FAZ 05.02.2026
08:57 Uhr

Dschungelcamp-Kolumne: „Was sind denn Shit-Take-Pilze? Hä? Also Scheiße-Pilze?“


Viele Fans informieren sich ausschließlich in den Texten unserer Kolumnistin über den Dschungel. Hier stellt sie Campinsassin Ariel vor. An Tag 13 verspeist sie Pilze, streitet mit Gil Ofarim und liefert Zitate en masse. Gehen muss am Ende eine andere.

Dschungelcamp-Kolumne: „Was sind denn Shit-Take-Pilze? Hä? Also Scheiße-Pilze?“

Als Dr. Christian Drosten der Reality-TV-Nachlese möchte ich die heutige Peer-Review der Ariel-Festspiele mit einem wissenschaftlichen Einschub beginnen. Stichprobenartiges querlesen der etwa 70.000 E-Mails, die mich zu dieser Kolumne täglich erreichen, zeigt: Viele Stammleser sparen sich die drei vereinzelt von kurzen Dschungelimpressionen unterbrochenen Dauerwerbefernsehstunden am Vorabend und informieren sich ausschließlich über das Trashbranchenblatt F.A.Z. über die Geschehnisse bei „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“. Viele Mitleser haben somit keine Vorstellung davon, wer die großflächig alle Berichte dominierende Ariel überhaupt ist. Als journalistisches Premiumprodukt stellen wir besagte Ariel heute also mal näher vor. Am einfachsten ist die 22 Jahre alte Schweizerin so beschrieben: Die F.A.Z. wirbt mit dem Claim „Dahinter steckt immer ein kluger Kopf“. Würde Ariel diesen Satz hören, wäre ihre Reaktion: „Was ist ein kluga Kopf? Das ist doch bestimmt wieder sowas Ekeliges, das wir essen sollen!“ Gil Ofarim schweigt standhaft So viel zur Einordnung der Hauptprotagonistin. Die versucht auch am 13. Tag in Folge, Gil Ofarim zu einer Aussage über seine Hotellobbyvergangenheit zu provozieren. Der bleibt standhaft bei seiner Maulkorbversion. Nun bin ich keine Juristin, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es Gil gerichtlich oder per Verschwiegenheitserklärung verboten sein könnte, sich vor einem Millionenpublikum bei einem Mann zu entschuldigen, dessen Leben er mit erfundenen Antisemitismusvorwürfen zerstört hat. Auch Ariel kann sich das nicht vorstellen und nennt Gil konsequent „Lügner“. Außerdem findet sie ihn peinlich. Wobei ihr „peinlich“ sich immer ein bisschen so anhört, wie Hubert Fella schnarcht. Ein weiteres Großtalent von Ariel ist grenzenloses Allgemeinwissen: „Was sind denn Shit-Take-Pilze? Hä? Also Scheiße-Pilze?“ Da möchte man sich spontan eine Streitaxt in die Stirnhöhle schmettern lassen, damit der Schmerz nachlässt. Wobei: Immerhin denkt sie nicht, Shiitake wäre ein Tiktoker, der 40 Millionen Follower damit unterhält, tonnenweise Pilze zu essen, um dann seinen Stuhlgang im Livestream zu erledigen. Unabhängig von Inhaltsstoffen ist Ariel geschmacklich überzeugt: „Diese Shit-Take-Pilze waren so gut, das war wie ein Orgasmus!“ Ja, klingt erst mal fragwürdig. Legt man jedoch die durchschnittliche Beischlaffrequenz der Berufsgruppe Realitydarsteller in Relation zu ihrem Treuefaktor als Maßstab an, wirkt es plötzlich logisch, dass von mannigfaltigen Kopulationsakten regelmäßig Pilze zurückbleiben. Nachdem Ariels Kernkompetenz, tobsüchtiges Vorwurfsdauerfeuer, am vorigen Tag in Abwesenheit von Gil pausieren musste, hatte sie sich aus Langeweile als Spielerfrau beworben. Frisch frisiert, kristallisiert sich raus: Ihre Chancen stehen nicht schlecht. Blondiert, viele Tattoos, langjährige Realityvergangenheit. Auf der Cathy-Hummels-Eignungsskala