FAZ 26.11.2025
16:55 Uhr

Duell in Champions League: Eintracht Frankfurt gegen die Göttin


Mit Atalanta Bergamo geht es für Eintracht Frankfurt gegen einen italienischen Traditionsklub. Dass sich die Anhänger beider Mannschaften gut gesonnen sind, lässt auf ein Fan-Fest hoffen.

Duell in Champions League: Eintracht Frankfurt gegen die Göttin

La Dea, die Göttin, wird Atalanta in Italien liebevoll genannt. Oder ehrfürchtig. Aktuell aber eher zwinkernd, spielen die Norditaliener doch nicht mehr so furchteinflößend wie in den vergangenen Jahren. 2024 gewannen sie die Europa League, das war der Höhepunkt der Amtszeit von Trainer Gian Piero Gasperini. Damals war Bergamo die einzige Mannschaft, die Xabi Alonsos Leverkusen schlug – im Finale 3:0, durch drei Treffer von Stürmer Ademola Lookman. Gasperini brachte Atalanta bei, über den gesamten Platz Mann gegen Mann zu verteidigen. Das revolutionierte das Defensivspiel in Europa, wurde aber entschlüsselt. Gasp, wie sie den Trainer in Bergamo nannten, verließ im Sommer nach neun Jahren den Klub und coacht nun in Rom. Er ist das Gesicht des Atalanta-Aufstiegs: Mit ihm mauserte sich der Provinzklub aus dem Schatten der Nordrivalen Inter, Milan und Juventus bis in die Champions League. Bergamo, eine kleine, schicke 120.000-Einwohner-Stadt, hat nicht wie die anderen Teams aus dem Norden Fans in ganz Italien und Europa. Dafür aber eine treue, traditionelle Fanszene. Sie pflegt eine Freundschaft zu Teilen der Eintracht-Fans, weshalb am Mittwoch mehrere tausend Fans aus Bergamo in Frankfurt erwartet werden. In den vergangenen Jahren gab es mehrere Freundschaftsspiele der beiden Klubs, die deren Fans für Besuche in Hessen und der Lombardei nutzten. Nun kommt es an diesem Mittwoch (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei DAZN) zum ersten Pflichtspiel zwischen beiden Klubs. 2020, als das Coronavirus Bergamo schwer traf, solidarisierten sich die Eintracht-Ultras mit einem Spruchband an der Alten Brücke: Bergamo, gib nicht auf, war darauf zu lesen. Auch wegen dieser Freundschaft gilt die Eintracht in Italien als das Atalanta Deutschlands. Ein Klub, der jahrelang gegen den Abstieg kämpfte und dann durch kluge Managemententscheidungen nach oben kam. Ein Klub mit einer großen, regionalen Anhängerschaft, die gerne durch Europa reist. Und ein Klub, der auf dem Weg zum überraschenden Europapokaltitel große Gegner besiegte. Die Eintracht das große Barcelona, Atalanta das unschlagbare Leverkusen. Das ist mittlerweile bei beiden Klubs eine Weile her. Heute steht Atalanta auf dem 13. Platz der Serie A, zuletzt verlor La Dea dreimal in Serie. Auch der Nachfolger Gasperinis ist bereits freigestellt, mittlerweile trainiert Raffaele Palladino den Klub. Vorne aber stürmt noch immer Lookman, in der Königsklasse stehen die Italiener bereits bei sieben Punkten, zuletzt schlugen sie Marseille 1:0. Weit ist der Weg in die Play-offs dort nicht mehr für die Göttin.