FAZ 24.01.2026
17:33 Uhr

Dschungelcamp-Kolumne: „Ich bin nur ein bisschen dumm! Darum bin ich hier!“


Jede Menge denk- und zitierwürdige Momente in Australien: Ehemalige Spielerfrauen wollen sich von Ex-Männern emanzipieren, andere Promis zeigen sich im Adamskostüm. Und tierische Geschlechtsteile essen sie alle. Tag eins im Dschungelcamp.

Dschungelcamp-Kolumne: „Ich bin nur ein bisschen dumm! Darum bin ich hier!“

Die gute Nachricht zuerst: Das Auffangcamp für aufmerksamkeitsdefizitäre Teilzeitprominente wird auch diese Saison von Jan Köppen und Sonja Zietlow wegmoderiert. Nachdem der Jugendsender ZDF angekündigt hatte, seinen Showmythos „Wetten, dass...?“ zukünftig von Bill und Tom Kaulitz, den Kessler-Zwillingen der Generation Tiktok, moderieren zu lassen, flackerte kurz die Angst auf, RTL würde das Dschungelcamp womöglich von Shirin David und den Lochis präsentieren lassen. Aus Dankbarkeit, dass RTL nach Stefan Raab noch einem weiteren alternden Moderator die Prime-Time-Lizenz verlängert, hat Jan Köppen sich phänotypisch hochoptimiert. Hat Köppen etwa den Oliver Pocher gemacht und mit der Abnehmspritze experimentiert? Spontane Verschlankung hat viele Vorteile. Zur Premierenshow etwa trägt Köppen eine Tischdecke meiner Oma. Die hätte letztes Jahr noch unangenehm um den Bauch gespannt. Also, die Tischdecke, nicht meine Oma. Als Krönung seines neuen Über-Ichs kombiniert er neuerdings den Schnauzer von Horst Lichter mit der Frisur von Götz Alsmann. Wenn Gil Ofarim eingeblendet wird, kotzt irgendwo ein Hotelrezeptionist Mit diesem Makeover starten wir also in die neue Staffel Sommercamp der Nichtigkeiten. Ein TV-Format, in dem längst vergessene D-Promis neben blutjungen Reality-TV-Rabattcode-Superspreadern die drohende Altersarmut per inflationärem Verzehr von tierischen Geschlechtsteilen abzuwenden versuchen. Das schafft ikonische Momente der Fremdscham und festigt die Marktführerschaft des Dschungelcamps als ironische Notfallversorgung für ablenkungshungrige Kommentarspaltenleistungsträger. Als es im intellektuellen Outback endlich losgeht, erläutern die Kandidaten erstmal, warum sie hier sind. Die meisten Karriereflüchtlinge treten an, um „mal eine andere Seite von sich zu zeigen“. Was impliziert, es gäbe bereits eine Seite, die der Öffentlichkeit flächendeckend bekannt ist. Respekt. Ich mag Menschen, die groß denken. Beispielsweise Gil Ofarim. Jedes Mal, wenn er eingeblendet wird, kotzt irgendwo auf der Welt ein Hotelrezeptionist. Ofarim sieht inzwischen ein bisschen aus wie J.D. von „Scrubs“, aber mit Jesus-Extensions. Der Spruch des Abends kommt dann aber von „Bauer sucht Frau“-Landwirt Patrick Romer: „Wenn es mal schnell gehen muss, kacke ich auch in den Bus!“ Welchen Bus er meint, bleibt unklar. Vermutlich den, der gerade bei den Zuschauern für ihn abgefahren ist. Simone Ballack will mehr sein als ehemalige Spielerfrau Im Absurditäten-Zitate-Zirkus lässt sich auch Berufsflirter Umut Tekin nicht lange bitten: „Ich bin nicht ganz dumm! Ich bin nur ein bisschen dumm! Darum bin ich hier.“ Als erste Amtshandlung begrüßt er den gerichtsfest als Antisemitismus-Märchenonkel entlarvten Gil Ofarim mit einem wenig subtilen Frontalangriff: „Ich gebe dir aus Respekt die Hand, auch wenn ich scheiße finde, was du gemacht hast!