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04.02.2026
20:31 Uhr
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Bundesregierung signalisiert neue Linie bei Rüstungsexporten +++ Konstruktives Misstrauensvotum im Thüringer Landtag gescheitert +++ Migrationsbericht: 430.000 Zuzüge mehr als Fortzüge +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Baden-Württemberg will extremistische Juristen abwehrenIn Baden-Württemberg wird das Juristenausbildungsgesetz geändert, um den Zugang von rechtsextremistischen und verfassungsfeindlichen Juristen zum Justizwesen und zur Rechtspflege zu erschweren. Auf die Initiative der SPD-Fraktion stimmte der Landtag einem fraktionsübergreifenden Antrag von CDU, Grünen, FDP und SPD zu. Künftig heißt es im Gesetz: „Der Bewerber ist insbesondere dann als ungeeignet anzusehen, wenn begründete Zweifel an der Verfassungstreue bestehen.“ Mit der Formulierung werde die vom Bundesverfassungsgericht definierte Mindestanforderung für die Verfassungstreue nun im Gesetz konkretisiert. Die baden-württembergische Justizministerin Marion Gentges (CDU) hatte zunächst vorgeschlagen, dem Problem der wachsenden Zahl von verfassungsfeindlichen Referendariatsbewerbern mit einer Änderung der Ausbildungsordnung zu begegnen. SPD, Grüne sowie der Präsident des Oberlandesgerichts Stuttgart, Andreas Singer, hatten für die Anpassung des Gesetzes plädiert. Der rechtspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Boris Weirauch, sagte, es werde eine Rechtslücke geschlossen. Bewerber für den juristischen Vorbereitungsdienst könnten nun rechtssicher nicht zugelassen oder entlassen werden, wenn sie nicht verfassungstreu seien. Pro Jahr absolvieren etwa 1000 Personen in Baden-Württemberg den Vorbereitungsdienst. Für Beamte wird das aktive Eintreten für das Grundgesetz verlangt, für Referendare müssen wegen der Gewährung der Berufsfreiheit die Anforderungen niedriger ausfallen. Gentges sagte, Referendare prägten den Rechtsstaat für Jahrzehnte. Es müsse klare Voraussetzungen geben: „Verfassungsfeindlichkeit und juristischer Vorbereitungsdienst gehen nicht zusammen.“ Der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Fraktion, Daniel Lede Abal, begrüßte die Novellierung, den Schutz des Rechtsstaates müssten demokratische Fraktionen gemeinsam angehen. Für die fD-Fraktion ist die Gesetzesänderung der „Gesinnungsfilter eines politischen Machtkartells“.
Dobrindt fordert härtere Strafen nach Angriff auf SchaffnerBundesinnenminister Alexander Dobrindt hat nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugschaffner eine deutliche Verschärfung der Strafen gefordert. „Der strafrechtliche Schutz für Mitarbeiter bei Dienstleistungsunternehmen wie der Bahn muss deutlich verschärft werden“, sagte der CSU-Politiker am Dienstag. „Der Strafrahmen muss ausgeweitet und die Mindeststrafen für Angriffe deutlich erhöht werden.“ Er sei bestürzt, erschüttert und tief betroffen vom Tod des Schaffners. Die steigende Gewalt gegenüber Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes brauche entschiedene Konsequenzen. Auch Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) zeigte sich entsetzt und betonte, die Tötung eines Menschen ziehe schwere Strafen nach sich. Ihr Ministerium zeigte sich daher zurückhaltend zu weiteren Verschärfungen. Es sei zudem ohnehin geplant, bei Übergriffen etwa auf Einsatzkräfte wie Polizei und Feuerwehren die Strafen zu erhöhen.
Höcke bekommt eine Stimme mehr, als AfD-Fraktion Sitze hatDie AfD ist mit einem konstruktiven Misstrauensvotum gegen den Thüringer Ministerpräsidenten Mario Voigt (CDU) gescheitert. Im Landtag in Erfurt stimmten am Mittwoch in einer geheimen Wahl 33 Abgeordnete für den AfD-Landtagsfraktionsvorsitzenden Björn Höcke als neuen Ministerpräsidenten. Das ist eine Stimme mehr, als die AfD-Fraktion Sitze hat. Nötig gewesen wären 45 Stimmen, um den wegen der Aberkennung seines Doktorgrades in der Kritik stehenden Voigt abzuwählen.
1,69 Millionen Menschen zu- und 1,26 Millionen Menschen abgewandert Im Jahr 2024 sind 1,69 Millionen Menschen nach Deutschland zugewandert, 1,26 Millionen Menschen haben das Land verlassen. Das Wanderungssaldo, also die Differenz zwischen Zu- und Abwanderungen, betrug somit 430.000 Personen. Ein Jahr zuvor, 2023, lag das Saldo noch bei 663.000 Personen. Das ist ein Rückgang um 35 Prozent. Die Zahlen gehen aus dem Migrationsbericht für das Jahr 2024 hervor, den das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) am Mittwoch veröffentlicht hat.In den Zahlen spiegelt sich ein verändertes Migrationsgeschehen wider: Die Zahl der Asylanträge geht zurück. 2023 wurden noch 330.000 Asylanträge gestellt, 2024 waren es 230.000, 30 Prozent weniger. Dieser rückläufige Trend bestätigt sich auch für das Jahr 2025; die Zahlen sind aber noch nicht final ausgewertet. Syrien blieb laut BAMF weiterhin das häufigste Herkunftsland unter Asylantragstellern (33 Prozent), gefolgt von Afghanistan und der Türkei.
