FAZ 08.05.2026
06:58 Uhr

Deutsche Bahn: Die veraltete Infrastruktur der Bahn nervt


Die Bahn-Infrastruktur in Deutschland ist in einem schlechten Zustand. Kunden der Bahn können sich wohl noch über viele Jahre in Demut üben.

Deutsche Bahn: Die veraltete Infrastruktur der Bahn nervt

In keinem anderen Land der Welt steht der Zustand der Bahn-Infrastruktur so oft im Zentrum der öffentlichen Debatte wie in Deutschland. Das ist auch Philipp Nagl, dem Vorstandsvorsitzenden der Infrastrukturgesellschaft der Deutschen Bahn, schon aufgefallen. Bei der Vorstellung des neuen Zustandsberichts zur Bahn-Infrastruktur von DB Infrago lobte Nagl das weitverbreitete Detailwissen, etwa zum Stand der Digitalisierung des deutschen Schienennetzes. Der Grund für das bahntechnische Know-how in breiten Bevölkerungsschichten dürfte Nagl auch bekannt sein: Die veraltete Infrastruktur der Bahn nervt im Alltag der meisten Bundesbürger. Kein Bahnfahrer, der nicht mindestens eine Horrorgeschichte über einen Stellwerkschaden und die Folgen für die eigenen Reisepläne aus dem Stegreif berichten kann. Die Zuständigkeit für die Bahn-Infrastruktur in Deutschland erziehe zur Demut, sagt Nagl. Das gilt auch für die meisten Kunden der Deutschen Bahn. Und Demut dürfte im deutschen Schienennetz noch auf Jahre hinaus eine wertvolle Tugend bleiben. Am besten sind die Lärmschutzbauten Der Zustandsbericht zeigt, warum. Der Bund hat im vergangenen Jahr fast 20 Milliarden Euro in das Netz gesteckt. Der Zustand der Bahn-Infrastruktur hat sich aber nicht verbessert. Über Jahrzehnte wurde zu wenig in Stellwerke, Weichen und Gleise investiert. Jetzt altern sie schneller, als sie erneuert werden können. Der Investitionsbedarf ist immens, und selbst mit unbegrenzten Mitteln wären die erforderlichen Kapazitäten in der Bauindustrie schwer zu beschaffen. Immerhin: Anders als in den Vorjahren hat sich der Zustand der Bahn-Infrastruktur nach den Angaben im jüngsten Bericht von DB Infrago nicht weiter verschlechtert. Sogar die rund 4000 Stellwerke der Deutschen Bahn, die im Zustandsbericht am schlechtesten abschneiden, machten zuletzt einen leicht verbesserten Eindruck. Sie bleiben die größte Baustelle der Bahn, wenn es um die Leistungsfähigkeit des Schienennetzes geht. Die besten Noten im Zustandsbericht erhalten die Lärmschutzbauwerke der Bahn. Die Lautstärke der öffentlichen Debatte über den Zustand der Bahn-Infrastruktur wird erst nachlassen, wenn es gelungen ist, den Investitionsrückstau auf der Schiene aufzulösen. Der Weg dahin ist noch lang.