FAZ 03.02.2026
08:47 Uhr

Dschungel-Kolumne: „Ich wünschte mir manchmal, ich wäre weniger intelligent!“


Gil Ofarim verrät im Dschungelcamp bislang keine großen Geheimnisse. Ob Eva Benetatou sie ihm mit einer Podcast-Einladung entlocken kann?

Dschungel-Kolumne: „Ich wünschte mir manchmal, ich wäre weniger intelligent!“

Der Tag elf im Ferienlager für jobjungfräuliche Altinternationale und blutjunge Retweet-Randalierer startet direkt mit einer veritablen Überraschung. Der Remigrationsbeauftragte des Straußenpenis-Heimatsenders RTL ist nämlich offenbar kurzfristig erkrankt. Schunkelhaft gut gelaunt verkünden Jan Köppen und Sonja Zietlow, das wichtigste TV-Duo nach Sandra Maischberger und Sahra Wagenknecht, die heute ausbleibende Lagerfeuerrekruten-Demission. Als wäre das eine gute Nachricht. Dabei gibt es ungeschriebene Gesetze in der linearen deutschen TV-Landschaft: Am Ende vom „Tatort“ wird der Täter ermittelt. Bei „Wetten, dass ..?“ darf man prominenten Frauen ungefragt die nackten Oberschenkel massieren. Der fast 60 Jahre alte Stefan Raab macht Gags, für die ihm sein 25-jähriges Ich die vermutlich aus chinesischem Ming-Dynastie-Porzellan bestehende Zahnleiste umdekoriert hätte. Und: Bei „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ schickt das Publikum von der zweiten Woche an jeden Abend einen hoffnungsvollen Thronanwärter in die ewigen Dschungel-Jagdgründe. Heute jedoch erhält das auf übersichtliche neun ABM-Prominente runtergehungerte IBES-Bodenpersonal eine Abmusterungspause. Über die Gründe dafür kann nur spekuliert werden. Die Rechnung, bei neun Ochsenurin-Testtrinkern müsse von Montag bis Samstag täglich je ein Prominenzallergiker das Camp verlassen, damit für das große Finale am Sonntag drei Finalisten übrig bleiben, ist hinfällig. Vielleicht hat der Drama-Praktikant der Dschungel-Redaktion spontan Panik bekommen, der RTL-Quotenrenner könne zum Stummfilmevent verkommen, wenn irgendwann nur noch antikommunikative Zeit-Absitzer in ihren Hängematten die Stunden bis zur nächsten Liveschalte aussitzen. „So schlau ist sie dann doch nicht“ Die Angst ist berechtigt. Gäbe es kein Tagsüber-Schlafverbot, würde der Löwenanteil der Campbesatzung einfach bis Sonntag in komaähnlicher Schonstarre auf seinen Dschungelpritschen ausharren. Das fällt selbst der vor den Trümmern ihrer Ehe und ihrer Karriere stehenden Samira Yavuz auf: „Das Krasseste sind Hardy und Hubert. Dass da noch keiner gekommen ist und gefragt hat, ob die eine Thrombosespritze brauchen!“ Dialogpartnerin dieser Premiumunterhaltung ist Ariel. Die teilt zwar die Meinung, dass sich der ehemalige Surferboy Hardy Krüger jr. und das Matthias-Mangiapane-Maskottchen Hubert Fella den Bewegungsradius einer blinden Landschildkröte teilen. Auf der anderen Seite hat sie keine Ahnung, wer dieser Trom Bose sein soll und was in den Spritzen drin ist, die er verkauft. Klar ist nur: Zuschauer, die für Hubert Fella anrufen, sind so dynamik- und actionsüchtig, die verbringen ihren Sommerurlaub garantiert auch auf Sylt, um der Küste beim Versinken im Meer zuzusehen. Ganz andere Sorgen hat Eheinterventionsbeamtin Eva Benetatou. Um die zuletzt sogar campintern klar identifizierte „Will sie was von Patrick“-Situation zu beruhigen, hängt sie sicherheitshalber den Großteil des Tages an Patricks Feldbett ab und dekliniert mit ihm flüsternd die aktuelle Campsituation durch. Die Frage, ob das im Kontext der von mehreren Seiten an sie herangetragenen Flirtvorwürfe besonders klug ist, stellt sie sich nicht. Warum auch? Immerhin ist sie „sehr intelligent; ich wünschte mir manchmal, ich wäre weniger intelligent!