In 15 Tagen kann viel passieren. Mit etwas Glück schafft man mit der Deutschen Bahn in der Zeit sogar die Fahrt von Berlin nach Basel und zurück. Warum? Nun, neben dem für Kopfschmerzen verantwortlichen Hirnareal von Gil Ofarim ist Basel der Zweitwohnsitz von Geheimfavoritin Ariel. Während die knapp 200 bisherigen Teilnehmer am Karriere-Botox-Camp im australischen Outback unisono beteuern, sie hätten sich in der Zeit am Relevanz-Rekonstruktions-Lagerfeuer extremer weiterentwickelt als Ralf Schumacher während seiner Metamorphose vom Formel-1-Star zum Gebrauchtwagenverkäufer, ist Ariel 15 Tage stehengeblieben. Sie hatte sich am ersten Tag konzeptionell als Ein-Frau-Pöbel-Armee gegen Gil Ofarim positioniert – und blieb dieser Rolle 15 Tage treu. Glückwunsch. Das beobachten auch die bereits ausgeschiedenen Nachtwachen-Kameraden von Ariel. Die in den vorzeitigen Dschungelruhestand versetzte D-Prominenz hat einen Vorteil: Sie haben ihre Handys zurück und können die Reaktionen auf die Geschehnisse im Camp nacharbeiten. Umut Tekin beispielsweise lässt nach kurzer Googlesuche „Gil Ofarim Davidstern“ um seine Freundschaft betrogen: „Gil hat mir mehrfach ins Gesicht gelogen!“ In der RTL-Drama-Redaktion überlegt man bereits, wie man Umuts Aussagen subtil dem Camp zugänglich machen könnte. Denn zu Ariels Affront-Historie der vergangenen zwei Wochen ist sicher: Für die Schmähgedichte, die Ariel täglich gegen Gil abfeuert, wäre Jan Böhmermann schon längst verklagt worden. Wenn Ariel jetzt also noch wüsste, was Umut weiß, wirkte der bislang brisanteste Dschungelstreit zwischen Sarah Knappik und Mathieu Carrière wie ein Heiratsantrag. Wahrheitsgehalt auf Höhe der Hitler-Tagebücher Auf der anderen Seite entpuppen sich auch viele publikumswirksame Tränendrüsen-Momente anderer Mitcamper als Sendezeit-Märchen. Ariels Mutter beispielsweise widerspricht der von Ariel kolportierten Version ihrer Jugend. Und Samiras Ex-Mann bestreitet Samiras Darstellung seiner Unterhaltszahlungsbereitschaft. Aktuell muss man davon ausgehen, dass jeder kameratauglich platzierte Seelenstriptease der um Zuschauersympathie buhlenden D-Promi-Flotte einen Wahrheitsgehalt auf Höhe der Hitler-Tagebücher hat. Zum Glück ist Simone Ballack nicht nur Ex-Spielerfrau, sondern auch Ex-Restaurantbesitzerin. Das öffnet Türen zu unverfänglicheren Themengebieten: „Ihr wisst, dass ich mal ein Hühner-Restaurant hatte?“ Dabei liegt die Betonung auf „hatte“, denn ihr Ausflug in die Gastronomie scheiterte bereits 2017. Das war allerdings vorauszusehen. Ein Hühner-Restaurant ist kein sehr erfolgsversprechendes Konzept. Wie viele Hühner gibt es schon, die in Restaurants gehen? Die Annalena-Baerbock-Medaille für angewandte Misogynie geht unterdessen an Campfeminist Patrick Romer. Der zweitschönste Landwirt Deutschlands nach Schäfer Heinrich stellt ein weiteres Kleinod der toxischen Grundausstattung instagrampopulärer Alphamänner in die Cringe-Vitrine der IBES-Ahnenhalle: „Nur weil ich einen Pimmel zwischen den Beinen habe, heißt das nicht, dass ich immer zurückstecken muss!