Hier kamen alle vorbei: Ganze Völker- und Heerscharen, Pilger, Händler und gekrönte Häupter zogen jahrtausendelang auf der Hohen Straße quer durch das Rhein-Main-Gebiet. Das trug dem später West- und Osteuropa verbindenden Fernweg den Beinamen Via regia ein. Noch für Napoleon war sie bei Truppenaufmärschen unverzichtbar. Erst seit dem Bedeutungszuwachs der Städte und besserer Infrastruktur in den Talungen verlor die Straße ihren Rang. Sie wäre längst vergessen, hätte man sie nicht auf der Regionalparkroute in der östlichen Wetterau kenntlich gemacht und durch Sichtbezüge sowie teils künstlerisch gestaltete Installationen aufgewertet. Da auf der Hohen Straße einst ein nächtliches Fahrverbot herrschte und die Ortschaften nicht umgangen werden durften, entwickelte sich die wichtigste Route des Reiches zu einer erfreulichen Abgabenquelle für Landesherren. Entsprechend beeilten sich die Hanauer Grafen, seit sie im Besitz von Marköbel – heute einem Ortsteil der Gemeinde Hammersbach im Main-Kinzig-Kreis – waren, mit dem 1368 verliehenen Stadtrecht Fakten zu schaffen. Sechs Jahre später werden eine „Pforte gen Gelnhausen“ und der „Graben“ genannt, aus denen im 15. Jahrhundert die starke Ringmauer mit zwei Toren erwuchs. Beide, das runde Ober- und das wuchtige Untertor, sind vollständig erhalten; noch heute rollt der Verkehr hindurch. Die Kehrseite einer bevorzugten Lage ist ihre Gefährdung in unsicheren Zeiten. Das schon den Römern als Militärlager dienende Marköbel erlitt im Dreißigjährigen Krieg schwere Verheerungen. Doch unverdrossen wurde es wieder aufgebaut. Gehöfte und Handwerksstätten entstanden größer und einheitlich in Fachwerk, das aber erst die flächenhafte Sanierung der vergangenen Jahrzehnte ans Licht brachte. Namentlich das Alte Rathaus, das 1687 selbstbewusst auf die „Straße“ ausgerichtet wurde, zeigt eine Schmuckfreudigkeit, als erwartete man zu bewirtende Herrscher samt Gefolge. Eine Sonderrolle nahmen an der Hohen Straße geistliche Niederlassungen ein. Nicht zufällig lagen zahlreiche Klöster und Hospize in ihrem Einzugsgebiet. Im Raum Marköbel waren es Antoniter, die bei Hirzbach und in der seit 1257 bestehenden Johanniter-Kommende Rüdigheim Pilger und Durchreisende betreuten. Davon künden noch der als evangelisches Gemeindezentrum genutzte, bis in die Romanik reichende Hauptbau sowie die teils neugotisch veränderte Kirche. Vollständig saniert, wird der Effekt deutlicher, mit verlängerter Fensterbahn und spitzem Dachreiter die weithin sichtbare Portalseite zu erhöhen. Wegbeschreibung Bei der Anreise mit dem Bus steigt man an der Haltestelle Untertor in Marköbel aus. Mit dem Auto lässt es sich am besten in einer der Seitenstraßen des neueren Teils parken. Die auf das frühere Rathaus zuführende Hauptstraße biegt davor scharf nach links ab in den älteren Teil um die Pfarrkirche. Nach der Neugestaltung 1741 bot der Saalbau viel Raum für eine farbig ausgelegte Doppelempore. Im Pfarrhof zeichnet Pflaster die Thermenausmaße des 500 Mann starken Kastells der Römer nach. Noch einige Schritte geradeaus auf dem Rausche-Hain-Weg, und außerhalb des Ortes über den Eschbach findet man das Zeichen zweifach geteiltes rotes Dreieck der Regionalparkroute. Mit ihm geht es nach rechts. Schon bald trifft man auf eine der vielen Landschafts-Möblierungen: Die Holzliegen unter prächtigen Linden sollen an die einstige Landwehr erinnern. Dahinter geht es nach rechts und gleich links ins Feld, nach der Rechtskurve knapp bis an eine Landstraße, dann links dem Weiler Hirzbach entgegen. Noch davor liegen die Flächen und Stallungen des extensiv wirtschaftenden „Klosterhofs“; zum automatisierten Hofladen trat zuletzt