FAZ 28.01.2026
15:02 Uhr

Doku über Melania Trump: Die First Lady lässt eiskalt bitten


Amazon bringt Melania Trumps Propagandafilm über sich selbst heraus. Bei der Premierenparty im Weißen Haus ließ sich niemand stören. Es war der Tag, an dem in Minneapolis Bundesbeamte Alex Pretti erschossen.

Doku über Melania Trump: Die First Lady lässt eiskalt bitten

„I really don’t care – do you?“ stand vor bald acht Jahren auf der Jacke von First Lady Melania Trump, als sie 2018 ein Sammellager für geflüchtete Kinder in Texas besuchte. „Mich lässt das vollkommen kalt – euch etwa nicht“, so könnte man den Spruch übersetzen. Die Kinder und Jugendlichen waren aufgrund der restriktiven Einwanderungspolitik des Präsidenten von ihren Eltern getrennt worden. Jahre später behauptete Melania Trump in ihren Memoiren, der Schriftzug habe nichts bedeutet. Der Titel ihres Buchs, schlicht ihr Vorname, war in schwarz-weiß gehalten – das soll wohl so etwas wie die Markenidentität der First Lady sein. Genauso nämlich, mit dem schlichten schwarz-weißen Namenszug, wirbt Melania Trump nun auch für den 40 Millionen Dollar teuren Film über sich selbst, der an diesem Freitag in die Kinos kommen soll. Am Abend des Tages, als in Minneapolis der Krankenpfleger Alex Pretti von Grenzschutzbeamten erschossen wurde, ließ die First Lady schwarz-weiße Macarons und andere markentreue Süßigkeiten verteilen. Das Screening ihres „Dokumentation“ genannten Werks im Weißen Haus abzusagen, das kam wohl niemandem in den Sinn. Gäste des Präsidentenpaars waren etwa Apple-Chef Tim Cook, Königin Rania von Jordanien, die Fotografin Ellen von Unwerth und der ehemalige Boxer und verurteilte Vergewaltiger Mike Tyson. Die Reaktionen in den sozialen Medien und seitens einiger Journalisten ließen nicht lange auf sich warten. Manche äußerten sich entsetzt über die Prominenten, die Melania feierten und ihre schwarz-weißen Werbe-Süßigkeiten aßen, als sei es ein ganz normaler Samstag. So schrieb Tim Miller vom Magazin „The Bulwark“: „Tim Cook hat sich das Video angesehen, wie Alex Pretti von Trump’s Schergen umgebracht wird, und dann hat er sich einen Frack angezogen und ist ins Weiße Haus gefahren, um mit Melania anzustoßen.“ Bei der Party nicht dabei: Jeff Bezos Einer fehlte bei der Party: Der Amazon-Gründer Jeff Bezos, dessen Unternehmen den Film produziert hat. Melania soll ihm die Idee einer Dokumentation über sich selbst bei einem Abendessen in Trumps Villa Mar-a-Lago in Florida schmackhaft gemacht haben. Bezos, der in Trumps erster Amtszeit noch Distanz zu diesem gehalten haben soll, gilt inzwischen als Unterstützer des Präsidenten. Das ist auch gut fürs Geschäft: Amazon Web Services hat Millionenverträge mit etlichen Behörden, darunter das Verteidigungsministerium, und Bezos‘ Raumfahrtunternehmen Blue Origin hat milliardenschwere Vereinbarungen mit der NASA. Der Milliardär erwies sich für Trump immer wieder als nützlich. Bezos, der 2013 die „Washington Post“ gekauft hatte, verhinderte etwa, dass die Zeitung im Wahlkampf 2024 ihre traditionelle Wahlempfehlung aussprach. Und er griff vergangenes Jahr massiv in die Ausrichtung der Kommentarseite der „Post“ ein, die sich an den „Säulen“ von „persönlicher Freiheit und freien Märkten“ orientieren sollte. Von diesen Marktgesetzen war Melania Trumps Film im Produktionsprozess unberührt, doch an der Kinokasse wird das anders sein. Amazon soll zusätzlich zu den 40 Millionen Dollar Kosten des Films 35 Millionen für das Marketing und den Vertrieb ausgegeben haben, damit das Werk in mehr als 1400 Kinos in 27 Ländern gezeigt werden kann. Melania Trump selbst, die auch Mitproduzentin ist, soll 28 Millionen Dollar aus dem gesamten Budget bekommen haben. Bislang gehen die Prognosen davon aus, dass ihr Film am Eröffnungswochenende fünf Millionen Dollar einspielt – was laut Branchenexperten für einen Dokumentarfilm nicht schlecht wäre. Allerdings haben diese Filme selten ein vergleichbares Budget für Werbung und Vertrieb. Am Tag vor dem allgemeinen Start am 30. Januar soll es in etlichen amerikanischen Städten Premieren-Events geben, auch im nun „Kennedy Trump Center“ genannten Kulturzentrum in Washington. US-Medien berichten, dass Amazon-Mitarbeiter dazu angehalten worden seien, sich den Film zahlreich anzusehen. Was darin zu sehen ist, weiß man noch nicht – außer, dass der Regisseur Brett Ratner die zwanzig Tage vor Donald Trumps Vereidigung aus Melanias Sicht schildern will. Die Vorbereitungen, all die Dinge, die bedacht und die Menschen, die eingestellt werden müssten, all die großen und kleinen Herausforderungen, vor der sie in dieser Zeit stand, das soll, so die Präsidentengattin, einen fesselnden Film hergeben. Auch Barron Trump, der schweigsame Präsidentensohn, soll vorkommen. Enthüllungen sind nicht zu erwarten Enthüllungen dürfte es keine geben, eher Inszenierungen. Die First Lady wird vermutlich weiterhin keinen Einblick in jene Details ihres Lebens geben, die die Öffentlichkeit tatsächlich interessieren würden – zum Beispiel die Berichte, denen zufolge sie die meiste Zeit des Jahres in Florida und nicht im Weißen Haus verbringt. Der Präsident jedenfalls, der einräumte, das Werk noch nicht ganz gesehen zu haben, versicherte Reportern kürzlich, dieses sei auf jeden Fall „unglaublich“ und werde ganz sicher sehr erfolgreich sein. Weder Melania Trump noch Amazon haben sich unterdessen daran gestört, dass der Regisseur Ratner nach Erfolgen wie „Rush Hour“ länger weg vom Fenster war. Ende des Jahres 2017 warfen ihm sechs Frauen, darunter die Schauspielerinnen Natasha Henstridge und Olivia Munn, zum Teil schwere sexuelle Nötigung vor. Ratner bestritt die Vorwürfe, zu einer strafrechtlichen Anklage kam es nicht. Nun hat er im Trump-Umfeld ein neues Betätigungsfeld gefunden. Berichten zufolge soll Ratner auch an einem Film über Trumps Rolle bei der vermeintlichen Lösung des Nahostkonflikts arbeiten. Im Trailer zu „Melania“ setzt der Regisseur erst einmal die First Lady mit konventionellen Mitteln der Huldigung in Szene: tragende klassische Musik, Spannung suggerierende hastige Schnitte, Schriftzüge wie „Zeugin“ (natürlich in schwarz-weiß), mysteriöse Wortschnipsel. „Here we go again“, sagt Melania, als sie mit ihrem schwarz-weißen Hut zur Vereidigung läuft. Es klingt wie eine Drohung.