FAZ 14.01.2026
09:02 Uhr

Dividendensaison 2026: Aktionäre erhalten in diesem Jahr mehr Dividenden


Der Vermögensverwalter Allianz GI rechnet mit einem Plus von 4 Prozent auf 454 Milliarden Euro in Europa – und 2027 noch deutlich mehr. In Deutschland wird nur eine unterdurchschnittliche Entwicklung erwartet.

Dividendensaison 2026: Aktionäre erhalten in diesem Jahr mehr Dividenden

Das Jahr 2025 dürfte für viele Aktienanleger recht ertragreich gewesen sein. Neben deutlichen Kursaufschlägen etwa für den Dax (plus 23 Prozent) oder Euro Stoxx 50 (19 Prozent) gab es hohe Dividendenzahlungen. Für dieses Aktienjahr scheinen die Vorzeichen ebenfalls nicht schlecht zu sein, hat es doch in den ersten Handelstagen schon mit Rekorden etwa für den Dax begonnen. Zudem dürften die Ausschüttungen der Gesellschaften an ihre Anteils­inhaber aus den Gewinnen des vergangenen Geschäftsjahres weiter zulegen. Dies jedenfalls erwartet Allianz Global Investors (GI). Investoren dürften sich 2026 über weiterhin zunehmende Di­videndenzahlungen in Europa freuen, heißt es von dem Vermögensverwalter. Den Schätzungen zufolge, die der F.A.Z. vorab vorliegen, sollten die Ausschüttungen der Aktiengesellschaften des Stoxx Europe 600 auf 454 Milliarden Euro steigen. Zulegen dürfte vor allem der Finanzsektor, während es für zyklische Konsumwerte Rückgänge ge­ben sollte. Im Kalenderjahr 2025 hätten sich diese Dividendenzahlungen auf 437 Milliarden Euro belaufen. Nun könnten diese um vier Prozent steigen. Die in dem breiten europäischen Index enthal­tenen deutschen Unternehmen könnten eine Summe von rund 58 Milliarden Euro an Dividenden zahlen, was einem leichten Anstieg von drei Prozent gegenüber dem Vorjahr (56 Milliarden Euro) entspräche. Noch bessere Vorzeichen für 2027 „Die Tendenz steigender Dividendenauszahlungen in Europa setzt sich weiter fort“, sagt Grant Cheng, Senior Portfolio Manager Dividends von Allianz GI. Während jedoch die Zuwächse der Auszahlungen 2026 auf dem Niveau von 2025 liegen dürften, „rechnen wir für 2027 mit einem deutlicheren Auszahlungssprung, der auf höhere Gewinne europäischer Unternehmen aus dem Geschäftsjahr 2026 zurückzuführen ist.“ Eine rückläufige Entwicklung der Dividendenauszahlungen in diesem Jahr sei unter konjunkturabhängigen Konsumgütern zu erwarten, zu denen Bereiche wie Automotive und Luxusgüter zählten. Gründe hierfür fänden sich in gesunkenen Unternehmensgewinnen 2025. „Weiterhin stark steigende Dividendenauszahlungen erwarten wir im Finanzsektor, der auch über 2026 hinaus wohl der größte Dividendenzahler bleibt“, sagt Cheng. Für Aktionäre wichtige Kennziffern in diesem Zusammenhang ist neben der gezahlten Summe an sich die Dividendenrendite, die prozentuale Ausschüttung bezogen auf den aktuellen Aktienkurs. Laut Allianz GI folgt dabei die erwartete Dividendenrendite dem Trend der steigenden Ausschüttungen. Für die im Stoxx Europe 600 enthaltenen Unternehmen könnte diese Kennziffer nun auf 3,2 Prozent steigen, in etwa das Niveau 15-jäh­riger deutscher Staatsanleihen, heißt es. Für die in dem untersuchten euro­päischen Aktienindex enthaltenen deutschen Unternehmen sei 2026 mit einer niedrigeren Dividendenrendite von 2,8 Prozent zu rechnen. Norwegen hingegen könnte mit einem erwarteten Wert von 5,8 Prozent den Spitzenplatz in Europa einnehmen. Dividenden hätten einen – oft noch immer unterschätzten – Anteil an der Gesamtrendite einer Aktienanlage und seien ideal für ein „zweites Einkommen“, heißt es von Allianz GI. Zum Vergleich: Über einen Zeitraum von 40 Jahren hinweg sei die annualisierte Gesamtrendite einer Anlage im MSCI Europe Aktienindex zu rund 39 Prozent von Dividenden getragen worden. In Nordamerika (MSCI Nordamerika) oder Asien-Pazifik (MSCI Pa­zifik) errechne sich ein Anteil von etwa 21 Prozent oder gut 49 Prozent. Anders etwa als im Performanceindex Dax sind in einem Kursindex wie dem Euro Stoxx 50 keine Dividenden enthalten. Diese Ausschüttungen mit eingerechnet, liegen beide Indizes für 2025 gleichauf. „Dividenden bringen durch ihren Beitrag zur Gesamtrendite und die Ausschüttungspolitik der ruhigen Hand auch Sta­bilität in das Portfolio“, sagt Hans-Jörg Naumer, Leiter Kapitalmarktanalyse bei Allianz GI und Autor der Dividenden­analyse. Zugleich wiesen Portfolios mit Un­ternehmen, die über höhere Ausschüttungsquoten verfügten, eine geringere Volatilität auf als aus Aktien mit niedrigen Anteilen. Mit Blick auf die Sektoren zeige sich, dass Portfolios mit den 25 Prozent der höchsten Dividendenzahler im Stoxx Europe 600 sowie im US-Aktienindex S&P 500 einen deutlich höheren Anteil an Versorgern, Telekommunikation und nichtzyklischen Konsumgütern hätten. Port­folios mit den 25 Prozent der niedrigsten Dividendenzahler wiederum seien stärker in Technologie, Finanzen, zyklischen Konsumgütern und Energie investiert. Bekanntermaßen neigen viele Dividendenzahler zumindest zu einer ge­wissen Kontinuität, wenn nicht gar zu Erhöhungen. Mit Blick auf die vergangenen 20 Jahre werde etwa für den Stoxx Europe 600 deutlich, dass die überwiegende Zahl der Unternehmen zur Anhebung der Dividende gegenüber dem Vorjahr tendiert habe, heißt es von Allianz GI. Der weit kleinere Teil habe Senkungen vorgenommen. Durch die stetige Entwicklung und den merklichen Anteil an der Gesamt­rendite eigneten sich Dividenden, um ein „zweites Einkommen aus Kapital“ zu erzielen, sagt Naumer. Dieses könne etwa für die Ausbildung der Kinder, als zusätzliches Urlaubsgeld oder für die dritte Lebensphase genutzt werden und sei gerade in Zeiten hoher, disruptiver Veränderungen entscheidend. Den Auftakt zur Dividendensaison im Dax gibt Siemens Healthineers. Das Aktionärstreffen findet am 5. Februar statt. Erwartet wird eine Dividende von einem Euro je Aktie nach 0,95 Euro im Vorjahr. Dies würde einem Anstieg um gut fünf Prozent gleichkommen.