FAZ 21.05.2026
16:04 Uhr

Deutsche-Welle-Reporter: Journalist Alican Uludağ soll aus Haft entlassen werden


Der Deutsche-Welle-Korrespondent Alican Uludağ ist wegen vermeintlicher Beleidigung des Präsidenten angeklagt. Das Gericht ordnete seine Freilassung aus der Haft an. Der Prozess wird im Herbst fortgesetzt.

Deutsche-Welle-Reporter: Journalist Alican Uludağ soll aus Haft entlassen werden

Drei Monate nach seiner Verhaftung hat ein Gericht in Ankara die Freilassung des Deutsche-Welle-Reporters Alican Uludağ angeordnet. Das bestätigte sein Anwalt Abbas Yalcin auf Anfrage. Uludağ sollte  voraussichtlich am Donnerstagabend aus dem Gefängnis Silivri in Istanbul entlassen werden. Der nächste Verhandlungstag ist nach Angaben des Anwalts für den 18. September geplant. Der Prozess gegen Uludağ hatte am Nachmittag in der türkischen Hauptstadt Ankara begonnen. Laut der Anklageschrift werden ihm Präsidentenbeleidigung, Verbreitung irreführender Informationen und die Herabwürdigung der Türkei in wiederholten Fällen vorgeworfen. Hintergrund sind unter anderem Äußerungen des Journalisten auf der Plattform X. Uludağ, der per Videoübertragung an der Verhandlung teilnahm, weist die Vorwürfe von sich. Er hat angekündigt, seinen Beruf weiter auszuüben. Im Februar war er von einem großen Polizeiaufgebot festgenommen worden. „Ich bin sehr erleichtert, dass unser Kollege Alican Uludağ nach drei Monaten endlich freikommt und zu seiner Familie in Ankara zurückkehren kann“, sagte die Intendantin der Deutsche Welle (DW), Barbara Massing. „Er war 92 Tage lang grundlos in Haft, überwiegend in einer Einzelzelle im Hochsicherheitsgefängnis Silivri in Istanbul, weit entfernt von Zuhause.“ Es sei „beunruhigend, dass das Verfahren fortgesetzt wird“, so die DW-Intendantin. „Wir fordern, dass das Verfahren umgehend eingestellt wird - Alican Uludağ hat lediglich seinen Job als Gerichtsreporter gemacht. Wir stehen weiterhin uneingeschränkt hinter ihm und werden uns für seinen Freispruch einsetzen. Seine Verhaftung zeigt, wie kritische Stimmen in der Türkei gezielt eingeschüchtert und zum Schweigen gebracht werden sollen.“