FAZ 27.11.2025
07:00 Uhr

Die große Linie: Die Geschichte der deutsch-vietnamesischen Beziehungen


Absatzmarkt, Arbeitskräfte, Kaffeelieferant: Vor 75 Jahren knüpfte die DDR erste Beziehungen zu Vietnam, vor 50 Jahren folgte die Bundesrepublik. Die Chronik zeigt, wie das Land seitdem zu einem der wichtigsten Handelspartner in Südostasien wurde.

Die große Linie: Die Geschichte der deutsch-vietnamesischen Beziehungen

3. Februar 1950. Die DDR nimmt diplomatische Beziehungen zur sozialistischen Demokratischen Republik Vietnam auf, deren Unabhängigkeit 1945 von Ho Chi Minh in Hanoi ausgerufen wurde.20. Juni 1954. Mit dem Genfer Abkommen endet der Indochinakrieg um die Unabhängigkeit der französischen Kolonien. Es sieht die Teilung Vietnams in einen nördlichen, sozialistischen Teil und einen südlichen, mit den USA verbündeten Teil vor. 2. März 1965. Die USA bombardieren Nordvietnam, damit beginnt die heiße Phase des Vietnamkriegs. Die beiden deutschen Staaten beteiligen sich nicht aktiv an den Kriegshandlungen. 23. September 1975. Nach der Niederlage Südvietnams nehmen die Bundesrepublik und die vereinigte Sozialistische Republik Vietnam offizielle diplomatische Beziehungen auf. 1. Dezember 1977. Erich Honecker, Staatsratsvorsitzender der DDR, besucht Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt. Es ist der erste offizielle Staatsbesuch eines deutschen Regierungschefs in Vietnam. F.A.Z. vom 13. Dezember 1977: „Während des Besuchs Honeckers in Nordkorea wurde […] ein neuer Konsularvertrag zwischen der DDR und Nordkorea unterzeichnet. Hingegen kam es nicht zum Abschluß eines langfristigen Vertrages über Freundschaft und Zusammenarbeit, wie er während der Honecker-Visite in Hanoi zwischen der DDR und Vietnam unterzeichnet worden war.“ 3. Dezember 1978. Die Bundesrepublik nimmt die ersten von insgesamt 38.000 vietnamesischen Flüchtlingen auf, die mit Booten aus dem sozialistischen Vietnam geflohen sind – die „Boat People“. 11. April 1980. Die DDR und Vietnam schließen einen Vertrag über die Entsendung von Arbeitskräften ab, die sogenannten Vertragsarbeiter. Zur deutschen Wiedervereinigung leben rund 60.000 vietnamesische Vertragsarbeiter in Deutschland. 20. Oktober 1980. Die DDR vereinbart mit Vietnam die systematische Ausweitung des Kaffeeanbaus. Die „Operation Kaffee“ sieht exklusive Kaffeelieferungen an die DDR vor, diese liefert im Gegenzug Maschinen und Aufbauhilfe. Infolge dieser Kooperation steigt Vietnam zum zweitgrößten Kaffeeproduzenten der Welt auf. 18. Dezember 1986. Der Parteitag der KPV beschließt die „Doi Moi“-Reformen: eine marktwirtschaftliche Umstrukturierung des Landes sowie eine Öffnung des Landes für westliche Unternehmen und den Welthandel. F.A.Z. vom 9. März 1989: „Begrenzungen hinsichtlich des Kapitals und der Zahl der Beschäftigten gebe es nicht mehr. Das gehört ebenso zum ‚doi moi‘, dem vietnamesischen ‚Umbau‘, wie die Schließung der vielen mit Zeitaufwand und Bestechung verbundenen Kontrollstellen auf den Landstraßen.“ 3. Oktober 1990. Von den rund 60.000 vietnamesischen Vertragsarbeitern der DDR bleiben nach der Wiedervereinigung 16.000 Vietnamesen dauerhaft in der Bundesrepublik. Erst 1997 erhalten sie offiziell Bleiberecht. 16. November 1995. Bundeskanzler Helmut Kohl besucht Vietnam, als erster Regierungschef der Bundesrepublik überhaupt. 31. Dezember 2000. Die deutschen Jahresimporte aus Vietnam übersteigen zum ersten Mal eine Milliarde Euro, 2007 überschreiten die vietnamesischen Importe aus Deutschland die Milliardenmarke. 7. November 2006. Vietnam tritt der Welthandelsorganisation (WTO) bei. Dies stellt das Ende einer langen wirtschaftlichen Teilisolation des Landes dar. Deutschland unterstützte diesen Schritt. 10. September 2008. Die Vietnamesisch-Deutsche Universität (VGU) wird nach deutschem Modell in Ho-Chi-Minh-Stadt gegründet. Sie ist die erste des „New Model Universities Project“, mit dem Vietnam in der Wissenschaft wettbewerbsfähig werden will. 11. Oktober 2011. Deutschland und Vietnam vereinbaren eine strategische Partnerschaft zur Entwicklung von Wirtschaft, Politik, Rechtsstaatlichkeit, Bildung und Wissenschaft. 10. Oktober 2012. Mit dem Programm „Reform der Berufsbildung Vietnam“ startet eines der größten deutsch-vietnamesischen Entwicklungsprojekte. 5. September 2017. In Ho-Chi-Minh-Stadt eröffnet das Deutsche Haus. In dem zentralen Repräsentanzort der Bundesrepublik residieren auch  verschiedene deutsche Unternehmen und Institutionen. 1. August 2020. Das Freihandelsabkommen zwischen Vietnam und der EU (EVFTA) sowie ein gemeinsames Investmentschutzabkommen treten in Kraft. Nach Singapur ist Vietnam das zweite Land in Südostasien, mit dem die EU ein Freihandelsabkommen abschließt.