ein am Wochenende geöffnetes Café. Der Name nimmt Bezug auf das von verschiedenen Institutionen und einem Förderkreis seit 1989 wiederhergestellte, dennoch stets pflegebedürftige Kleinod einer Antoniter-Kapelle aus dem 12. und 13. Jahrhundert. Turm- und fast fensterlos, hebt sie sich kaum von den Gebäuden unterhalb ab. Heute dient das Kirchlein primär kulturellen Veranstaltungen. Weiter geht es auf befestigtem Weg in Offenland leicht aufwärts, das allein Pyramideneichen vertikal gliedern. Vorbei an einer „Leseecke“ (Sitzkissen müssen mitgebracht werden), biegt man nach gut 1500 Metern aus der Rechtskurve ohne das Dreieck links auf den begrasten Wirtschaftsweg für 400 Meter gen Butterstadt. Das zu durchmessende Dörfchen überrascht mit zwei Besonderheiten: einer 1867 aus „blasigem“ Vulkangestein errichteten Pfarrkirche und am südlichen Rand der Replik einer 1902 geborgenen Jupitersäule. Die 100-Seelen-Gemeinde bleibt zurück, vor dem Pferdehof geht es nach links, um knapp 300 Meter weiter rechts leicht anzusteigen und 100 Meter weiter links abzubiegen. Das Geradeaus zwischen langen Ackerfurchen endet erst am großen Erlenberghof. Dort geht es dann links neben der Baumzeile bis an das Brückchen über den Riedbach. Davor biegt man rechts auf den betonierten Feldweg. Er führt über 800 Meter bis zu einer wenig befahrenen Landstraße. Ihr ist links für gut 200 Meter zu folgen, wobei die weiß-rote Portalfront der Johanniterkirche einladend über Rüdigheim leuchtet. An der Kreuzung rechts, hält man darauf zu und kommt ausgangs der Borngasse vor dem hoch aufragenden Komplex der Kommende heraus. Der gotische Hauptbau und die Kirche lassen sich besser vom betretbaren Hof der Staatsdomäne betrachten. Ansonsten findet man über eine Treppe zur Portalseite und links um das frisch restaurierte Mauerwerk herum. Für den Weiterweg quert man die Grünanlage und geht oben durch das Mauertor links etwas hinauf; an der Gabelung erneut links. Sogleich ist man von Wiesen und Äckern umfangen, einzig, dass die Senke des Krebsbachs der Bewirtschaftung entzogen wurde und sich Flachwasserzonen bilden konnten. Zur Freude eines ortsfesten Storchenpaares, das seit Jahren auf dem dortigen Podest thront. Über ein Brückchen wird das Gewässer gequert, auf der anderen Seite geht es leicht rechts, links und hinter der Graspiste für Modellflugzeuge geradeaus dem roten Backsteinturm der Marköbeler Pfarrkirche entgegen. Sehenswert Marköbel, dessen Anfänge auf ein römisches Kastell zurückgehen, entwickelte sich dank seiner Lage an der Hohen Straße zu einer recht wohlhabenden Gemeinde. Aus dem 1368 verliehenen Recht zur Befestigung erwuchs im 15. Jahrhundert die starke Ringmauer mit zwei erhaltenen Toren; durch das Untertor rollt noch heute der Verkehr. Dazwischen liegt eine dichte Abfolge restaurierter Fachwerkhäuser, allen voran das reich geschmückte Alte Rathaus von 1687. In der Umgebung wurde die (turmlose) Kapelle einer Antoniter-Niederlassung aus dem 12. und 13. Jahrhundert im Dörfchen Hirzbach ebenso restauriert wie die Johanniter-Kommende von 1257 in Rüdigheim. Ihr Hauptbau, heute Gemeindezentrum, zeigt wie die Kirche neu- und nachgotische Formen. Die Portalfront wird durch die verlängerte Fensterbahn und einen spitzen Dachreiter effektvoll überhöht. Anfahrt Marköbel liegt nahe der Autobahn 45, Ausfahrt Hammersbach, zunächst Richtung Langen-Bergheim. Etwas kürzer ist die Anreise über Bruchköbel (A 66) und Neuberg. Alle Stunde gibt es eine Bahn-/Busverbindung via Langenselbold oder Hanau und Bruchköbel. Einkehr Café „Klosterhof“, Telefon 0177/7296066, nur am Wochenende geöffnet, samstags von 12 bis 18 Uhr, sonntags von 10 bis 18 Uhr.