Ein Jahr – fünf WahlenIm Superwahljahr 2026 stehen die ersten Stimmungstests an, seitdem Friedrich Merz Bundeskanzler ist: für ihn selbst, für seine Regierung und auch für die Opposition. Gewählt wird in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Wie stehen die Chancen für die Kandidaten und Parteien? Wir haben für Sie einen Überblick mit Grafiken erstellt:
Nicht aus dem NichtsDas schreckliche Verbrechen, das ein Flüchtling aus Südsudan in Hamburg an einer jungen Frau beging, kam wie viele ähnliche zuvor augenscheinlich nicht aus dem Nichts. Ariop A. war zuvor strafrechtlich bekannt. So müsse wieder gefragt werden, warum gefährliche ausländische Straftäter nicht abgechoben werden, komentiert F.A.Z.-Redakteur Philip Eppelsheim:
Gesetzlich Versicherte müssen im Schnitt 42 Tage auf Facharzttermin wartenGesetzlich Versicherte mussten 2024 länger auf einen Facharzttermin warten als noch vor einigen Jahren. Das geht aus Antworten des Bundesgesundheitsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linken hervor, die der „Rheinischen Post“ (Mittwochsausgabe) vorlag. Laut einer Versichertenbefragung, auf die sich die Bundesregierung beruft, betrug die Wartezeit im Jahr 2024 im Schnitt 42 Tage. Zum Vergleich: 2019 waren es noch 33 Tage.Die Zahlen beziehen sich auf Versicherte der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), die mindestens einen Tag auf Facharzttermine gewartet haben.
Höcke tritt bei Misstrauensvotum in Thüringen gegen Voigt an Nach der Aberkennung seines Doktortitels muss sich der thüringische Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) im Landtag in Erfurt heute einem Misstrauensantrag der AfD-Fraktion mit ihrem Chef Björn Höcke stellen (Sitzungsbeginn: 14.00 Uhr). Höcke tritt dabei selbst als Kandidat für den Posten des Regierungschefs an. Seine Chancen gelten wegen der Haltung der anderen Fraktionen als gering. Die Thüringer AfD wird vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft und beobachtet.Der Landesverfassung zufolge kann der Landtag dem Ministerpräsidenten „das Misstrauen nur dadurch aussprechen, dass er mit der Mehrheit seiner Mitglieder einen Nachfolger wählt“. Nur Höcke wird auf dem Wahlzettel stehen, er braucht 45 Stimmen, um Voigt zu stürzen. Seine Fraktion hat 32 der 88 Sitze im Parlament. Es gibt nur einen Wahlgang, die Abstimmung ist geheim. Abgesehen von der AfD hatten die Vorsitzenden der anderen Landtagsfraktionen vorab angekündigt, Höcke geschlossen nicht zu wählen.
Opposition fordert weiteren Rücktritt nach Solinger Anschlag Nach dem Rücktritt von Fluchtministerin Josefine Paul (Grüne) fordert die Opposition weitere personelle Konsequenzen im Zusammenhang mit der Aufarbeitung des Solinger Terroranschlags. Auch der Staatssekretär im Ministerium, Lorenz Bahr (Grüne), müsse entlassen werden, sagten die Obleute von SPD und FDP im Solingen-Untersuchungsausschuss, Lisa Kapteinat und Werner Pfeil. Sie werfen Bahr vor, im Streit um fehlende Unterlagen für den Solingen-Untersuchungsausschuss eine falsche Aussage Pauls über Monate gedeckt zu haben. So habe Paul im Juni 2025 versichert, Akten zu den Tagen nach dem Anschlag vom August 2024 mit drei Todesopfern vollständig vorgelegt zu haben. Es gebe keine weiteren Beweismittel. Erst vor wenigen Tagen habe Staatssekretär Bahr dann aber in einem Begleitschreiben zu der per Ultimatum von SPD und FDP erzwungenen Nachlieferung von Akten erklärt, dass darin auch SMS-Kommunikation zwischen ihm und Paul enthalten sei. Weitere Unterlagen würden sukzessive an den Ausschuss übergeben. 15 Monate seien die nun aufgetauchten SMS dem Untersuchungsausschuss vorenthalten worden, so SPD und FDP. Die Opposition forderte Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) schriftlich auf, bis zum 13. Februar zu begründen, warum die SMS-Kommunikation vom Tatwochenende zwischen Paul, Bahr und anderen Beteiligten bis Ende Januar nicht geliefert worden sei. Erst kurz vor Ablauf des Ultimatums der Opposition seien „Tausende von Daten“ geschickt worden, die jetzt erst noch gesichtet werden müssten, sagte Pfeil.
