdings nur rund 37.000. Im Gegensatz zu den Demokraten versuchten die Republikaner die Niederlage in Miami kleinzureden, sie habe wenig Aussagekraft für die Zwischenwahlen im nächsten Jahr. Allerdings konnten sie dieses Mal im Gegensatz zu vergangenen Wahlen in Jahren, in denen keine nationale Wahl bevorstand, ihre Basis nicht ausreichend mobilisieren. Zudem ist der demokratische Erfolg in Miami einer gegen den lokalen Trend. Trump konnte den Wahlbezirk Miami-Dade bei der Präsidentenwahl im vergangenen Jahr als erster Republikaner seit 36 Jahren für sich gewinnen. In der Stadt hatte die Demokratin Kamala Harris zwar einen knappen Vorsprung vor Trump, aber das war ein deutlicher Rückschritt zu vier Jahren zuvor. Da hatte der Demokrat Joe Biden noch 19 Prozentpunkte Vorsprung vor Trump – denselben Vorsprung, mit dem nun Higgins gegen González gewinnen konnte.