FAZ 26.01.2026
20:00 Uhr

Deutsche-Bank-Aktie: Der Kurs der Deutschen Bank wirkt ausgereizt


Vor Bekanntgabe der Geschäftszahlen empfehlen auffällig viele Analysten nach einem starkem Kursanstieg den Verkauf. Immerhin konnte die Deutsche Bank zu Wettbewerbern wie Goldman Sachs und Barclays aufholen. Doch weitere Aufwärtsphantasie fehlt.

Deutsche-Bank-Aktie: Der Kurs der Deutschen Bank wirkt ausgereizt

Die meisten Analysten halten den Aktienkurs der Deutschen Bank für ausgereizt. Bevor Deutschlands größtes Kreditinstitut am 29. Januar seine Geschäftszahlen für das vierte Quartal und damit auch für das Gesamtjahr 2025 vorlegt, empfehlen laut Bloomberg nur acht von 25 Analysten die Aktie zum Kauf. Verkaufsempfehlungen, die eher ungewöhnlich sind, haben immerhin sechs ausgesprochen. Mit elf raten die meisten von denjenigen, die sich regelmäßig eine Meinung zur Deutschen Bank bilden, zum Halten. 2025 hat die Deutsche Bank viel erreicht. Der Aktie ist gut 75 Prozent mehr wert als vor einem Jahr, nur der von einer Übernahme der italienischen Bank Unicredit getriebene heimische Rivale Commerzbank hat an Börsenwert stärker zugelegt. Gegenüber den US-Wettbewerbern J.P. Morgan und Goldman Sachs, deren Aktienkurse um 12 und 26 Prozent höher stehen als vor einem Jahr, hat die Deutsche Bank den Abstand etwas verkleinert, ebenso wie zu den europäischen Wett­bewerbern. Die britische Barclays (plus 61 Prozent), die Schweizer UBS (plus 34 Prozent) und der wichtigste kontinentaleuropäische Wettbewerber, die fran­zösische BNP Paribas (plus 37 Prozent), konnten mit der Deutschen-Bank-Kursentwicklung nicht ganz Schritt halten. Bemerkenswert ist vor allem, dass die Deutsche Bank erstmals seit 2008 einen Börsenwert erreicht hat, der ihrem Ei­genkapital entspricht. Anfang Januar war es so weit, damals stieg der Aktienkurs auf 33,66 Euro und hat seitdem fast dieses Niveau gehalten. Ein Kurs-Buch-Verhältnis von eins lässt sich in etwa so in­ter­pretieren: Die Anleger halten die Bewertung der Vermögenswerte in der Bilanz für gerechtfertigt, wittern also keine versteckten Risiken. Und sie glauben, dass sie mit einem Engagement als Aktionär ungefähr eine dem Risiko adäquate Rendite werden eingefahren können. Diese Gewinne erwarten Analysten In den ersten neun Monaten des Jahres 2025 hat die Deutsche Bank 7,7 Milliarden Euro vor und 5,6 Milliarden Euro nach Steuern verdient. Das entspricht ei­ner Nettoeigenkapitalrendite (Rote) von fast 11 Prozent. 13 Aktienanalysten, deren Prognosen die Deutsche Bank selbst zusammengetragen hat, erwarten im Durchschnitt für das vierte Quartal 2025 einen Bruttogewinn von 1,9 und einen Nettogewinn von 1,3 Milliarden Euro. Damit würde die Deutsche Bank im Gesamtjahr auf einen Gewinn vor Steuern von 9,6 und nach Steuern von 6,8 Milliarden Euro kommen. Die im Vorjahr durch einen Vergleich mit Postbank-Aktionären belasteten Gewinne werden also wohl deutlich übertroffen. 2024 hatte die Deutsche Bank 5,3 Milliarden Euro vor und 3,5 Milliarden Euro nach Steuern verdient. Aller Voraussicht nach wird die Deutsche Bank im Geschäftsjahr 2025 ihr 2022 selbst gestecktes Eigenkapitalrenditeziel (Rote) von mindestens zehn Prozent mit rund 11 Prozent klar übertreffen. Viele Analysten trauen der Deutschen Bank sogar zu, im vierten Quartal ihr Kostenziel von nicht mehr als 5 Milliarden Euro un­terboten zu haben. Privatkundenvorstand Claudio de Sanctis kündigte zudem ge­rade an, die Zahl der Filialen (Deutsche Bank und Postbank) bis Ende 2026 um weitere hundert auf dann noch rund 650 Zweigstellen zu verringern und durch KI-Assistenten Mitarbeiter von Verwaltungsaufgaben zu entlasten. JP Morgan und Morgan Stanley stecken Kursziel von 40 Euro Trotzdem stecken nur wenige Aktienanalysten hohe Kursziele für die nächsten zwölf Monate. Aber 40 Euro geben immerhin die beiden renommierten US-Banken J.P. Morgan und Morgan Stanley aus. Für die meisten anderen Analysten scheint dagegen nach den vermutlich erreichten Zielen im Jahr 2025 nun nicht mehr viel Aufwärtsphantasie vorhanden zu sein. Dabei hat sich die Deutsche Bank im vierten Quartal 2025 unter Führung des seit April 2018 amtierenden Vorstandsvorsitzenden Christian Sewing neue, ehrgeizigere Ziele gesteckt. Sewing, dessen im April diesen Jahres auslaufender Vertrag verlängert wurde, will bis 2028 eine Nettoeigenkapitalrendite von mindestens 13 Prozent und eine Kosten-Ertrags-Quote von höchstens 60 erreichen. Selbst wenn US-Wettbewerber wie J.P. Morgan und Goldman Sachs in manchen Quartalen auch mal mehr als 20 Prozent erreichen, halten viele Beobachter 13 Prozent für die Deutsche Bank für angemessen. Der Stresstest der EZB im vergangenen Jahr hat indes auch gezeigt, dass die Deutsche Bank in Europa noch zu den riskanteren Banken gehört. Und das Überraschungspotential nach oben wirkt eben begrenzt. Von 32 Milliarden Euro in diesem Jahr sollen die Er­träge auf 37 Milliarden Euro im Jahr wachsen. Das erscheint nicht unrealistisch, wenn man bedenkt, dass sie 2021 noch bei 25 Milliarden Euro lagen. Jedoch profi­tieren gerade die US-Wettbewerber Goldman Sachs und Morgan Stanley von einem anziehenden M&A-Beratungsgeschäft mit Unternehmenskunden, die zukaufen oder sich gegen die Übernahme eines Wettbewerbers wehren wollen. Au­ßerdem erzielte Goldman Sachs im vierten Quartal Rekorderträge im Aktienhandel, aus dem sich die Deutsche Bank 2019 wegen zu geringer Margen zurückgezogen hat. Nun erzielt die Deutsche Bank rund ein Viertel ihrer gesamten Konzernerträge im FIC-Geschäft, das aus dem Handel mit Anleihen und Währungen besteht. Hier steigerte Goldman die Erträge im vierten Quartal immerhin um 12,5 Prozent. Auch die Deutsche Bank wird davon profitieren, dass sich Staaten immer stärker verschulden und auch Unternehmen ihre Zukäufe teilweise kreditfinanzieren. Aber für viele Beobachter sind diese gute Aussichten eben schon im Aktienkurs der Deutschen Bank eingepreist.