FAZ 24.11.2025
16:01 Uhr

Drogentrendstudie: Jugendliche nehmen immer weniger Drogen


Eine Studie zeigt: Junge Erwachsene nehmen so wenig Drogen wie seit 20 Jahren nicht. Auch zum Cannabiskonsum seit der Teillegalisierung gibt es neue Erkenntnisse.

Drogentrendstudie: Jugendliche nehmen immer weniger Drogen

Frankfurter Jugendliche und junge Erwachsene konsumieren so wenig legale und illegale Drogen wie seit 20 Jahren nicht. Das geht aus der repräsentativen Drogentrendstudie „Monitoring-System Drogentrends“ für das Jahr 2024 hervor. Demnach sind bei allen Substanzen die Konsumzahlen von den Befragten rückläufig. Mehr als ein Viertel von ihnen hat demnach noch nie Alkohol, Nikotin oder sonstige legale oder illegale Drogen konsumiert. „Das zeigt, dass wir mit der Frankfurter Drogenpolitik auf dem richtigen Weg sind“, sagte Sozialdezernentin Elke Voitl (Die Grünen). Voitl vermutet, dass die gesunkenen Konsumzahlen neben dem gestiegenen Gesundheitsbewusstsein und Fitnessideal der jungen Menschen vor allem an der „umfassenden Aufklärungs- und Präventionsarbeit“ der Stadt liege. Dank der Drogentrendstudie, die seit 2002 jedes Jahr erhoben und vom Drogenreferat der Stadt Frankfurt gefördert wird, wisse man in Frankfurt genau, „was die gefühlte Wahrheit oder Panikmache ist und was wirklich Realität ist“, so Voitl weiter. Damit gebe die Studie auch anderen Städten Aufschluss über das Konsumverhalten junger Menschen. Für die Studie werden jährlich rund 1000 Frankfurter Schüler im Alter von 15 Jahren an befragt. Cannabis-Konsum ist so niedrig „wie noch nie“ 2024, im Jahr der Teillegalisierung von Cannabis, haben die befragten Jugendlichen so wenig Cannabis „wie noch nie“ konsumiert, sagte Jennifer Martens, Autorin der Drogenstudie. Demnach gaben 78 Prozent der Befragten an, noch niemals Cannabis konsumiert zu haben, 2002 waren es noch 46 Prozent. Auch bei den synthetischen Cannabinoiden sei die geringe Verbreitung konstant. Der Alkoholkonsum von jungen Erwachsenen ist laut Studie leicht rückläufig, 88 Prozent der Befragten gaben an, gar keinen Alkohol zu trinken. Rauchen von handelsüblichen Zigaretten sei „immer noch ziemlich out“, sagte Bernd Werse, Leiter der Studie und des Instituts für Suchtforschung der Frankfurt University of Applied Sciences. 2002 gaben noch 77 Prozent der Befragten an, jemals im Leben Zigaretten geraucht zu haben, 2024 waren es nur noch 37 Prozent. Seit Jahren rauchen immer weniger der Befragten Shisha. Auch der Konsum von E-Zigaretten und Verdampfern ist laut der Studie das dritte Jahr in Folge gesunken. Der tägliche Konsum ist allerdings gestiegen. Jugendliche greifen vermehrt zu „Snus“ Gestiegen ist ebenfalls der Konsum von sogenannten Snus. Die kleinen meist nikotinhaltigen Beutel werden oral konsumiert und sind in Deutschland nicht legal erhältlich. 2023 gaben noch 19 Prozent der befragten Jugendlichen an, diese Beutel zu konsumieren, 2024 waren es 22 Prozent. Der Konsum illegaler Substanzen wie Kokain oder Ecstasy liegt bei den jungen Erwachsenen wie im Vorjahr im einstelligen Bereich, sieben Prozent gaben an, jemals im Leben solche Substanzen konsumiert zu haben. Der Konsum psychoaktiv wirkender Medikamente bleibt 2024 auf einem leicht erhöhten Niveau. Die Drogentrendstudie erfasst seit 2019 auch die psychische Verfassung der Frankfurter Schüler. So gaben 19 Prozent der Schüler an, in den vergangenen zwölf Monaten unter psychischen Problemen gelitten zu haben. Damit ist ihr Anteil das zweite Jahr in Folge gesunken, nachdem es bis 2022 einen Anstieg gegeben hatte. Voitl hob die Wichtigkeit dieser Abfrage hervor, da sie ein „gutes Frühwarnsystem“ sei: Bei den harten Drogenkonsumenten, etwa im Bahnhofsviertel, sei eine große Häufung an Menschen mit psychischen Erkrankungen sichtbar, die zu einer Selbstmedikation mit Drogen griffen. Das gelte es zu verhindern. Eine „erfreuliche Entwicklung“ sei der deutlich gesunkene Lachgaskonsum bei den befragten Schülern, sagte Werse. Nachdem dieser von 2020 bis 2022 stark angestiegen sei, sei er im Jahr 2024 wieder rückläufig gewesen. So gaben 2024 nur noch 13 Prozent an, jemals Lachgas konsumiert zu haben, 2022 waren es noch 17 Prozent. Werse vermutete, dass das mit den Verkaufsverboten von großen Lachgaskartuschen zusammenhänge. Es brauche das „Doppelspiel“ aus Prävention und Verboten, damit die jungen Menschen selbst ermächtigt werden, kompetente Entscheidungen zu treffen, sagte Voitl. Die Stadt wolle weiterhin auf Beratung in Schulen setzen, sagte Oliver Müller-Maar, kommissarischer Leiter des Drogenreferats. Er appelliert an Schulleitungen und Lehrkräfte, Zeit für entsprechende Workshops zu reservieren, „auch wenn der Lehrplan drückt“.