FAZ 06.01.2026
10:39 Uhr

„Die Situation ist furchtbar“: Biathleten nach Bakkens Tod auf der Suche nach Normalität


Trauer statt Vorfreude in Norwegen: Das beste Biathlon-Team des Winters hofft nach dem Tod von Sivert Guttorm Bakken auf positive Erlebnisse. Doch es gibt weiter offene Fragen – etwa um die gefundene Höhenmaske.

„Die Situation ist furchtbar“: Biathleten nach Bakkens Tod auf der Suche nach Normalität

„Es wird ein anderes Wochenende für uns alle. Das Wichtigste ist jetzt, aufeinander achtzugeben und dafür zu sorgen, dass die Athleten nach einer anspruchsvollen Weihnachtszeit eine sichere und positive Erfahrung machen“, sagte Norwegens Teammanager Per Arne Botnan. Die Norweger werden in Gedenken an Sivert Guttorm Bakken mit Trauerflor laufen. Beim ersten der zwei deutschen Weltcups, der am Donnerstag (14.10 Uhr/ARD und Eurosport) mit dem Sprint der Männer beginnt, soll es zudem einen Gedenkmoment für Bakken geben. Besonders für Isak Frey wird es nicht einfach. Der Norweger rückte für seinen gestorbenen Teamkollegen nach, sollte eigentlich im zweitklassigen IBU-Cup starten. „Die ganze Situation ist einfach furchtbar. Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich Siverts Platz einnehmen soll, bin dann aber zu dem Schluss gekommen, dass dies der beste Weg ist, ihn zu ehren“, sagte der 22-Jährige dem norwegischen Sender NRK. Gründe für den Tod werden weiter untersucht Der Gesamtweltcupführende Johan-Olav Botn, der seinen Freund am 23. Dezember tot in dessen Hotelzimmer im italienischen Lavazé gefunden hatte, fällt hingegen erkrankt aus, genau wie Sturla Holm Laegreid, der Gesamtweltcupsieger der vergangenen Saison. Neben der personellen Schwächung bleibt vor allem abzuwarten, wie das mit bisher 13 Podestplätzen (sechs Siege) überragende Männer-Team die Tragödie verarbeitet. Nach wie vor ist unklar, warum der 27 Jahre alte Bakken so plötzlich starb. Die endgültigen Ergebnisse der Autopsie könnten erst am 7. März vorliegen. Bakken, der 2022 nach einer Herzmuskelentzündung zwei Jahre pausieren musste und sich jetzt ins Weltcupteam zurückgekämpft hatte, war mit anderen Teamkollegen zum Training in Italien. Bei seinem Auffinden trug er eine Höhenmaske. Ob sie der Grund für seinen Tod war, wird untersucht. „Simulierte Höhe wird niemals der entscheidende Faktor sein“ Nach Angaben von Anders Brun Hennum, Verantwortlicher für die Entwicklung im norwegischen Biathlon-Team, sei der Einsatz solcher Masken im norwegischen Biathlon „sehr gering. Es gibt nur ganz wenige, die das genutzt oder ausprobiert haben“, sagte Hennum. Er hatte Bakken seit dessen 14. Lebensjahr eng begleitet. Die Initiative und Verantwortung habe bei den Aktiven gelegen, mit den Trainern habe es lediglich einen Austausch darüber gegeben, ergänzte Hennum. Nach dem Tod Bakkens hatte der norwegische Biathlonverband mitgeteilt, dass solche Masken nicht Teil seiner offiziellen Trainingsprogramme seien. Der Verband untersagte die Verwendung nun bis auf Weiteres. Simuliertes Höhentraining war in Norwegen zwischen 2003 und 2021 verboten. „Simulierte Höhe wird niemals der entscheidende Faktor sein. Im besten Fall geht es darum, für jemanden, der bereits auf einem unglaublich hohen Niveau ist, noch etwas mehr herauszuholen“, sagte Anders Overby, der neue Trainer der norwegischen Nationalmannschaft. Höhenmaske nicht für jeden geeignet Was bringt aber so eine frei verkäufliche Maske? Ausdauersportler nutzen Höhentraining, um die Produktion roter Blutkörperchen zu erhöhen und damit den Sauerstofftransport zu verbessern. Das soll die Leistungsfähigkeit steigern, auch noch Wochen nach dem Training. Aber nicht jeder reagiert gut darauf, darunter ist zum Beispiel auch Gesamtweltcupsiegerin Franziska Preuß. Die Masken erschweren das Atmen und simulieren durch verstellbare Ventile Höhenlagen von moderaten 2.000 Metern bis hin zu extremen Höhenlagen von mehr als 6.000 Metern – und sind jederzeit und egal wo einsetzbar. Sie sollen laut Studien aber keinen Effekt wie richtiges Höhentraining haben. Die Olympia-Strecken in Antholz liegen auf rund 1.600 Metern Höhe, das italienische Lavazé auf 1.800 Metern. Eigentlich gibt es klare Regeln für die Verwendung: Man soll sie nie alleine benutzen. Außerdem soll sie sich im Falle einer Bewusstlosigkeit des Trägers selbstständig lösen, damit die Sauerstoffzufuhr sofort wiederhergestellt wird. Ansonsten können die Folgen verheerend sein: Der Betroffene kann ersticken, irreversible Hirnschäden steigen mit jeder Sekunde exponentiell an. Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA hatte 2006 nach einer umfassenden Überprüfung Hypoxie-Geräte wie Masken, Höhenzelte und -kammern nicht als Dopingmittel eingestuft. Ein möglicher Leistungsgewinn sei aus WADA-Sicht nur begrenzt und individuell unterschiedlich. Gleichzeitig warnte die WADA aber vor gesundheitlichen Risiken bei einer unsachgemäßen Nutzung.