Alle Initiativen zu einem Dialog der EU mit dem russischen Regime wie die des französischen Präsidenten Emmanuel Macron oder nun die der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni leiden an dem gleichen Fehler: Ihnen fehlt ein gesprächsbereites Gegenüber. Als in Washington noch Joe Biden regierte, hieß es in Russland, es sei sinnlos, mit den Europäern zu reden, weil diese nur willenlose Vasallen ihres Herrn in den USA seien. Seitdem dort Donald Trump an der Macht ist, stellt Moskau die Europäer als Störenfriede dar, die mit ihren Eigenmächtigkeiten die Chancen auf ein Ende des Krieges in der Ukraine zunichtemachten; Gespräche mit ihnen führten zu nichts, weil sie sich im Gegensatz zur neuen amerikanischen Regierung nicht konstruktiv verhielten. Moskaus offene Verachtung für die Europäer Das russische Desinteresse an einem Dialog mit den Europäern äußert sich oft in offener Verachtung für einen angeblich wirtschaftlich, militärisch und moralisch degenerierten Kontinent. Dahinter stecken nicht nur die alten Vorbehalte des Kremls gegen die EU. Statt mit der ganzen Union zu tun zu haben, wollte Putin schon immer lieber bilateral mit einzelnen Ländern ins Geschäft kommen – um sie gegeneinander ausspielen zu können. In Russland sieht man eine neue Weltordnung aufziehen, in der alle wichtigen Entscheidungen im Mit- und Gegeneinander von drei Hauptstädten fallen: Moskau, Peking und Washington. Es liegt an den Europäern, dem Kreml durch Einigkeit und Härte zu beweisen, dass er damit falsch liegt.