“ Wenn Frauen so oft über ihre primären Geschlechtsorgane philosophieren würden wie Männer, gäbe es 4000 verschiedene Wörter für Vagina. Patrick ist offenbar überzeugt, die letzten Stunden bis ins Finale mit hüftzentrierter Männlichkeitssimulation zu überstehen. Er sieht sich selbst offenbar als den Trash-Highlander der Viehzucht-Adonisse. Der Sieg ist ihm eigentlich nur noch zu nehmen, wenn Hubert Fella plötzlich versehentlich gendert. Dann nämlich färbt sich Patricks Y-Chromosom automatisch in Regenbogenfarben und er liefert sich selbst in die Andrew-Tate-Akademie für von Wokeness gecancelten Supermachos ein. Ein Verschwörungskomplott wie „Kabale und Liebe“ In einem überraschenden Moment der Verschwiegenheitsklausel-Amnesie gelingt es derweil Simone Ballack, erstmals Details aus Gil zu extrahieren, über die er bislang eisern schwieg. Es sind nur drei Sätze, aber die zeigen: Gil Ofarim fühlt sich in einen Verschwörungskomplott von der Größenordnung „Kabale und Liebe“ verstrickt. Es fallen jedenfalls Vokabeln wie „Digitalforensiker“. Als hätte das Team vom CSI: Leipzig jahrelang seinen Hotelauftritt rekonstruieren müssen. Gil erwähnt Videos, in denen Sequenzen fehlen und Zeugen, die seine Version der Geschichte bestätigen. Und er beteuert: „Ich bin nicht verurteilt, ich bin nicht vorbestraft, ich bin freigesprochen.“ Zwar nicht von Gil-Fahnderin Ariel, und auch das Rechtssystem hat das Verfahren nur eingestellt. Staffel-Hauptgewinn Patrick versucht anschließend, das erotische Image seines Berufsstandes aufzupolieren und Ariel mit einem Landwirt unter die Haube zu bringen. Also, die Motorhaube. Von einem Traktor: „Es gibt viele Kollegen, die würden dich wie eine Prinzessin behandeln!“ Ariel bleibt skeptisch: „Ich weiß nicht, wie die Bauern in Deutschland sind, aber in der Schweiz riechen die immer nach Kuhscheiße!“ Aber Patrick bleibt dran: „Die sind schon sexy. So oben ohne arbeiten mit einer Mistgabel!“ Also, Mistgabel jetzt im Sinne von Werkzeug, nicht wieder im Sinne von männlichem Gehänge. Außerdem gilt die, haha, Bauernregel: „Schönheit vergeht, Hektar besteht!“ Das überzeugt auch Langzeit-Single Ariel. Den Rest des Tages versucht sie, rauszufinden, wer dieser Hektar ist und ob man den auf Instagram finden kann. Inka Bauses Erfolgsformat heißt ja auch „Bauer sucht Frau“ und nicht „Bauer sucht schlau“. Ja, ich weiß. Das war nicht sehr lustig. Ich halte mich eben ungern an das inoffizielle Ariel-Motto: Lieber Flacherde als Flachwitze. Ariel muss gehen Am anderen Ende des Camps macht Simone Bekanntschaft mit der Flora und Fauna Australiens: „Da saß gerade etwas auf meinem Arm und der stinkt jetzt!“ Das kann Ariel bestätigen: „Ja, das stinkt nach Scheiße!“ Also im Prinzip so, wie Bauern in der Schweiz. Um Ariel schnellstmöglich Gelegenheit zu geben, sich einen von Patricks Traumbauern zu schnappen, belohnt das Publikum ihre Gesamtperformance mit den wenigsten Stimmen des Tages. Ariel muss das Camp verlassen. Die Chance, dass Dauerschläfer Hubert Fella am Ende die Dschungelkrone holt, hat sich damit von 1:11 auf 1:4 verbessert. Ob er es morgen sogar ins Finale schafft? Ich werde berichten. Bis dann!