“ Mutige Ansage für jemanden, dessen toxische Verbalinkontinenz einst das „Sommerhaus der Stars“ in eine Lästerhölle mit 400 B/pM (Beleidigungen pro Minute) verwandelt hat. Vielleicht freut er sich aber auch einfach nur, mal irgendwo zu sein, wo jemand noch unbeliebter ist als er. Simone Ballack hält derweil einen TED-Talk zum Thema: „Warum ich mehr bin als eine ehemalige Spielerfrau“. Auf den Gedanken, den Nachnamen ihres geschiedenen Mannes abzulegen, um weniger als die Ex von Michael Ballack wahrgenommen zu werden, ist sie bislang offenbar nicht gekommen. Deutlich hoffnungsvoller startet Hubert Fella ins Dschungelrennen. Er wünscht sich den Sieg, denn das wäre „das Nullplusultra!“ Da sage ich mal: Ich drücke die Damen! Gute Chancen auf das Nullplusultra der gesamten Staffel hat auf jeden Fall Stephen Dürr. Er verblüfft mit der Offenbarung, er habe ein Haarband ins Camp schmuggeln wollen: „Das Haarband war in meiner Arschritze und ist jetzt sehr nass.“ Noch niveauresistenter äußert sich eigentlich nur noch Umut Tekin. Der lässt die australischen Aufsichtsranger wissen: „I don't speak English, I speak German better!“ Zu Hause am Fernseher jubiliert Lothar Matthäus anerkennend: „I hope he has a little bit lucky!“ Die erste Dschungelprüfung fordert das Vordenkerensemble anschließend zum Bungeejumping heraus. Belohnung: Ein Stern pro Sprung. Unglücklich für Gil Ofarim. Für ihn läuft es traditionell nicht gut, wenn Sterne involviert sind. Immerhin: Er springt. Eva Benetatou hingegen verweigert. Das überrascht. Wo sie sich doch mit Sprüngen so gut auskennt. Vor allem mit Seitensprüngen. Auch Umut Tekin traut dem waghalsigen Kopfübersprung nicht: „Was ist, wenn ich mir auf die Zunge beiße, und dann ist meine Zunge ab?“ Nun, ich bin keine Medizinerin. Ich nehme jedoch an, er kann dann ein paar Wochen nicht sprechen. Aber halb so wild. Ein dauerhafter Mute-Zustand würde seine Siegchancen vermutlich sogar steigern. Als die Dschungelzeptersuchtruppe später auf die Schlafplätze verteilt ist und der Campalltag beginnt, entdeckt Stephen Dürr den Exhibitionisten in sich. Während alle anderen in Bikinis und Badehose duschen, wählt er das Adamskostüm: „Man muss auch zeigen, was man hat.“ Sollte das sein Dschungelmatchplan sein, hat er in seiner Poritze bestimmt auch noch aussagekräftige Kontoauszüge geschmuggelt. In einer spontanen Schnellumfrage in meiner Whatsappgruppe mit mehr als 20 ehemaligen „Germany's Next Topmodel“-Teilnehmerinnen stellt sich heraus: Der Drang, Stephen Dürrs zartes Gebälk aus der Nähe zu sehen, liegt bei null Prozent. Und wenn jemand Expertise beim Auditieren männlicher Geschlechtsorgane hat, dann die Absolventinnen der Heidi-Klum-Zoten-Akademie. Zum Abschluss des Eröffnungstages schicken RTL und Dr. Bob die Neucamper direkt in ihre erste Essensprüfung. Die erhofften Ekelbilder bleiben jedoch aus. Alle ziehen unisono durch. Vermutlich denken die: Wir essen alles, Hauptsache, Stephen Dürr zieht sich keine Haaraccessoires mehr aus dem Hintern! Oder wie Mirja du Mont sagt: „Das schmeckt, als hätte dir eine Kuh in den Mund geschissen!“ Und mit diesem schönen Bild kulinarischen Feinsinns beschließe ich das heutige Dschungelprotokoll. Bis morgen!