„Skate to Milano“ hatte die Internationale Eislauf-Union auf ihre Werbebanden in der Sheffield Arena plakatiert, aber Minerva-Fabienne Hase und Nikita Volodin schlichen mit hängenden Köpfen und Schmerz in den Blicken vom englischen in Richtung olympisches Eis. Die Europameister von 2025, Zweite der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr, hatten nach Ansicht der Punktrichter der Europameisterschaften 2026 in Sheffield die drittbeste Kür des Abends gezeigt. Sie war von Fehlern durchsetzt. Hase stürzte bei der Landung des Wurfrittbergers und bei der letzten Hebefigur. Volodin hatte zuvor schon den Dreifach-Toeloop überdreht, der Auftritt der Deutschen, beide 26 Jahre alt, wirkte fahrig wie selten in dieser Saison. Der knappe Vorsprung aus dem Kurzprogramm vor den Ungarn Marija Pawlowa und Alexeij Swiatschenko, die in der Kür einen stärkeren Auftritt als das deutsche Paar hingelegt hatten, reichte trotzdem für Platz zwei bei dieser Europameisterschaft. Minerva-Fabienne Hase war leicht erkältet – und „wir beide waren sehr aufgeregt“, sagte sie anschließend. EM-Sieger mit Ambitionen Mit großem Abstand zur Konkurrenz liefen dank der besten Darbietung des Abends Anastasija Metelkina und Luka Berulawa für Georgien. Es ist der erste Europameistertitel im Eiskunstlaufen für die Kaukasusrepublik, und das Signal, das die beiden vor der olympischen Entscheidung am 11. Februar senden, ist deutlich, nicht nur, weil auf Metelkinas Schlittschuhen schon in der einstigen Stahlstadt Sheffield oberhalb der Kufen die fünf olympischen Ringe prangten. „Ich möchte Gold bei Olympia“, sagte sie nach der Siegerkür, „genau wie ich Gold bei der Europameisterschaft wollte.“ Auf 215,76 Punkte addierte sich die Leistung des georgischen Paars, für Hase/Volodin hielten die Punktrichter 203,87 Punkte fest, 202,56 für Pawlowa/Swiatschenko. Auf Platz vier liefen Annika Hocke und Robert Kunkel, das zweite deutsche Paar zeigte eine ordentliche Kür zu Meat Loafs Neunzigerjahre-Epos „I’d Do Anything for Love (But I Won’t Do That)“, wenngleich auch sie beim Rittberger nicht fehlerfrei blieben. Komplizierte Lage vor den Winterspielen Deutliche Verhältnisse jedenfalls in Sheffield. In gut drei Wochen in Mailand wird es komplexer, schon weil dort Sara Conti und Niccolò Macii warten. Die Lombarden fehlten in Sheffield wegen einer Verletzung Contis, ihr Favoritenstatus macht die olympische Paarlaufentscheidung zu einem absehbaren Highlight der Eiskunstlaufwettbewerbe in der Hauptstadt der Lombardei. Was heißt Heimvorteil auf Italienisch? Andererseits: Kandidaten auf Gold sind dann neben den Italienern, den Georgiern und – jedenfalls nach ihren Vorstellungen – Hase und Volodin vor allem die Weltmeister: Riku Miura und Ryuichi Kihara aus Japan. Ihre Anwesenheit verkompliziert die Lage. Reizvolle Aussichten für die Olympischen Winterspiele also, schon weil Minerva-Fabienne Hase und Nikita Volodin dort einen ganz anderen Eindruck als in Sheffield hinterlassen wollen. „Memoryhouse“ heißt das Stück zur Kür – Neo-Klassik, komponiert von Max Richter. In wenigen Wochen wird klar sein, in welcher Erinnerung diese Saison bleiben wird. Und noch ein anderes Bild könnten übrigens Conti/Macii und Miura/Kihara in Mailand entstehen lassen. Bei der Siegerehrung dieser Europameisterschaften in der Grafschaft South Yorkshire war die gebürtige Berlinerin Hase die Einzige unter den Geehrten, die nicht in Russland geboren ist.
