FAZ 22.02.2026
15:02 Uhr

Deutsche Olympia-Bilanz: „Schleichend schlechter“


Der DOSB ist mit der deutschen Bilanz bei Olympia nicht zufrieden. Doch wie soll es besser werden? Mehr Geld gibt es eher nicht. Staatsministerin Schenderlein fordert „echte Reformen“.

Deutsche Olympia-Bilanz: „Schleichend schlechter“

Olaf Tabor hatte sich auf die Bobfahrer verlassen. Das deutsche Team sei „genau auf dem Pfad unterwegs“, den es in Peking beschritten habe, hatte der für den Leistungssport zuständige Vorstand des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) und Chef de Mission der Olympiamannschaft am Samstag auf deren Abschluss-Pressekonferenz gesagt. Doch die Bobfahrer ließen Tabor im Stich, trotz Gold und Silber im Vierer für Johannes Lochner und Francesco Friedrich samt Crews. Vier Hundertstelsekunden aber fehlten Adam Ammour zu Bronze am Sonntag und mit dem Olympiasieg von Laura Nolte und Anschieberin Deborah Levi und dem zweiten Platz von Laura Buckwitz und Nele Schuten kamen die Medaillenzähler auf die Gesamtzahl von 26: Acht Gold-, zehn Silber- und acht Bronzemedaillen gewannen deutsche Sportler von Antholz bis Bormio, von Livigno bis Mailand, in Predazzo und in Cortina d’Ampezzo. Eine Medaille weniger also als in Peking, und ein Drittel weniger Goldmedaillen, zwölf waren es in China. Erfolg hatte „Team D“ vor allem im Schlitten Vor allem in Cortina d’Ampezzo, konkret im Eiskanal, war „Team D“ erfolgreich. Fünf Medaillen für die Rodler, sechs für die Skeletonpiloten, acht für die Bobfahrer, macht 19, gut 73 Prozent der Gesamtzahl. Deutscher Erfolg kam bei diesen Winterspielen so kufenlastig daher wie nie zuvor, allerdings mussten die Kufen verbaut sein an einem Schlitten. In Mailand gab es insgesamt 28 Siegerehrungen, bei denen Medaillen an Sportlerinnen und Sportler verteilt wurden, die zuvor Schlittschuhe an den Füßen getragen hatten. Minerva Fabienne Hase und Nikita Volodin gewannen Bronze im Paarlauf – mehr haben deutsche Sportler nicht mitgebracht aus der Hauptstadt der Lombardei. Auch das hat dazu beigetragen, dass das vor den Spielen verkündete Ziel – Deutschland solle zu den drei erfolgreichsten Teams der Winterspiele 2026 gehören – verpasst wurde. Platz fünf im Medaillenspiegel wurde es letztlich, hinter Norwegen und den Amerikanern, aber auch hinter Italien und den Niederlanden. Tabor sprach am Samstag von „einer kleinen Prise Ernüchterung“. Zwölfmal sind deutsche Sportlerinnen und Sportler Vierte geworden bei diesen Spielen, für Tabor habe sich das „irgendwo zwischen Drama und Tragödie“ abgespielt. Der Trend allerdings ist eindeutig. In Italien gab es sieben Entscheidungen mehr (116) und es war kein russisches Team am Start. Vor acht Jahren in Pyeongchang hatte „Team D“ in 102 Wettkämpfen 31 Medaillen gewonnen, vor zwanzig Jahren in Turin waren es 29 Medaillen aus 84 Entscheidungen, zu Beginn des Jahrtausends in Salt Lake City 36 Medaillen in 78 Wettkämpfen. Mit „zwei, drei Wochen Abstand“, kündigte Tabor an, solle die „Aufarbeitung“ der Ergebnisse der Spiele 2026 „DOSB-intern“ beginnen. „Was man verbessern muss, ist immer eine mitlaufende Frage“, sagte am Samstag in Cortina d’Ampezzo. Der DOSB wolle „herausdestillieren, wo wir angreifen können“, andere Nationen gingen „sorgsamer mit ihrem Medaillenpotential“ um. „Wir sehen in der Tendenz, dass unsere Erfolgsbilanz schleichend schlechter werden wird, wenn wir nichts tun“, sagte Tabor. Der schleichende Abstieg hat längst begonnen. Was also tun? Beziehungsweise: mit wem? Es gebe „Nachwuchsthematiken“: Tabor nannte Ski- und Snowboard-Freestyle, es müsse „dringend eine Lücke“ geschlossen werden. Keine neue Erkenntnis – das Problem, in etlichen Sportarten und Disziplinen kaum präsent zu sein, die in den vergangenen drei Jahrzehnten zum Programm olympischer Winterspiele hinzugekommen sind, begleitet den DOSB durch die Olympiaden hindurch. Geändert hat sich bislang nichts. „Unseren eigenen Ansprüchen nicht gerecht geworden“ In Italien setzten sich die Deutschen öffentlich vor allem für den Erhalt der Nordischen Kombination im Programm der Spiele 2030 ein, dann mit Rennen für Männer und Frauen. Entsprechende Statements kamen vom DOSB und der für den Sport zuständigen Staatsministerin Christiane Schenderlein, Erfolgsaussichten ungewiss. Bis zum Sommer soll das Programm für die nächsten Winterspiele in Frankreich 2030 stehen. Die CDU-Politikerin gratulierte den deutschen Sportlern in einem Statement „von Herzen“. Zur Wahrheit gehöre aber, dass „wir unseren eigenen Ansprüchen nicht gerecht geworden sind“. Die Ergebnisse seien ein „klarer Handlungsauftrag“, „echte Reformen“ seien nötig, nicht die bloße Forderung nach mehr Geld. Schenderlein verwies insbesondere auf das geplante Sportfördergesetz und die Schaffung der darin vorgesehenen Spitzensportagentur.