FAZ 07.01.2026
07:12 Uhr

Deutsche Bahn: Die Ingenieurin, die den Hauptbahnhof umbaut


Der Frankfurter Hauptbahnhof wird an mehreren Stellen erneuert. Oft ist die Bauingenieurin Andrea Matzies dabei.

Deutsche Bahn: Die Ingenieurin, die den Hauptbahnhof umbaut

Wenn die Fahrgäste der Deutschen Bahn eines Tages einmal sagen werden, in Frankfurt laufe der Schienenverkehr pünktlicher als gegenwärtig, dann liegt das auch an Andrea Matzies. Die 41 Jahre alte Bauingenieurin ist mit allen Bauvorhaben befasst, die die Abwicklung am überlasteten Hauptbahnhof verbessern sollen. Sie war vor einigen Monaten mit dem Aufstellen zusätzlicher Signale betraut, mithilfe derer nun zwei Züge hintereinander am Bahnsteig halten können, kümmerte sich vor einigen Wochen um die Bohrungen, mit denen der Baugrund für den Fernbahntunnel erkundet wurde, und ist nun damit beschäftigt, der Station ein 25. Gleis zu bescheren, ganz am Rande der nördlichen Bahnsteighalle. Seit 2021 arbeitet Matzies bei der Deutschen Bahn als Projektingenieurin. Zunächst war sie bei der Tochtergesellschaft DB Netz AG beschäftigt, jetzt ist sie dies bei der DB InfraGO AG, in der die Netzgesellschaft aufgegangen ist. Zuvor hatte sie nach dem Studium der Architektur und des Bauingenieurwesens an der Hochschule Rhein-Main in der Frankfurter Niederlassung der Implenia Hochbau GmbH gearbeitet, vormals Bilfinger Hochbau GmbH. Zwei Abschlüsse in zwei Fächern: Keine schlechte Qualifikation für die komplizierten Arbeiten am Hauptbahnhof, der aus dem Jahr 1888 stammt. Seitdem ist er mehrfach erweitert und umgebaut worden, sodass auch Matzies immer wieder mit Überraschungen rechnen muss, wenn in die Bausubstanz eingegriffen wird. Zwar sind alte Akten vorhanden und liegen inzwischen sogar digitalisiert vor, doch wer weiß schon, ob in den Plänen wirklich alles verzeichnet ist? „Das ist schon eine große Herausforderung, dass man etwas findet, womit man nicht rechnet“, sagt die Ingenieurin. Das können alte Kabel sein, aber auch Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg; der Hauptbahnhof zählte damals zu den wichtigsten Zielen der alliierten Bomber. Der Bau des Gleises 25 wird eine große Herausforderung Immerhin: Die bis zu 100 Meter tiefen Bohrungen im und am Gleis 3 im Herbst liefen ohne größere Störungen ab, es gelang sogar, fünf und damit eine mehr als geplant hinzubekommen, wie Matzies berichtet. Oft war sie nachts im Einsatz. Der Bau des Gleises 25 ist gleichwohl die größere Herausforderung. Die Deutsche Bahn hat sich zu diesem Vorhaben entschieden, weil sich damit die Kapazitäten des Hauptbahnhofs zumindest ein bisschen erweitern lassen. Irgendwann gab es ein solches Gleis schon einmal, doch heute wird dort geparkt, wo einst Züge hielten und bald wieder halten sollen. Knifflig ist die Baustelle unter anderem, weil der Zugverkehr am benachbarten Gleis 24 auch in dieser Zeit weitgehend fortgeführt wird und weil unter dem künftigen Gleis ein großer Raum liegt, in dem einst Post umgeschlagen wurde; er wird eine neue, tragfähigere Decke erhalten müssen, denn Züge sind schwerer als Autos. Auch ein Teil der Bahnhofshalle muss demontiert und wieder aufgebaut werden. Das Gleis 25 wird ebenso wie das benachbarte Gleis 24 nicht bis zum Querbahnsteig reichen, es wird sogar noch etwas kürzer sein als dieses. Die Arbeiten für das neue Gleis sollen im Sommer 2026 beginnen und schon Mitte, spätestens Ende 2027 abgeschlossen sein. „Ab dem Moment, in dem wir anfangen, wird es sportlich“, sagt Matzies, aber sie sagt es nicht so, als ob sie sich sorge. Noch spannender wäre es für sie allerdings, am Fernbahntunnel mitzubauen – jetzt, wo sie schon die Bohrungen dafür betreut hat.