FAZ 30.01.2026
09:02 Uhr

Dschungelcamp-Kolumne: „Sie ist mein Aschenpudel“


An Tag sieben wird den D-Promis bewusst: Gegen die von Jan Köppen und Sonja Zietlow regierte Dschungel-Autokratie war die DDR ein Wellnessresort. Und Gil Ofarim sagt einen Satz, der unsere Kolumnistin schon als Kind aggressiv gemacht hat.

Dschungelcamp-Kolumne: „Sie ist mein Aschenpudel“

Die erste Woche in der stationären D-Promi-Suchtambulanz für karrieredefizitäre Talentspartaner ist vorüber. Euphorische Neugierde ist einer melancholischen Melange aus kalorischer Unterversorgung und zerebralen Schäden gewichen. Kein Wunder. Wer seit 168 Stunden in einer Zeitschleife gefangen ist, in der Gil Ofarim im Minutentakt erklärt, er dürfe über Details zu seinem Gerichtsverfahren nicht sprechen, verliert automatisch Gehirnzellen. Während Serienfremdgeher wie Umut Tekin demonstrieren, dass sich das durchschnittliche Bildungslevel von Realitystars auf dem Niveau von Lukas Podolskis rechtem Oberschenkel bewegt, wird den zwölf Rittern der Schwafelrunde langsam bewusst, dass sie sich freiwillig in ein despotisches Unrechtssystem begeben haben. Die Menschenrechtssituation im australischen Celebrity-TÜV ist so verheerend, erste berufssolidarische Demonstranten planen bereits eine #FreeHardyKrüger-Kundgebung vor dem Brandenburger Tor. Zu Recht, denn die Campbewohner dürfen das Lagerfeuer nicht verlassen. Sie werden 24 Stunden am Tag von gewaltbereiten Rangern bewacht. Essensrationen sind stark limitiert. Niemand darf einreisen. Luxusartikel werden ohne Gerichtsverfahren eingezogen. Gegen die von den regimetreuen D-Promi-Diktatoren Jan Köppen und Sonja Zietlow regierte Dschungel-Autokratie war die DDR ein Wellnessresort. Jan Köppen – der Donald Trump der deutschen Moderationselite Könnten Aktivisten bei Köppen und Zietlow, dem Donald Trump und der Sahra Wagenknecht der deutschen Moderationselite, irgendwie eine Verbindung zum Staat Israel konstruieren, hätte der Internationale Gerichtshof in Den Haag längst Haftbefehl ausgestellt. So jedoch dürfen Köppen, der seine Oberhemden gerne vom volltrunkenen Elton John designen lässt, und Zietlow unbehelligt den nächsten Primetime-Abend am Känguruhodenbuffet anmoderieren. Kaum ist der Trashzug der intellektuellen Unannehmlichkeiten aus dem Rangierbahnhof ausgefahren, herrscht in der RTL-Chefetage Panik. Heile Welt im Dschungelcamp? Wie soll man damit dem Quotentribunal standhalten? Da ist das RTL-Publikum gnadenlos. Verständlich. Wenn ich semiprominente Gutmenschen dabei beobachten möchte, wie sie sich in einen Rausch der gegenseitigen Selbstbeweihräucherung kuscheln, höre ich Female-Empowerment-Podcasts. Selbst die Rädelsführerinnen der Ruchlosigkeit, Eva Benetatou und Ariel, versöhnen sich vor der nach weiterem Zickenkrieg geifernden Nation. Eva entschuldigt sich, Ariels Tochter ins Spiel gebracht zu haben. Ariel revanchiert sich mit einem halbseidenen „Dann entschuldige ich mich auch für die Beleidigungen“. Das ist nicht mehr mein RTL. Stefan Raab wartet schon auf seiner Gag-Resterampe Glücklicherweise gibt es schnell Entwarnung. Ariel verkündet: „Ich wünsche nicht mal meinem ärgsten Feind eine Freundin wie Eva!“ Das Aufatmen im Produktionsteam ist bis nach Köln-Hürth zu hören. Dort wartet der Jan Köppen für humoristische Frührentner, Stefan Raab, auf seiner Gag-Resterampe darauf, spät in der Nacht mit dem Format „Die halbe Stunde nach der Stunde danach“ ein paar bettflüchtigen Spätboomern das schöne Gefühl zu geben, die Witzepolizei der Neunzigerjahre würde auch 2026 noch gelegentlich durch die TV-Programme patrouillieren. Davon unbeeindruckt liefern sich Simone Ballack und Samira Yavuz bei der abendlichen Campverköstigung einen epischen Kurzdialog: „Was ist eine Kamelwurst?“ – „Eine Wurst aus Kamel, oder?“ Da freut man sich bereits auf die Abende, an denen statt Kamelwurst Hundekuchen oder Fleischtomaten kredenzt werden. Im Dschungelstuhlkreis der Ex-Frauen kichern sich derweil Mirja du Mont und Simone Ballack in einen Fiebertraum der Belanglosigkeiten. Oder wie Ballack subsumiert: „Nach müde kommt dumm.“ Manche überspringen allerdings auch den ersten Teil. Patrick Romer dagegen manifestiert seine Absichten, zeitnah Freundin Annelie zu ehelichen: „Sie ist mein Aschenpudel.“ Was genau ein Aschenpudel ist, bleibt sein Geheimnis. Dass er Frauen zuweilen gerne wie Hunde behandelt, konnte man jedoch kürzlich im „Sommerhaus der Stars“ beobachten. Fella hält Angela Merkel für eine Britin Matthias Mangiapanes Göttergatte Hubert Fella zwingt der ihm beim gemeinschaftlichen Abwaschdienst ausgelieferten Nicole Belstler-Boettcher anschließend diverse Anekdoten aus seinem bewegten Leben als Promitrüffelschwein auf. Namen wie Steven Spielberg oder Karl Lagerfeld fallen. Hubert kennt sie alle. Meine Lieblingspromisichtung ist diese: „Wir waren mal in Bad Bissingen, da kommt Angela Merkel und sagt: Ihr versüßt mir den Sonntagabend! Die Kanzlerin guckt ‚Hot oder Schrott‘, das hätte ich nie gedacht!“ Ja, sie selbst auch nicht. Fella spricht „Angela“ dabei konsequent „Äntschela“ aus. Er hält die Exkanzlerin offenbar für eine Britin. Und damit liegt er richtig. Denn was viele nicht wissen: Die Vorgängerin von Olaf Scholz und Friedrich Merz ist in der Nähe von London aufgewachsen. In der Uckermark. Oder wie Hubert Fella es nennt: Ückämohg. Auf dem Weg zum Dschungelklo entdeckt Umut Tekin dann eine Schlange im Unterholz. Also eine echte Schlange, nicht Eva Benetatou. Sofort macht er die Ariel und kreischt den Zuschauern am TV-Endgerät die Trommelfelle weg. Schlangenexperte Gil Ofarim eilt hinzu und beruhigt: „Die hat mehr Angst vor dir als du vor ihr!“ Ein Satz, der mich schon als Kind aggressiv gemacht hat. Wenn diese scheißgroße Mutantenspinne mehr Angst vor mir hat als ich vor ihr, warum flaniert sie dann entspannt über meine Bettdecke, als wäre sie Toni Garrn auf einem Pariser Haute-Couture-Laufsteg, während ich mich zitternd auf den Schreibtisch gerettet habe? Antworten von mitlesenden Hobbyarachnologen dazu bitte gerne in die Kommentare. Es ist nämlich parallel zum Dschungelcamp gerade Fashionweek in Berlin, und ich bespreche das dann direkt mit Toni Garrn. Bis morgen.