FAZ 05.12.2025
15:38 Uhr

Die Börsenwoche: Trump sucht neuen Fed-Chef, und Märkte wanken


Trump erwägt Kevin Hassett als neuen Fed-Chef. Die Märkte reagieren nervös, während eine Zinssenkung nächste Woche erwartet wird.

Die Börsenwoche: Trump sucht neuen Fed-Chef, und Märkte wanken

Die Märkte haben ihr Urteil schon abgegeben. Der Dollar verlor in der zurückliegenden Woche an Wert, als US-Präsident Donald Trump mal wieder einen seiner Geistesblitze offenbarte. Er bezeichnete seinen Wirtschaftsberater Kevin Hassett als „potentiellen Fed-Präsidenten“. Fünf Kandidaten hat Finanzminister Scott Bessent im Auftrag Trumps interviewt, Hassett soll die Nase vorn haben. Der 63-Jährige hatte Trump schon in dessen erster Amtszeit im Weißen Haus als Chefökonom gedient. Vorsitzender des Nationalen Wirtschaftsrats Hassett zeichnet sich durch wirtschaftspolitische Flexibilität und die Bereitschaft aus, Trumps Wirtschaftspolitik in der Öffentlichkeit mit Dauerlächeln zu verteidigen. Als Vorsitzender des Nationalen Wirtschaftsrats im Weißen Haus ist er mitverantwortlich für die Umsetzung der Trump-Agenda. Die Amtszeit des amtierenden Fed-Präsidenten Jerome Powell endet im Frühjahr des kommenden Jahres. „Die Fed ist mehr als eine Zentralbank – sie ist der Anker eines globalen Systems“, schreibt Andrew Jackson in einer Analyse der Bank Vontobel. Wenn dieser Anker wackele, gerieten die Finanzmärkte weltweit unter Zugzwang. Das könne sich unter anderem negativ auf Finanzierungen auswirken und erhebliche Risiken für Schwellenländer und exportorientierte Volkswirtschaften bedeuten. Kommende Woche steht die nächste Zinssitzung in den USA an. Eine weitere Zinssenkung um 25 Basispunkte scheint bereits eingepreist. „Wir erwarten, dass die Fed die Leitzinsen nächste Woche um 25 Basispunkte senkt, wenn auch vielleicht mit etwas Bauchgrimmen“, schreibt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, in seiner Analyse zum Wochenausklang. Am Ende dürfte die Fed bei einer Abwägung der Risiken den Arbeitsmarkt höher gewichten als die Inflation. Denn mancher dürfte davon ausgehen, dass eine Abschwächung am Arbeitsmarkt die Inflation mittelfristig bremsen werde. Mit Blick auf die zu hohe Inflation wäre diese Entscheidung heikel, aber Powell habe bereits erklärt, dass es für die Geldpolitik keine risikofreien Pfade mehr gäbe. Wahrscheinlich würde der Chef der US-Notenbank eine Zinssenkung mit einer falkenhafteren Kommunikation kombinieren. Dies könnte Teil einer Abmachung sein, um eine breitere Unterstützung zu erreichen. Denkbar seien Hinweise, dass die Latte für weitere Zinssenkungen jetzt deutlich höher liege. Was immer in den USA passiert, es prägt auch die Entwicklung des deutschen Leitindex Dax. „Die Volatilität ist auf den tiefsten Stand seit fünf Wochen gefallen“, schreibt Jochen Stanzel, Analyst bei der Consorsbank. Darin drücke sich wachsende Sorglosigkeit der Anleger aus. Die letzten Wirtschaftsdaten änderten auch nichts an der Erwartung einer einzelnen Zinssenkung am Mittwoch. Die Daten seien zu heterogen, um eine automatische Serie weiterer Schritte zu rechtfertigen. Das sei der heikle Part der nächstwöchigen Notenbanksitzung. „Es wird spannend sein zu sehen, ob das One-Hit-Wonder der Fed den Anlegern genügt.“ Dax mit Schwung Die Börsenwoche endete am Freitag wieder mit etwas mehr Schwung. Erstmals seit Mitte November sprang der Dax über die psychologisch wichtige Marke von 24.000 Punkten. „Die Börsenampel steht auf Grün“, kommentierte Jürgen Molnar von Robomarkets die jüngsten Börsentrends. Die Anleger brächten sich bereits in Stellung für den Zinsentscheid der US-Notenbank in der kommenden Woche. Seit dem schwachen Monatsbeginn mit einem Verlaufstief bei gut 23.400 Zählern am Montag hat der Dax inzwischen rund zweieinhalb Prozent aufgeholt. Rückenwind gaben vor dem Wochenende zunächst die gestiegenen Aufträge für die deutsche Industrie. Mit den aktuellen Gewinnen steigen inzwischen auch wieder die Hoffnungen auf eine Jahresendrally im Dax. In diesem positiven Szenario rücke als nächstes Etappenziel der größere Widerstand bei 24.200 Zählern in den Fokus, sagte Molnar.