Als die Pressekonferenz in der Frankfurter WM-Arena nach dem Bundesligaspiel vorbei war, machte BVB-Trainer Niko Kovac Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche in kleinerer Journalistenrunde ein großes Kompliment. Frankfurts neuer Fußballstürmer Arnaud Kalimuendo sei ein guter Spieler, lobte Kovac mehrmals die Personalauswahl der Hessen im Winter. Der 54 Jahre alte Fußballlehrer weiß, wovon er spricht, denn er trainierte einst die AS Monaco. In Frankreich lief ihm der in Paris ausgebildete Kalimuendo über den Weg und überzeugte ihn mit seinen Fähigkeiten. Einen kleinen Schönheitsfehler glaubte Kovac beim Franzosen, heute Leihspieler von Nottingham Forest, am Freitagabend beim spektakulären 3:3 trotzdem entdeckt zu haben. Er habe den Angreifer austrainierter in Erinnerung, sagte Kovac, der es nicht böse meinte, mit einem Augenzwinkern. Mit einem vielsagenden Lächeln reagierte der Trainer dann, als er auf eine mögliche Gewichtszunahme seines Spielers Niklas Süle angesprochen wurde. Süle, das ist kein Geheimnis, hatte in der Vergangenheit als Profi öfter mit seinen Pfunden zu kämpfen. Der 30-Jährige, stattliche 1,95 Meter groß und laut Datenbank rund 100 Kilo schwer, hatte zum Start nach der Winterpause auf dem Platz ab und an einen schweren Stand. Das zeigte sich auch in der 41. Spielminute: Diesmal konnte der Verteidiger den davoneilenden Eintracht-Stürmer Younes Ebnoutalib nur mit einer festen Umklammerung stoppen, was Süle folgerichtig eine Gelbe Karte einbrachte. Ebnoutalib bei der Eintracht auf dem Vormarsch Die Szene zeigte ebenfalls exemplarisch, dass Ebnoutalib bei den Frankfurtern schnell auf dem Vormarsch ist und eine Spielklasse höher wohl keine lange Eingewöhnungszeit braucht. Der ehemalige Zweitligaprofi, für rund acht Millionen Euro Ablösesumme von der SV Elversberg gekommen, schoss im Sturmlauf und mit Wucht den Treffer zum 2:2-Ausgleich (71. Minute), es war sein erstes Erstligator in seiner jetzt steil nach oben verlaufenden Karriere. Als 297. Eintracht-Spieler trug er sich in der Bundesliga in die Torschützenliste ein. Senkrechtstarter Ebnoutalib ließ buchstäblich Zahlen für sich sprechen. Seine 21 Sprints und 70 intensiven Läufe waren die meisten aller Eintracht-Profis. Teamintern ganz oben stand Ebnoutalib außerdem mit 17 absolvierten Zweikämpfen und sieben Luftduellen. 11,81 von ihm zurückgelegte Kilometer bedeuteten zudem die zweitgrößte Laufstrecke hinter seinem Mitspieler Hugo Larsson. „Ich glaube, dass sich Younes direkt sehr gut freigeschwommen und extrem aufgerieben hat“, freute sich Frankfurts Trainer Dino Toppmöller über Ebnoutalibs gelungenen Einstand. „Er ist dahin gegangen, wo es weh getan hat, und hat sich mit einem tollen Tor belohnt.“ Flügelstürmer Ansgar Knauff, seit Samstag 24 Jahre alt, bescheinigte seinem neuen Teamkollegen ein „super Spiel“. Eins, das der gebürtige Frankfurter wohl nie vergessen wird. Nach seinem Treffer vor 59.500 Zuschauern im Waldstadion formte Ebnoutalib in Feierlaune mit der rechten Hand eine 4 und mit der linken eine 3 sowie eine 9. Diese vom 22-Jährigen präsentierten Endziffern stehen für die Postleitzahl seiner „Heimat Frankfurt“, für die Nordweststadt, in der der Offensivspieler aufgewachsen ist und die Ebnoutalib mit seinem ungewöhnlichen Karriereweg jetzt bestens repräsentiert. Erst ohne Arbeit im Fußball, dann Regionalliga in Gießen und zweite Liga und nun Bundesliga in Reihen des Champions-League-Teilnehmers – das sind im Schnelldurchgang die zurückliegenden Arbeitsstationen des aufstrebenden Torjägers. In den verbleibenden zwei Vorrundenspielen der Königsklasse bei Quarabag Agdam in Baku (21. Januar, 18.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei DAZN) und zu Hause gegen Tottenham (28. Januar) darf Ebnoutalib aber nicht zum Kader gehören, weil er nicht spielberechtigt ist. Erst nach der Liga-Phase und vor der K.-o.-Runde – Stichtag ist der 5. Februar – könnten die Frankfurter, Voraussetzung ist ihr Weiterkommen, bis zu drei neue Spieler nachmelden. „Die Neuzugänge tun uns sehr gut“ Das heißt auch: Arnaud Kalimuendo kann für die Hessen in diesem Monat in der Champions League ebenfalls keine Tore schießen. In der Bundesliga warten im ersten Monat des neuen Jahres noch vier überwiegend anspruchsvolle Aufgaben – Stuttgart, Bremen (beide auswärts), Hoffenheim und Leverkusen – auf die Eintracht. Und da können sich die Frankfurter auch einiges von den Sturmqualitäten Arnaud Kalimuendos erhoffen, der im Duell mit der Borussia nach seiner Einwechslung in der 63. Minute vielversprechende Ansätze zeigte. Mit Ebnoutalib, aber auch Kalimuendo habe die Eintracht „vorne ganz andere Möglichkeiten als in den letzten Wochen vor der Winterpause“, sagte Dino Toppmöller und zeigte sich „sehr zufrieden“. Nach 71 Spielminuten stachen Kalimuendos Fertigkeiten allen Stadionbesuchern in die Augen: Auf sehenswerte Art bereitete er mit einem mustergültigen Pass in die Tiefe Ebnoutalibs Treffer zum 2:2 vor. Auch an Mahmoud Dahouds Tor zum 3:2 in der Nachspielzeit war Kalimuendo beteiligt. „Arnaud kam rein, gibt direkt die Vorlage, hat sich gut eingebracht“, sagte Ansgar Knauff. „Die Neuzugänge tun uns sehr gut.“ Auch wenn Kalimuendo bei Kovac vor ein paar Jahren in Frankreich einen austrainierteren Eindruck hinterlassen haben mag, am Freitag fiel das in Frankfurt sportlich nicht ins Gewicht. Ganz im Gegenteil: Kalimuendo brachte nach seiner Hineinnahme Schwung ins Spiel – und machte mit seiner Leistung Lust auf mehr.
