FAZ 23.11.2025
15:45 Uhr

Deutsches Eislauf-Paar: „Unser Gesamteindruck ist nicht so schlecht“


Trotz Ausrutschern gewinnt das deutsche Eiskunstlauf-Paar Minerva-Fabienne Hase und Nikita Wolodin erstmals in dieser Olympia-Saison einen Grand Prix – und damit peu á peu an Profil.

Deutsches Eislauf-Paar: „Unser Gesamteindruck ist nicht so schlecht“

Ausrutscher gehören noch immer zu den Showacts von Minerva-Fabienne Hase und Nikita Wolodin auf dem Weg zu den Olympischen Winterspielen 2026 in Italien. Das Karriereziel, in Mailand dabei zu sein im Kampf um die olympischen Medaillen, scheint aber dennoch nicht gefährdet. Schließlich patzt auch die Konkurrenz aus Japan, Kanada und Georgien regelmäßig, so dass Prognosen für die entscheidende Kür am 16. Februar des kommenden Jahres derzeit so gut wie unmöglich sind. Angefangen mit den japanischen Weltmeistern Miura/Kihara über die italienischen Konkurrenten Conti/Macii, die Georgier Metelkina/Berulawa bis zu den kanadischen Weltmeistern von 2024, Stellato-Dudek/Deschamps gehören Patzer auf dem Weg zum Olymp bei den anderen Toppaaren genauso zu den vorolympischen Auftritten. Man ist also, aus deutscher Sicht, in guter Gesellschaft. Viel Arbeit vor dem Grand-Prix-Finale in Japan Minerva Hase und ihr inzwischen mit einem deutschen Pass ausgerüsteter Weggefährte freuten sich am Samstagmittag erst einmal über ihren ersten Sieg bei der Grand-Prix-Serie dieses Jahres während der Finlandia Trophy in Helsinki, mit dem sich die Titelverteidiger für das Grand-Prix-Finale Anfang Dezember in der japanischen Millionenstadt Nagoya qualifizierten. Als drittbestes Paar hinter Miura/Kihara, die sie zum Saisonauftakt bei der Nebelhorn Trophy in Oberstdorf besiegten, und Conti/Macii, denen sie in der Vergangenheit meistens voraus waren. Da aber auch der knappe Erfolg in Helsinki mit 206,88 Punkten vor den nicht für das Grand-Prix-Finale qualifizierten amerikanischen Paaren Efimowa/Mirtofanow (205,49) und Kam/O`Shea (199,09) einigermaßen weit von ihren optimalen Kapazitäten entfernt war, liegt noch viel Arbeit an der Stabilisierung ihrer Programme vor Minerva-Fabienne Hase und Nikita Wolodin. In Helsinki verrutschte der für einen Moment erschrockenen Berlinerin am Freitag die Todesspirale im Kurzprogramm, während ihr Partner Wolodin tags darauf in der Kür die Landung nach einem Dreifachsalchow verstolperte und deshalb zu Boden ging. Da die beiden 26 Jahre alten Europameister und Weltmeisterschaftszweiten aber erwachsen genug sind, ihre eigenen Leistungen realistisch einzuschätzen, erkannte Minerva Hase vor allem den Fortschritt in der Präsentation der Programme. „Unser Gesamteindruck ist nicht so schlecht“, bewertete sie die Auftritte, „wir hatten Fehler, aber vieles ist uns auch gut gelungen, und wir sind selbstbewusst gelaufen.“ Gelingt der dritte Titelgewinn? Vor allem die Präsentation ihrer neuen Kür nach der Musik des britischen Filmmusikkomponisten Max Richter wirkte diesmal stimmiger als zuvor. Minerva Hase und Nikita Wolodin scheinen das Programm inzwischen so verinnerlicht zu haben, dass auch das Publikum an der Eisgeschichte von einer Frau, die sich im Leben verliert und von ihrem Partner zurück ins Licht geführt wird, Anteil nimmt. Eine gute Basis für die weiteren Wettkämpfe bis zu den Winterspielen. Was beim ersten Grand-Prix-Wettbewerb der beiden während dieser Saison in der kanadischen Stadt Saskatoon, wo sie Zweite hinter Stellato-Dudek/Deschamps wurden, noch ziemlich unfertig anmutete, gewinnt peu à peu an Profil. „Dieser Sieg“, lautete Hases Schlussfolgerung aus der Standortbestimmung in Helsinki, „zeigt, dass unsere Kür von Mal zu Mal besser wird.“ Mit dem neuen Kurzprogramm, einem von Beginn an stimmigen Tango, kamen die beiden dagegen auf Anhieb beim Publikum wie bei den Preisrichtern an. Im Grand-Prix-Finale in knapp zwei Wochen wird eine weitere Maximierung, einhergehend mit einer Minimierung der Fehlerquote, nötig sein, um den Titel ein drittes Mal zu gewinnen. Wäre dem so, nähme die olympische Medaillenperspektive konkrete Formen an.