FAZ 10.12.2025
18:39 Uhr

Die Jugend der AfD: Weidel führt Jugend


Man muss nicht wissen, dass die Hitlerjugend sich „Jugend führt Jugend“ zu eigen gemacht hat. Pfadfinder nutzen den Spruch bis heute. Doch nicht darum kursiert er in der AfD-Jugend.

Die Jugend der AfD: Weidel führt Jugend
Wie viele Menschen werden hier in Zukunft arbeiten? Die Produktion des Porsche Macan in Leipzig. (Foto: Jan Woitas/dpa)

Die neue Jugendorganisation der AfD ist auf dem besten Wege, in die Fußstapfen der Jungen Alternative zu treten. Schon auf ihrem Gründungskongress in Gießen machten die Versammelten keine Anstalten, ihre Generation Deutschland von „millionenfacher Remigration“ abzugrenzen. Der Grund ist klar: Nicht tiefere Einsicht war schließlich Grund dieser Neugründung, sondern allein die Tatsache, dass der Verfassungsschutz eine Grenze gezogen hatte. Die Wortspielereien eines Alexander Gauland – Privileg der Jugend sei es, radikal sein zu dürfen, aber nicht extrem – werden nichts daran ändern, dass auch die Generation Deutschland ein Fall für den Verfassungsschutz sein wird, wenn sie so weitermacht. „Jugend führt Jugend“ – ein Skandal? Die Jungfunktionäre verhalten sich dabei nur so, wie es von der Parteiführung erwartet wird. Man weiß nicht, was schlimmer ist: dass Funktionäre der AfD dabei auf wundersame Weise zu denselben Slogans kommen, die schon SA und Hitlerjugend verwendet haben, oder ob sie deren Sprüche bewusst verwenden, um zu provozieren. Alice Weidel zuckt darüber die Schultern und ist ganz erstaunt über historische Hintergründe. Man muss nicht wissen, dass die Hitlerjugend sich „Jugend führt Jugend“ zu eigen gemacht hat - und Pfadfinder den Spruch bis heute verwenden, weil sie sich ihn von Nazis nicht streitig machen lassen wollen. Oder von der AfD-Jugend. Wer sich aber brüstet, besonders geschichtsbewusst zu sein, sollte sich fragen, warum er das nicht weiß und warum er die Radikalisierung der Partei noch anheizt.