Tag sechs im Verhaltensforschungs-Start-up-Dschungelcamp – schon zeigen sich erste Verschleißerscheinungen. Nicht nur auf intellektueller Ebene, sondern auch im Hygienebereich. Krawallmagnet Ariel Hediger trifft es dabei am härtesten. Kaum hat sie in heroischer Einzelleistung vier Sterne erkämpft, will sie sich von der eigenen Genialität berauscht mit Spa-Behandlungen im IBES-Wellnessbereich belohnen. Da allerdings machen ihr undankbare Mitcamper einen Fäkal-Strich durch die Wohlfühl-Rechnung: Ariels Handtuch ist von fremdem Körperextrakt entweiht. Sofort ist Katerstimmung bei Camp-Ruhepol Ariel: „Ich benutze kein Handtuch, das schon irgendwer in der Arschritze hatte!“ Ein perfekter Satz. Vor allem wenn man ihn sich in ihrem Schweizer Dialekt vorstellt. „Ariel benutzt kein Handtuch, das schon irgendwer in der Arschritze hatte!“ wäre auch ein exzellenter Satz für eine Laudatio, sollte Ariel eines Tages einen wichtigen Preis verliehen bekommen. Was nicht abwegig ist. Sollte beispielsweise 180-Dezibel-Kreischen irgendwann olympisch werden, ist ihr der Titel „Sportlerin des Jahres“ für Dekaden nicht zu nehmen. Vorerst sitzt die Jeanne d’Arc der Dramaindustrie aber erst mal nur im pinken Glitzerbikini am Dschungeltelefon und bepöbelt das RTL-Betreuerteam. Eine angemessene Reaktion auf das Handtuchgate. Immerhin „habe ich Scheiße auf meinem Kopf“. Während Paulanergarten-Testimonial Gil Ofarim sich noch fragt, ob in Ariels Satz das „auf“ nicht ein „in“ sein müsste, mündet Ariels Reinlichkeitsdelta in einem unverblümten Erpressungsversuch: „Ich stinke! Ich möchte jetzt ein Handtuch, oder ich packe meine Koffer und gehe!“ „Wenn man sich zum Reis Parmesan vorstellt, hat man Risotto!“ Würde Ariel für jeden markerschütternden Panikschrei während einer Dschungelprüfung einen Euro bekommen, könnte sie RTL kaufen, die IBES-Regeln ändern und täglich Sterneköche einfliegen lassen, um den Dschungelcampern ihre Lieblingsgerichte zuzubereiten. Einen, hihihi, Promiauflauf vielleicht. Da es für ihr Phobiegeplärre aber aktuell nur Kommentarspaltenhohn gibt, muss das karrierelethargische Kohldampf-Geschwader am Lagerfeuer kreativ werden. Als dringend herbeigesehnte Abwechslung zur üblichen Reisverköstigung mit gelegentlicher Känguruhoden-Haute-Cuisine beginnt Ex-Musiker Gil Ofarim, von Gourmetattraktionen in Zeiten kulinarischer wie intellektueller Unterernährung zu halluzinieren: „Wenn man sich zum Reis Parmesan vorstellt, hat man Risotto!“ Ein assoziatives Gesamtkunstwerk. Schöner wäre nur noch der Satz: Wenn man sich zum Gil ein Putztuch vorstellt, hat man zwei Lappen. Vom Hunger zermürbt beraten derweil Samira Yavuz und Simone Ballack, wer in der nächsten Prüfung für einen Zwölf-Sterne-Regen sorgen könnte. Simone setzt dabei auf Gil: „Der macht einfach alles!“ Das stimmt. Zum Beispiel Antisemitismusvorwürfe über unbescholtene Hotelrezeptionisten erfinden. Parallel dazu lauert Umut im Dschungeltelefon eine offenbar kleinwagengroße Riesenspinne auf. Gegen den anschließenden Horrorschrei der Trash-TV-Nulllösung wirkt sogar Ariels Selbsthilfegejaule wie eine im Flüsterton vorgetragene Symphonie der Eudämonie. Zum Glück gibt es den tiernahkampferprobten Fernsehlandwirt Patrick Romer, den Umut geistesgegenwärtig zur Hilfe schreit. Beide sind schnell sicher, dass es sich um einen lebensbedrohlichen Eindringling handelt. Umut kennt sogar die genaue Gattung: „Das ist eine Spinnspringe.“ Natürlich. Wer kennt sie nicht, die australische Spinnspringe? Eine Spezies, die üblicherweise in harmonischer Koexistenz mit ihren Outbackkollegen Scheinbergwecke und Kiesenrabbe lebt. Bei Tumut Ekin und Ratrick Pomer allerdings wird auch das friedlichste Tungeldschier zum Amokläufer. Mit etwas Glück und dem allroundtalentierten Patrick bekommen die beiden Nachwuchsranger den heiklen Wildtiervorfall jedoch unter Kontrolle. Siegertyp Patrick nutzt couragiert die Gunst der Stunde und klärt das Camp auf, was für ein multibegabter Gewinnertyp er ist: „Ich baue einen Bootmotor aus, ich programmiere eine Webseite, und ich besame auch eine Kuh selber!“ Auf die etwas irritierte Rückfrage, wie er denn wohl eine Kuh besamen würde, geht der Rocco Siffredi der Rinderbefruchtung ansatzlos ins Begattungsdetail: „Da hast du Sperma in einem Stickstofftank, und dann nimmst du so einen langen Stab!“ Ariel: „Ich mag Gil nicht, aber ich ziehe meinen Respekt vor dir!“ An der Stelle bin ich leider kurz ohnmächtig geworden. Die Vorstellung, wie Patrick Romer mit einem „langen Stab“ den Fekundationsakt an einer Kuh vollzieht, sprengt mein erotisches Suggestionspotential und lässt mein zentrales Nervensystem kollabieren. Zum Glück fällt mein komatöser Kopulationsblackout in eine der von RTL gelegentlich als kognitive Rettungsinseln eingestreuten Werbeblöcke von der Länge eines durchschnittlichen Lehramtsstudiums. In der anschließenden Dschungelprüfung versagen Ariel und Eva Benetatou, während Gil Ofarim sich zumindest Ekelsnacks im Gegenwert von drei Sternen reinwürgt. Da schaltet sogar Ariel in den Anerkennungsmodus: „Ich mag Gil nicht, aber ich ziehe meinen Respekt vor dir!“ Später hat sie dann sogar noch ihren Hut gezollt. Wobei das maximal als teilvergiftetes Kompliment durchgeht. Ich kann ja auch nicht sagen: „Wir haben aktuell den schlechtesten Vizekanzler aller Zeiten, aber er hat schöne Haare!“ und dann hoffen, dass Lars Klingbeil mir gerührt in die Arme fällt. Unangenehmer hätte es nur noch werden können, wenn von rechts aus dem Bildrand plötzlich Ralf Schumacher in die Szene gestürmt wäre und gefragt hätte, ob Ariel wissen möchte, wie hoch die Gage von Gil Ofarim ist. Zum Glück ist Ralf Schumacher nicht mit nach Australien gereist. Vermutlich muss er irgendwo den Ankaufspreis eines Gebrauchtwagens berechnen oder einen Eros-Ramazotti-Doppelgänger-Wettbewerb gewinnen. Egal, am Abend wird es dank Gil mehr als nur Reis und Bohnen geben. Einem elanvollen morgigen Wettbewerbstag im Plattitüdencamp der Petitessenritter steht also nichts mehr im Wege. Ich werde das protokollieren. Bis dann!
