FAZ 30.01.2026
15:51 Uhr

Doku über Trump-Gattin: Möchte man wissen, wer sich „Melania“ ansieht?


Der angebliche Dokumentarfilm „Melania“ lockt nicht gerade ein Massenpublikum in die Kinos. Auch in Frankfurt scheinen ihn nur eine Handvoll Leute sehen zu wollen. Bei aller Liebe zum Kino: Gut so.

Doku über Trump-Gattin: Möchte man wissen, wer sich „Melania“ ansieht?

„Werden Sie Zeuge, wie Geschichte geschrieben wird“, brüllt der Trailer in Großbuchstaben heraus. Die Geschichte handelt allerdings weder vom Sturm auf das Capitol noch von den massenhaften Übergriffen auf Einwanderer, auch nicht von den Großtaten der ersten Amtszeit Trumps, an die seine Ehefrau Melania kurz vor der Vereidigung mit dem doch recht schlichten Satz „Here we go again“ anknüpft. Es geht um die drei Wochen zwischen Neujahr und dem 20. Januar 2025. Die Weltgeschichte besteht aus mörderisch spitzen High Heels, Einladungskarten und dem Entwurf von Schwarz-Weiß als Markenfarbe der zweiten Gattinnenamtszeit Trump. Wie passend, das Weltbild der Trumpisten gibt außer Schwarz und Weiß ja auch keine Differenzierung her. So gestrickt drängelt sich der vorgebliche Dokumentarfilm in den Filmmarkt. Und das nicht in einer abgelegenen Nische des Produzenten Amazon, der für die Rechte 40 Millionen Dollar gezahlt hat. Ein Großteil davon fließt in die Börse von Melania Trump. Wer angesichts der breiten präsidentenkussverhindernden Krempe ihres Inaugurationshuts denken mag: Das wird die Fluchtkasse der First Lady of the United States, deren Abkürzung „FLOTUS“ fatal an die wissenschaftliche Bezeichnung eines exotischen Huftiers erinnert, wird schon nach dem Konsum des Trailers eines Besseren belehrt sein. Das strahlende Leben an der Seite des größten Friedensstifters ist doch gar zu schön. Nur mit dem Kinoruhm wird es wohl doch nichts werden – oder anders als gedacht. Der Film ist am 29. Januar auf dem internationalen Kinomarkt angelaufen, und schon jetzt überschlagen sich die Rekorde: kein Ticket, drei Tickets, zehn Tickets – nicht je Kino, sondern je Stadt oder gar Land, lautet die erste Bilanz. In Frankfurt läuft der Film im Kino Metropolis, und auch da haben die Gäste noch jede Chance auf absolut freie Sicht mit, nach derzeitigem Onlinebuchungsstand, drei oder zehn Mitbesuchern im Saal mit 120 Plätzen. Möchte man wissen, wer sich „Melania“ ansieht? Irgendwie schon. Nur geriete dann vom eigenen Geld etwas in die Kassen der Propagandamaschine. Also bleibt man der Sache fern. Bei aller Liebe zum Kino: Das ist gut so.