FAZ 06.02.2026
08:25 Uhr

Dschungelcamp-Kolumne: „Wow, so bekommt man Patrick also rum!“


An Tag 14 herrschen optimale Bedingungen für Gil Ofarim – blendet man Krawallgenie Ariel aus. Die deutsche Sprache wird abermals traktiert. Und das Wort Afterparty bekommt eine ganz neue Bedeutung.

Dschungelcamp-Kolumne: „Wow, so bekommt man Patrick also rum!“

Zwei Wochen sind verstrichen im Freilufthotel für nanorelevante Ex-Promis im Aufmerksamkeitsdispo. Die Zeit vergeht wie im Flug. Oder wie die Mensch gewordene Dauerbeschwerdesendung Ariel sagen würde: Die Zeit vergeht wie im Fluch. Denn auch an Tag 14 heißt es wieder: Murmeltiertag in der Gil-Ofarim-Dschungelklinik für Schweigetherapie. Dort stellt Chefärztin Ariel Gil im 24-Stunden-Takt zuverlässig vor die Frage, ob er nicht endlich mal seine Version der Geschehnisse rund um seinen Gerichtsprozess in der Hotellobby-Affäre darlegen wolle. Und wie in den 336 Stunden zuvor verweigert Gil konsequent die Aussage – inzwischen merklich unentspannter als noch in der Frühphase dieser Dschungelsaison. Exemplarisch dafür möchte ich diesen Qualitätsdialog dokumentieren: Ariel: „Warum sagst du nichts? Du verarschst die Zuschauer!“ Gil: „Leck mich am Arsch!“ Ariel: „Nee, ich lecke dich nicht am Arsch, hinterher habe ich irgendwelche Krankheiten!“ Da bekommt der Begriff Afterparty eine ganz neue Bedeutung. Genau wie der Begriff Zeitschleife. Das fällt sogar „Wer nichts wird, wird Landwirt“-Testimonial Patrick Romer auf: „Ariel wiederholt sich dauernd. Sie sagt dasselbe und dann noch mal dasselbe und dann noch mal dasselbe.“ Ach, sag bloß, Sherlock. Welche spannenden Zusammenhänge deckt Agrarinfluencer Patrick als Nächstes auf? Samira Yavuz war mal im „Playboy“ und ist dort nackt zu sehen? „Heute sind alle schon nach einer Achtstundenschicht völlig fertig!“ Ganz andere Probleme hat Simone Ballack. Mit Blick auf die tagsüber schlafende Ariel prangert sie die Verweichlichung der Jugend an: „Ich hatte damals fünf Jobs parallel, aber heute sind alle schon nach einer Achtstundenschicht völlig fertig!“ Na ja, alle außer Ariel. Die hängt an acht Stunden Gil-Beschimpfungen nahtlos acht Stunden Gil-Beleidigungen dran. Ein Talent, das nicht alle so feiern wie den Auszug von Teilzeitexhibitionist Stephen Dürr. Hardy Krüger Jr. beispielsweise befürchtet: „Stell dir vor, die gewinnt auf diese Art und Weise. Dann verstehe ich die Welt nicht mehr!“ Verständlich. Die einzige Art zu gewinnen, die Hardy kennt, ist: 16 Stunden rumsitzen, sieben Stunden schlafen und eine Stunde essen. 16 Stunden Schlaf, darauf blickt auch Eva Benetatou endlich wieder. Nachdem das Zuschauervoting sie am Vorabend aus dem Camp Eva-kuiert hatte, sieht sie sich als eigentliche Gewinnerin: „Ich bin über mich hinausgewachsen.“ Oder subsumiert: „Ich habe die Vergangenheit hinter mich gelassen!“ Korrekte Grammatik aber leider auch. Dafür hat sie inzwischen die letzten zwei Wochen Instagram-Reaktionen nachgelesen und festgestellt: Ihre Flirtattacken auf Patrick werden nicht flächendeckend bejubelt. Folgerichtig wendet sie sich mit einem Dementi an die Nation: „Patrick ist doch gar nicht mein Typ!