Die Menschheit zittert vor Despoten, dem Wetter und Nachbars Hund, vor allem aber vor der IT. Nicht den freundlichen Helfern aus der Abteilung, die unsereinem ständig Fragen beantworten und Lösungen anbieten müssen, bei denen sie sich bestimmt denken: Change User. Vielmehr vor Dingen, die das System anrichtet. Das System stürzt ab, das System löscht Listen, das System frisst Texte. Dann entsteht ein Thema, das jemand mal mitnimmt. Systemthemen vom Ausmaß eines Tsunamis sind zu befürchten, wenn ein Handy, heute Schlagader, gegen ein neues getauscht wird. Das klappt vollautomatisch binnen fünf Minuten, außer wenn es nicht vollautomatisch binnen fünf Minuten klappt. Nachher sind alle Passwörter wieder da, ausgenommen jene, die nicht mehr da sind. Da man die wegen der Sicherheit dauernd wechseln soll, ist verratzt, wer sie nicht aufgeschrieben hat. Was man auf keinen Fall tun darf. Ein Tsunamisystemthema hat auch die Lufthansa, die ihr Miles & More auf die Deutsche Bank gewechselt hat. Im Zuge der Bürokratieeffizienz hat nun manch Kunde, dessen Karte just zum Februar ausläuft, drei Statusnummern. Eine noch gültige, eine schon gültige, eine für dazwischen. Welche nehmen? Als Ausdruck des neuen Premiumgedankens wird die Plastikkarte zum Papierkärtchen mit unlesbarem Aufdruck, klarer Fall von Systemversagen, passiert den Besten. Derweil zieht der Mineralölstromkonzern Shell seiner Elektrosparte Recharge den Stecker, fortan ist alles Shell. Weshalb, „Die Zeit wird knapp!“, bis 28.1. die App neu justiert und vorhandene Ladekarten frisch bestellt werden müssen. Sonst: „Blockiert“. Zwei Alarmmails später müssen die Ladekarten nicht mehr neu bestellt werden, dank „genauer beschriebener Kommunikation“ bleibt Karte Karte. Wer sich zu früh bewegt, den bestraft Shells Ladewelt. War wahrscheinlich das System. Wir wechseln gerade den Telefonanbieter. Und ahnen, was dräut.
