„Die Satzung muss wasserdicht sein. In ihr muss konkret aufgenommen werden, was der Verein schützen will“: Im September 2024 hat Benny Folkmann, Vorstand der Deutschen Sportjugend, angesichts der Gefahr der Übernahme und Unterwanderung von Sportvereinen durch Extremisten in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erläutert, wie sich die humanitären Werte im Sport schützen lassen, wie Demokraten die Spielregeln bestimmen können. Bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) haben sie die Zeichen der Zeit erkannt. Beim Verbandstag im November wurde eine Satzungsänderung beschlossen. In aller Kürze: „Die DLRG tritt rassistischen, verfassungs- und fremdenfeindlichen Bestrebungen entschieden entgegen und duldet diese weder in ihren Gliederungen noch bei ihren Mitgliedern“, soll es nun in Paragraph 2 Absatz 5 heißen. Wie könnte man das Spielchen nennen? Und in Paragraph 4 Absatz 2: „Mitglied kann nicht werden oder sein, wer öffentlich Handlungen begeht, die mit den Grundsätzen der Satzung, insbesondere § 2 Abs. 5 unvereinbar sind. Mitglied kann auch nicht werden oder sein, wer Organisationen, Vereinigungen oder Parteien aktiv unterstützt, deren Ziele in Wort oder Tat mit § 2 Abs. 5 unvereinbar sind.“ Sie sind eben Spezialisten für lebenserhaltende Maßnahmen bei der DLRG. Und Vorbilder. Klar, dass das nicht jedem passt. Wer sich angesprochen fühlt, zieht dann ein Spielchen auf. Wie könnte man es nennen? Vielleicht Schiffe versenken? „Das ist Ihr Thema, wenn Sie sich darunter definieren“ Das hat zumindest eine gewisse Tradition in einer bestimmten deutschen Partei. Die saarländische AfD-Politikerin Jeanette Ihme hatte vor zehn Jahren öffentlich gefordert, Flüchtlingsboote im Mittelmeer zu versenken, um die Menschen darin ertrinken zu lassen. Sie wurde wegen Volksverhetzung verurteilt. Als die DLRG-Präsidentin Ute Vogt in dieser Woche im Sportausschuss saß, nahm Jörn König, einst Schwimmer des Sportclubs (der Staatssicherheit) Dynamo in Ost-Berlin, heute Mitglied des Bundestags, die DLRG-Präsidentin unter Beschuss. „Betroffen davon sind wir“, behauptete König und bog auf der Theatralik-Schiene Richtung Tränendrüse ab: Ob Ertrinkende künftig nach ihrer Gesinnung gefragt würden, wollte er wissen. Vogt konterte ziemlich souverän. Gerettet werde jeder, schließlich sei die DLRG eine humanitäre Hilfsorganisation. Mitglieder sollten, unabhängig von der Parteimitgliedschaft, die humanitäre Einstellung durchtragen und sich eben nicht öffentlich gegen die Werthaltung stellen. In der Satzung sei gar keine Partei erwähnt. „Das ist Ihr Thema, wenn Sie sich darunter definieren“, sagte Vogt. Treffer, versenkt.