“ Mitcamperin Samira, deren Gatten Eva sich kürzlich für außereheliche Beischlaf-Aktivitäten entliehen hatte, meldet da allerdings Zweifel an: „So schlau ist sie dann doch nicht“, denn Patrick sei für ein amouröses Quotenabenteuer „hier die denkbar schlechteste Wahl“. Kommst du in meinen Podcast? Zumindest eine hemmungslose Bauernschläue kann man Ex-Stewardess Eva jedoch nicht absprechen. Sie nutzt die Primetime-Bühne, die Deutschlands größtes Live-Event ihr bietet, nicht nur für gesunde Selbsteinschätzungen ihrer kognitiven Fähigkeiten, sondern rekrutiert auch schamlos Gäste und Reichweite für ihr zweitwichtigstes berufliches Standbein nach realityvermarktbaren One-Night-Stands: ihren Podcast. Durch langjährige Trash-TV-Erfahrung ahnt sie natürlich, dass draußen an den Endgeräten und in den Kommentarspalten insbesondere die konflikt- und reuefreie Geheimniskrämerei von Gil Ofarim die Nation spaltet, und offeriert ihm coram publico Talkslots in ihrem unironisch „Nothing But The Truth“ getauften Podcast. Gerührt von diesem ehrlichen Interesse an den wenigen Momenten seines Lebens, zu denen er keine Verschwiegenheitserklärung abgegeben hat, sagt Gil spontan zu. Eva ist selig. Das Dschungelabenteuer dauert für sie noch maximal sechs Tage, da ist man für jede garantierte Anschlussverwendung dankbar. Und wer weiß, vielleicht kann sie mit der Illusion einer Hoffnung darauf, Gil würde nach zwei Wochen ungenutzter 24/7-Beichtoptionen ausgerechnet ihr Erfolgsformat nutzen, um der Nation seinen Hotellobby-Märchenanfall zu erläutern, tatsächlich ihren Podcast reanimieren. Der ist bislang kein Quotenrenner. Die letzte Ausgabe ihres insgesamt nur zehn Folgen starken Talk-Blockbusters lief vor einem knappen Jahr und pendelte sich auf Youtube teilweise bei knapp 3000 Views ein. Da hätte selbst das mit ihrer Instagram-Direktnachricht bedruckte Kuschelkissen von Samira mehr Abrufe, wenn es einen Podcast hätte. Wenigstens wird Evas fremdschamintensive Podcastbettelei von einer amüsanten Schlusspointe gekrönt. Gil Ofarim spendiert Eva Benetatou seine zwei Lieblingswitze: „Wie nennt man eine Mandarine, die den Berg raufgeht? Wandarine!“ und „Wie nennt man ein weißes Mammut? Hellmut!“ Um den soeben mündlich geschlossenen Podcast-Vertrag nicht zu gefährden, schüttet Eva sich vor Lachen aus. Dem neutralen Zuschauer bringt das zwei ganz neue Erkenntnisbausteine: 1. Eva Benetatou ist besser im Fremdgehen als im Schauspielen. 2. Die Zwillinge von Stephen Dürr und der Nachwuchs von Mirja du Mont hätten sich kundenfreundlicher zeigen und die Kinder von Gil beim öffentlichen Witzverbot für ihre Erzeugerfraktionen mit ins Boot holen sollen. Denn das wäre der GAU für den Schweigemönch des intellektuellen Asketen-TV: Gil übersteht irgendwie die täglichen Diskreditierungsorgien von Ariel – verschenkt dann aber für Gags auf Markus-Krebs-Niveau den Sieg. Ob das verhindert werden kann, dazu werde ich für diese journalistisch inzwischen unerlässliche Innovativkolumne direkt morgen weiterermitteln. Bis dann!