Den mit 10.000 Euro dotierten Wiesbadener Ludwig-Beck-Preis für Zivilcourage erhalten in diesem Jahr die russische Historikerin und Publizistin Irina Scherbakowa und die russische Aktivistin Julia Nawalnaja, die Witwe des russischen Oppositionellen und Dissidenten Alexej Nawalnyj. Der Preis für Bürgermut der Landeshauptstadt Wiesbaden geht an Johann Zernickel und Andrej Belosludov. Die offizielle Verleihung beider Preise findet Ende Januar im Rathaus statt. Dem Auswahlgremium gehörten Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD), Stadtverordnetenvorsteher Gerhard Obermayr (CDU) sowie Vertreter von Stadt, Kirchen, Organisationen, Vereinen und Medien an. Irina Scherbakowa erhalte den Preis für ihr langjähriges Engagement als Gründungsmitglied der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial, heißt es. Die Historikerin und Wissenschaftlerin engagiere sich für die Aufarbeitung und Aufklärung der Verbrechen der Sowjetära und der sowjetischen politischen Gewaltherrschaft. Sie sei ein Sprachrohr der Freiheitsbewegung in Russland und setze sich für ein demokratisches Russland und Aussöhnung ein. Seit Juli 2022 lebt sie im Exil in Deutschland. Julia Nawalnaja wird für die jahrelange Unterstützung ihres Mannes Alexej Nawalnyj bis zu dessen Tod ausgezeichnet. Sie trete für die elementaren Werte der UN-Menschenrechtscharta unter Gefährdung ihrer Freiheit und ihres Lebens ein, lautet die Begründung. Auf diese Weise führe sie den politischen Kampf ihres Mannes fort. Mit dem mit 2500 Euro dotierten Preis für Bürgermut werden seit 2011 Personen, Vereinigungen und Institutionen aus Wiesbaden geehrt, die sich in besonderer Weise für andere Menschen eingesetzt haben. Johann Zernickel und Andrej Belosludov wurden vom früheren Polizeipräsidenten von Westhessen, Felix Paschek, für die Auszeichnungen vorgeschlagen. Im April 2024 retteten sie eine Nachbarin vor einem Messerangriff. Zernickel zog den Angreifer von der Nachbarin weg und hielt ihn bis zum Eintreffen der Polizei fest. Belosludov sicherte das Messer und leistete Erste Hilfe. Die schwer verletzte Nachbarin wurde ins Krankenhaus gebracht und dort erfolgreich operiert. „Zivilcourage und Bürgermut bedeutet, nicht wegzusehen, wenn andere Hilfe brauchen. Wer Verantwortung übernimmt, schützt nicht nur Einzelne, sondern stärkt das Vertrauen und den Zusammenhalt in unserer Gemeinschaft“, so der Oberbürgermeister. Beide Preisträger hätten ein Zeichen für Menschlichkeit gesetzt.