Grünen verlangen Aufklärung zu Kürzungen für Kultur Die Grünen im Sächsischen Landtag zeigen sich überrascht über Kürzungen im laufenden Haushalt für die Kultur und verlangen Aufklärung. Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU) habe das in der vergangenen Woche in einer Videokonferenz angekündigt, sagte Fraktionschefin Franziska Schubert in Dresden. Die Rede sei von mindestens 10 Prozent Kürzung der eigentlich zur Bewilligung verfügbaren Fördermittel, bei einzelnen Einrichtungen sogar deutlich mehr. Bei Betroffenen herrsche Verunsicherung. „Ich habe dafür kein Verständnis. Aus finanzpolitischer Sicht besteht dafür derzeit keine Notwendigkeit. Der Haushalt 2026 ist beschlossen und kann bewirtschaftet werden“, sagte Schubert, die auch Sprecherin für Finanzpolitik ihrer Fraktion ist. Das Kulturministerium richte unnötig Schaden an, insbesondere bei kleineren Einrichtungen und Trägern. „Es widerspricht dem Leitziel des Freistaates, kulturelle Identität und Vielfalt zu bewahren.“ Die Kürzungen müssten sofort zurückgenommen werden.
Wadephul besucht Südsee-Königreich TongaVor dem Hintergrund der Auswirkungen des Klimawandels besucht Außenminister Johann Wadephul (CDU) am Mittwoch das polynesische Königreich Tonga im Südpazifik. Während sich etwa die USA unter Präsident Donald Trump weitgehend aus der Klimapolitik zurückziehen, will Deutschland auch deutlich machen: Die Bundesregierung kümmert sich nach wie vor um den Kampf gegen den Klimawandel und dessen Folgen. Wadephul hatte zum Auftakt seiner Reise in die Pazifikregion erklärt, Deutschland wolle strategischer Partner der Regionalorganisation Pacific Islands Forum (PIF) werden, zu deren Klimafonds die Bundesrepublik beiträgt. Wegen des steigenden Meeresspiegels ist der Klimawandel für die pazifischen Inselstaaten eine existenzielle Bedrohung. Tonga ist Sitz des regionalen Klimafonds „Pacific Resilience Facility“, der 2023 vom PIF beschlossen worden war. Deutschland hat bisher fünf Millionen Euro zur Finanzierung zugesagt. Bei einer Audienz Wadephuls bei König Tupou VI. dürfte es auch um die bilateralen Beziehungen gehen. Diese gehen zurück auf einen Freundschaftsvertrag des deutschen Kaiserreiches aus dem Jahr 1876. Diplomatische Beziehungen mit der Bundesrepublik bestehen seit 1976.
Ein Problem namens SellnerAber auch die Mutterpartei selbst hat ein Problem. Es heißt Martin Sellner. Wie in anderen aktuellen, aber vor allem schwierigen Fragen (Wehrpflicht, Russland) ist auch hier die Haltung innerhalb der AfD gespalten. Viele im Fußvolk finden, dessen Thesen sollten Wort für Wort umgesetzt werden - bis hin zur Ausweisung von Millionen Deutschen mit Migrationshintergrund. Dagegen fürchtet die Führung um ihre Wählbarbeit in der konservativen Mitte der Gesellschaft, analysiert F.A.Z.-Korrespondentin Friederike Haupt.
Neuer Name, aber keine NeuschöpfungDie neue Jugendorganisation der AfD ist mindestens in ihrer Führungsebene auch weitgehend die alte, analysiert das Bundesinnenministerium. Dazu kommentiert F.A.Z.-Zeitgeschehen-Leiter Reinhard Müller, dass schon das „Deutschland“ in deren Name grundfalsch sei: „National“ zu sein, ist nicht mit Rassismus zu vereinbaren.
Bundesregierung sieht keine Mäßigung durch neue AfD-Jugendorganisation Die Bundesregierung sieht bei der neuen AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland (GD) eine starke inhaltliche und personelle Kontinuität zu der als rechtsextremistisch eingestuften Vorgängerorganisation Junge Alternative. Das geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsabgeordneten Marlene Schönberger hervor.Auf der Gründungsversammlung der Generation Deutschland Ende November in Gießen seien „Äußerungen getätigt“ worden, „die als tatsächliche Anhaltspunkte für Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung zu werten sind“, schreibt das Innenministerium in der Antwort, die der Nachrichtenagentur AFP vorliegt und über die zuerst der Spiegel“ berichtet hatte. „In den Bewerbungsreden waren Aussagen festzustellen, die Ausdruck eines ethnisch-abstammungsmäßigen Staatsvolksverständnisses sind.“ Daraus ergäben sich „Anhaltspunkte für Forderungen nach einer rechtlichen Diskriminierung deutscher Staatsangehöriger mit Migrationshintergrund“.