eine stabile Sieben. Inzwischen ist Gil jedoch zurück, und Ariel schaltet wieder in den „Lügner“-Modus. Für seine kolportierte 300.000-Euro-Gage nimmt Ariel offenbar an, Gil schulde ihr einhundertprozentige Transparenz. Neben Details zu seinem Gerichtsverfahren wahrscheinlich noch seine Steuererklärung, Scheidungspapiere, Ergebnisse der letzten Darmspiegelung und die Whatsapp-Chatverläufe der letzten 15 Jahre. Ariel hat allerdings leicht reden. Sie ist 22, Gil fast doppelt so alt. Ihre Karriere steht am Anfang, Gil versucht verzweifelt, seine vor der Celebrity-Sondermüllhalde zu retten. Und während Gil nach dieser Staffel für die Dschungelhistorie keine Rolle mehr spielen wird, hat Ariel sich sogar dauerhafte Karrierechancen erarbeitet. Mit ihrer erfrischenden Konfrontationsmanie kann sie in den Folgestaffeln bei Ekelprüfungen jederzeit eine Nebenrolle als Kotzfrucht spielen. Aber auch andere Denkenthusiasten haben Wichtiges mitzuteilen. Also quält RTL die Zuschauer mit einem ausführlichen Diskursprotokoll der Lagerfeuerphilosophen Hardy Krüger jr. und Patrick Romer. Romer klärt Krüger dabei über die Balzrealität am Flirtmarkt auf: „Frauen wollen immer nach oben daten!“ Was natürlich Unsinn ist. Würden Frauen nur nach oben daten, wäre Patrick Romer Langzeitsingle. Eva Benetatou überrascht unterdessen mit einer verblüffenden Theorie über ihren One-Night-Stand mit Samira Yavuz’ Ehemann: „Ich hoffe, sie kann Kraft daraus ziehen!“ Ein selbstloser Akt des reinen female Empowerments also. Noch hilfreicher wäre nur noch: „Ich habe deine Wohnung gesprengt, damit du später in einem Haus wohnst!“ Andererseits eröffnet ihre Interpretation auch Chancen auf ein neues Geschäftsmodell: „Bucht Eva, um mit eurem Mann zu schlafen – und zack: seid ihr stärker!“ Um den Ariel-Grand-Slam vollzumachen, schickt RTL sie und Eva anschließend direkt in die legendäre Schatzsuche. Im Busch auf sich allein gestellt, vermitteln beide nicht den Eindruck, als hätten sie sich je mit dem Konzept „Kompass“ auseinandergesetzt. Würde RTL die beiden einfach machen lassen, kämen sie in drei bis vier Tagen an dem Fast-Food-Restaurant an, in dem der Nacktmull des Camps, Stephen Dürr, nach seinem Auszug gerade seinen ersten Kaffee in Freiheit genießt. Obwohl: So lange hält der schöne Moment der Freiheit dann auch nicht an. Schon wenige Minuten nach dem ersten genüsslichen Schluck stürmen Ehefrau und Zwillingstöchter in den Laden und eröffnen dem soeben heimgekehrten Familienoberhaupt: „Wir sind überrascht, dass er uns nicht blamiert hat!“ Um nachdrücklich zu beweisen, welches besondere Augenmerk sie darauf haben, sich nicht zu blamieren, feiern sie die Rückkehr ihres Vaters umgehend mit einer Art Synchrontanz, für den andere bereits lebenslanges Instagramverbot erhalten haben. Am Ende ist Stephen Dürr trotzdem glücklich – und die Zuschauer sind es auch. Immerhin ist er vollständig bekleidet. Nicht ganz so glücklich ist dagegen Eva. Trotz erfolgreicher Schatzsuche hat das IBES-Publikum von ihr noch mehr die Schnauze voll als vom Gil-Ariel-Theater oder dem Patrick-Hardy-Geschwafel, von dem sich allein beim Zuhören Gehirnzellen auflösen. Klar ist nun also: Eva Benetatou wird nicht Dschungelkönigin. Weiter im Rennen sind nur noch Simone Ballack, Samira, Hardy, Patrick, Hubert, Ariel und Gil. Wen der Bannstrahl morgen trifft, das verrate ich genau hier. Bis dann!