“ Natürlich nicht. Wie auch? Er ist ja nicht verheiratet. Frisch verlobt auf dem Prüfungsgelände Der unverheiratete Patrick und Ariel-Punchingball Gil werden derweil zur abendbrotrelevanten Essensprüfung entsandt. Beide sind sehr gespannt, wie der Speiseplan der diesjährigen Kamelhoden-Olympiade aussieht. Ich auch. Ariels Lieblingsgericht Shit-Take-Pilze gab es ja schon gestern. Der Tresen in der Challenge-Arena sieht ein bisschen aus wie eine Hotelrezeption, und es sind Sterne involviert. Optimale Bedingungen für Gil. Glücklicherweise hat er keine Verschwiegenheitserklärung im Kontext Nahrungsaufnahme unterzeichnet und holt fünf von sieben Sternen. Gil und Mitesser Patrick feuern sich beim Verspeisen tierischer Geschlechtsorgane so leidenschaftlich an, als hätten sie sich auf dem Weg zum Prüfungsgelände frisch verlobt. Vor dem Fernseher im Versace-Teamhotel staunt Eva Benetatou anerkennend: „Wow, so bekommt man Patrick also rum!“ In klassischer Dschungelcamp-Tradition nutzen die nicht prüfungsrelevanten Restkandidaten, die am Lagerfeuer zurückgeblieben sind, Gils Abwesenheit für ein Kolloquium über ihn. Disclaimer: Zurückgeblieben ist in diesem Fall selbstverständlich örtlich gemeint. Im VHS-Kurs „Was erlaube Ofarim“ eröffnet Hardy mit einem kurzen Gutachten zu Ariels Argumentationskonzept: „Deine Art ist nicht zivilisiert!“ Die kritikumarmende Gil-Biographin bügelt aber jeden Begutachtungsansatz ab: „Ich möchte nicht mit samten Handschuhen streicheln!“ Das trifft sich gut, denn Hardy will den Tag nicht vor dem Abend graben. Bei so viel Sprichwortbingo möchte auch Simone nicht fehlen und ergänzt: „Man kann nicht wie eine Axt durch den Wald gehen!“ „Ich glaube, die Simone könnte hier das Camp anzünden!“ Getreu diesem Motto zieht sie plötzlich ansatzlos eine völlig Unbeteiligte mit vor den Gil-Gerichtshof: „Der war bei ‚Let’s Dance‘ mit Ekaterina Leonova. Recherchier doch mal, wann die Trennung von seiner Frau war!“ Da schlägt selbst bei Samira das Lästerfrühwarnsystem an: „Ich glaube, die Simone könnte hier das Camp anzünden!“ Viel unangenehmer als jemand, der eine Geschichte hat, aber nicht darüber spricht, ist ja eigentlich nur noch jemand, der nur andeutet, er hätte eine Geschichte, aber ebenfalls schweigt. Zumal es auch interessante Fragen an Simone Ballack gäbe. Warum sie weiterhin Ballack heißt zum Beispiel, obwohl das der Name ihres früheren Mannes ist und sie zwischenzeitlich bereits abermals verheiratet war. Nach dem Hotelgate untersucht Campdetektivin Ariel bei Zielperson Gil inzwischen ein weiteres Tatmotiv: „Der ist so viel besser drauf als gestern! Wen will der verarschen?“ Nun, in der Grundschule haben wir da gesagt: „Immer die, die fragt!“ Dieser neue Ermittlungsstrang beschäftigt die zweiundzwanzigjährige Vollzeit-Reality-Koryphäe auch noch, als Gil längst prüfungszufrieden am Lagerfeuer relaxt: „Du bist hier als Täter drin! Ganz Deutschland will wissen, warum du so eine ekelige Tat begangen hast, aber du machst den Schweigefuchs!“ Der Eskalationsmotor von Krawallgenie Ariel ist derartig geölt, Hubert Fella wacht vor Schreck beinahe aus seinem Nachmittagsschlaf auf. Und auch an Samira geht Gils Verhalten nicht spurlos vorüber: „Ich tu mir schwer!“ Und das nicht nur mit Gil, sondern gelegentlich auch mit der deutschen Sprache. Für Zivilisationsexperte Hardy Krüger ist der 14. Tag im Gil-Ofarim-Ferienlager für Schweigegelübde-Ultras gleichzeitig der letzte. Die Zuschaueraufsichtsbehörde stellt ihm die Entlassungspapiere aus. Wer das Halbfinale am Samstag erreichen wird, entscheidet sich damit nur noch zwischen Hubert, Patrick, Gil, Ariel, Simone und Samira. Wir haben es also bald geschafft. Bis morgen!