Käme Dick Brave aus Nordrhein-Westfalen, beispielsweise aus der Stadt Soest, wäre ihm gewiss der sprichwörtlich gewordene Satz des aus Essen stammenden früheren Bundesligastürmers Jürgen Wegmann geläufig: „Zuerst hatten wir kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu.“ Weil der Rockabilly-Sänger Dick Brave aber ja aus Kanada stammen soll, würde er die Irrungen und Wirrungen, denen er und seine Karriere in den vergangenen zwölf Jahren ausgesetzt waren, vermutlich mit einem Ventilator vergleichen, den etwas trifft, was ihn bloß nicht treffen sollte. Jedenfalls liefen die Dinge für ihn nicht gut, und in schlechte Gesellschaft geriet er obendrein. Dabei habe er sich anfangs nur ausprobieren wollen, etwas finden, was ihn neben der Musik glücklich machen könnte, verrät er im Gespräch mit der F.A.Z. Er habe als Stuntman gearbeitet und auf einer Farm, sei Rodeos geritten und auf einem Aufsitzrasenmäher durch Arizona getuckert. Doch letztlich habe die Musik gesiegt und ein neuer Manager ihn zu einer Tour in achtzig Tagen um die Welt überredet. „Das lief auch ganz gut, bis zur Hälfte ungefähr, und dann hat sich der Kerl mit der Kohle aus dem Staub gemacht“, klagt Brave, der sich selbst das Talent bescheinigt, sich gerne „an die falschen Leute zu klemmen“. Und so sei er zwar zu einer eigenen Show in Las Vegas gekommen, damit aber erst recht in Schlamassel geraten, weil es irgendwann wieder um Geld gegangen sei, und zwar um Geld, das er nicht habe zahlen können. Die Ähnlichkeit mit Popstar Sasha In dieser schier ausweglosen Situation habe dann aber doch ausnahmsweise einmal das Glück bei ihm angeklopft: „Da kam dieser deutsche Popstar Sasha, der immer mit einer gewissen Ähnlichkeit mit mir angegeben hat. Der suchte nach mir. Und ich dachte mir, wenn einer so aussieht wie ich, dann könnte der vielleicht meine Probleme lösen? Ich ließ ihn also in die Sache reinstolpern. Doch dann hat mich das schlechte Gewissen gepackt. Ich konnte Sasha im letzten Moment rausboxen, und gemeinsam sind wir nach Deutschland geflohen. Mittlerweile konnten wir die Angelegenheit mit den bösen Jungs in Las Vegas regeln. Er hat mir also das Leben gerettet, und dafür werde ich ihm ewig dankbar sein. Und ich bin sehr froh, bald wieder auf Tour gehen zu können, um das zu machen, was ich am meisten mag.“ Mit dieser Räuberpistole meldet sich ein Musiker zurück, der schon einmal in den Nullerjahren wie aus dem Nichts aufgetaucht war, sich als Kanadier mit hemdsärmeliger Biographie ausgab und mit Rockabilly-Versionen bekannter Rock- und Pophits ein großes Publikum begeisterte, nach zwei Alben mit seiner Band The Backseats, ausverkauften Konzerten und einer Goldenen Schallplatte aber im Jahr 2013 so plötzlich wieder verschwand, wie er gekommen war. Was er seitdem erlebt haben will, erzählt er nicht nur im Telefongespräch, sondern auch in einer Graphic Novel, die seinem neuen, eben veröffentlichten Album „Back For Good“ (Stars by Edel) beigelegt ist, allerdings nur der teuren Fanbox. Doch auch ohne begleitende Bildergeschichte wird schnell deutlich, dass sich da einer nicht nur mal wieder Pomade ins Haar schmieren wollte. Dick Brave möchte ein Comeback, wie es einst seinem großen Vorbild Elvis Presley gelungen ist. Und er will zurück auf die Straße, aber nicht auf jene, die nach Las Vegas führt, sondern jene, an deren Strecke die kleinen Clubs und Konzertsäle liegen, in denen der Kontakt zum Publikum noch unmittelbar ist. Und auf deren Bühnen keine Orchester passen, sondern eben nur eine Band. Die bilden nun aber nicht mehr die alten Backbeats. Dick Brave hat sich für sein Comeback neue Begleitmusiker ausgewählt, die ihn auf seiner Tour begleiten werden. Auch die Songs des neuen Albums hat er mit einer frischen Truppe aufgenommen, verspricht aber: „Ich bleib bei meinen Leisten.“ Und so bietet auch das Album „Back For Good“ das mittlerweile bewährte Dick-Brave-Konzept, bekannten Hits aus verschiedenen Dekaden der Popgeschichte ein Fünfzigerjahre-Kleid überzuziehen und sie mit Hüftschwung auf die Bühne zu bringen. Als roter Faden durch die fröhlich-bunte Auswahl von insgesamt 20 Songs zieht sich das Thema Comeback. Sei es, weil das Original einst seinem Komponisten oder Interpreten in der Tat ein Comeback bescherte wie etwa „I’m Still Standing“ Elton John oder „Sex Bomb“ Tom Jones; sei es, weil die Liedtexte vom Wiederkommen handeln wie beim von Take That geliehenen Titelsong „Back For Good“, oder sei es nur, weil der Regen vorüber ist und nun die Sonne wieder scheint, wie in Johnny Nashs Klassiker „I Can See Clearly Now“. Diese neuen Rockabilly-Versionen von Hits solch unterschiedlicher Künstler wie Depeche Mode, Tina Turner, Michael Jackson, a-ha, Abba, The Weeknd oder Elvis Presley werden auch im Mittelpunkt des Konzertprogramms stehen, das Dick Brave nach der bereits mehr oder minder ausverkauften Club-Tour im Frühjahr auch bei zahlreichen Open-Air-Auftritten im Sommer präsentieren wird. Für älteres Material soll zwar auch Platz sein im Programm, doch vor allem will er „mal so ein bisschen frischen Wind reinbringen“. Dick Brave tourt von Mitte April bis Anfang Mai durch Clubs Den Entschluss, nach all den Jahren in der Versenkung ins Rampenlicht zurückzukehren, begründet er auch mit einem biologischen Umstand: „Obwohl ich mich ja manchmal als eine Art Chuck Norris der Musik bezeichne, geht auch an mir das Alter nicht komplett spurlos vorüber. Daher denke ich, es ist gerade jetzt ein guter Zeitpunkt für ein Comeback und um noch einmal ordentlich mit der Hüfte zu wackeln.“ Außerdem sei er der Ansicht, dass es dem Publikum zurzeit wieder um handgemachte Musik gehe: „Da steckt Herz drin. Und das emotionalisiert.“ Dick Braves Lookalike Sasha wird das Comeback übrigens aus dem Hintergrund beobachten. Irgendwer muss ja nach dem Rechten sehen, damit die Feier der alten Zeiten eine Feier der guten alten Zeiten wird. Dick Brave tourt von 16. April bis 6. Mai 2026 durch deutsche Clubs, darunter auch die Batschkapp in Frankfurt (27. April). Die Tour ist bereits ausverkauft. Von 30. Mai bis 20. September tritt Dick Brave bei zahlreichen Open-Air-Konzerten auf, darunter am 15. August beim European Elvis Festival in Bad Nauheim sowie am 18. August im Schlosshof Fulda. Alle Termine hier
