Die Bausparkassen blicken angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage in Deutschland verhalten in das kommende Jahr. „Die künftige Bausparneigung wird deshalb auch davon abhängen, ob es gelingt, Zuversicht in der Breite zurückzugewinnen. Einen nicht unwesentlichen Beitrag dazu kann die Politik leisten, indem sie den Erwerb von Wohneigentum stärker unterstützt und damit Mut macht, dass Wohneigentum weiterhin gelingen kann“, teilte der Verbandsdirektor der Landesbausparkassen, Axel Guthmann, mit. Der Verband der Privaten Bausparkassen erklärte, erste Impulse in der Wohnungspolitik machten zuversichtlich. Nach dem Ende der Hochzinsphase normalisiert sich das Geschäft der Bausparkassen weiter. „Acht Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB) haben den Leitzins auf 2,15 Prozent gesenkt“, betonte der Vorstandschef des Branchenprimus Schwäbisch Hall, Mike Kammann. Der Gesamtmarkt sei von Januar bis September um etwa 15 Prozent geschrumpft, bezogen auf die Anzahl der Verträge – auch der Marktführer spüre dies. Das Neugeschäft schwächte sich gleichfalls bei Landesbausparkassen weiter ab. In den ersten neun Monaten dieses Jahres wurden bei ihnen rund 297.000 neue Bausparverträge mit einem Volumen von 16,5 Milliarden Euro abgeschlossen. Das entspricht im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einem Minus von 13,9 Prozent bei der Zahl der Verträge und einem Minus von 20,8 Prozent bei der Bausparsumme. Die LBS Süd, die ihr Geschäftsgebiet in Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz hat, konnte sich der negativen Entwicklung gleichfalls nicht entziehen. Wüstenrot konnte sich nach Angaben von Vorstandschef Bernd Hertweck 2025 besser entwickeln als der Markt. Nach ihren eigenen Berechnungen wurde bis Ende September der Marktanteil um rund 5 Prozent gesteigert auf rund 17,5 Prozent. Konkretere Angaben wurden nicht gemacht. Die Landesbausparkassen stehen für gut ein Drittel des deutschen Marktes, den Rest teilen sich die privaten Institute. Im Kernland der Sparer und Häuslebauer Das Kernland der Branche ist Baden-Württemberg. Marktführer ist Schwäbisch Hall. Die Bausparkasse steht eigenen Angaben zufolge für rund 34 Prozent Marktanteil beim eingelösten Neugeschäft. Bausparen wird meist mit der älteren Generation in Verbindung gebracht. Kammann sagte: „Mehr als die Hälfte unserer Erstverträge schließen wir derzeit bei Kunden unter 28 Jahren ab.“ Grundsätzlich teilen sich Bausparverträge in zwei Phasen auf: Sparerinnen und Sparer zahlen regelmäßig Geld ein, um nach einigen Jahren das Recht auf einen Kredit mit vergleichsweise niedrigen Zinsen zu bekommen. Dadurch haben sie Planungssicherheit, zum Beispiel für den Kauf einer Wohnung. Darüber hinaus erhalten sie Guthabenzinsen. Das Geschäft mit der Baufinanzierung läuft hingegen gut. Mit 7,7 Milliarden Euro Volumen und einem Plus von gut 21 Prozent übertreffe man die Planungen zum Ende des dritten Quartals deutlich, teilte der Vorstandschef von Schwäbisch Hall mit. „Hauptzweck bleibt der Kauf von Bestandsimmobilien, oft verbunden mit einer Modernisierung.“ Insgesamt gibt es acht private Bausparkassen in Deutschland. Das Geschäft der Landesbausparkassen ist auch im dritten Jahr in Folge geprägt von einem steigenden Absatz zinsgünstiger Kredite, wie Verbandsdirektor Gutmann mitteilte. „Bau- und Kaufwillige nutzen den Bausparvertrag nicht mehr nur als Eigenkapital für ihr Vorhaben, sondern nehmen vermehrt auch das niedrig verzinsliche Bauspardarlehen in Anspruch.“ Mit Kapitalauszahlungen von 9,7 Milliarden Euro in den ersten neun Monaten des Jahres 2025 steuern die Landesbausparkassen eigenen Angaben zufolge auf ein ähnlich gutes Ergebnis wie im Vorjahr zu. Der Bestand an Bauspardarlehen kletterte bei den öffentlich-rechtlichen Instituten bis einschließlich September auf 9,2 Milliarden Euro. Die LBS Süd mit Sitz in Stuttgart erklärte, dass Finanzierungsneugeschäft, das heißt die Neubewilligungen bei den Bauspardarlehen und bei den außerkollektiven Krediten, liege im bisherigen Jahresverlauf etwa auf Vorjahresniveau, wobei insbesondere die Bauspardarlehen mit ihrem günstigen und verlässlichen Darlehenszins nachgefragt werden. „Die meisten LBS-Mittel werden aktuell für Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen verwendet, gefolgt von der Ablösung bestehender Baukredite bei laufenden Finanzierungen, wenn dort die Zinsfestschreibung ausläuft.“ Der Chef von Schwäbisch Hall Kammann fügte hinzu, die Musik im Baufinanzierungsmarkt spiele nach wie vor im Bestand – gut zwei Drittel der Finanzierungen des Instituts finden hier statt. Zwar ziehe der Neubau seit Jahresbeginn leicht an, die Zahl der Baugenehmigungen für neue Einfamilienhäuser sei beispielsweise in den ersten drei Quartalen des Jahres um 17,4 Prozent gestiegen. „Ein echter Trend ist aber noch nicht erkennbar.“
