Johann Wolfgang von Goethe hat in „Dichtung und Wahrheit“ über „das Gebirge“ geschrieben, „fern und ernsthaft“ stehe es ihm stets vor Augen. Den Begriff „Taunus“ gab es damals noch nicht, und auch sonst war vieles anders. Statt geschlossener Wälder boten die Gipfel bis weit ins 19. Jahrhundert hinein einen kahlen, steinigen Anblick, während tiefere Lagen der Beweidung dienten. Weithin sichtbar müssen noch die vorzeitlichen Ringwälle an Altkönig und Hünerberg kronengleich den Gipfeln aufgesessen haben. Mangels Überlieferung ist das Wissen über die Namensherkunft von Mythos und Mutmaßung geprägt. Der dritthöchste Taunusberg galt als Sitz eines germanischen Königs, und nur Riesen oder Hünen, worauf das verballhornte „Hünerberg“ deutet, konnten die Steinmassen zu Bergfestungen fügen. Als aufgeklärter Forscherdrang Licht ins prähistorische Dunkel brachte, hatten sich die sagenumwobenen Namen längst verselbständigt und auf landschaftliche Gegebenheiten übertragen. Nicht anders bei den Hünerbergwiesen, einem der bedeutendsten Naturschutzgebiete im Taunus. Die seit 1986 geschützte, 20 Hektar umfassende Fläche zählt zu den letzten Zeugen der Hutehaltung von Vieh. Warum man bei Aufforstungen südwestlich der Hohemark ein Stück offen hielt, erschließt sich heute nicht mehr. Die Natur dankte es mit der Ausbildung eines artenreichen Mosaiks verschiedener Grasgesellschaften: Frisch- und Feuchtwiesen stehen Magerrasen oder auch periphere Auenwälder gegenüber. Die für den Taunus äußerst rare Durchmischung fand Anerkennung als Fauna-Flora-Habitat (FFH) im europäischen Netzwerk „Natura 2000“. Es umfasst große Teile der westlichen Oberurseler Wälder, einschließlich der Seltenheit einer Heide am Ortsteil Stierstadt oder dem, was von der einst weitverbreiteten Vegetationsform übrig blieb. Ohne regelmäßiges Eingreifen wäre das gerade zwei Hektar große, vollständig mit Erika bedeckte Kerngebiet längst verschwunden. Einzig das sogenannte Abplaggen von Wurzeln und Trieben hält das Verbuschen auf. Solche Heidekulturen dienten nicht nur als Weideland, man gewann dort auch Dünger. Dabei wurde der Umstand genutzt, dass die bissfesten Schafe fast keine Pflanze verschmähen, sich beim Heidekraut aber mit den Spitzen begnügen. Das förderte seine Ausbreitung, und im Nebeneffekt verdichteten die Böden zu Ortstein. Für Streu in den Ställen abgetragen, entstand, vermischt mit Ausscheidungen, hochwertiger Dung. Erst als im 19. Jahrhundert mineralischer Kunstdünger aufkam und die partielle Niederwaldwirtschaft endete, nahm man großräumig Aufforstungen vor. Bis auf jene Restflächen, die zu jeder Jahreszeit ihren Reiz haben. An den Hünerbergwiesen sind ohne hochstehende Vegetation gut die unterschiedlichen Graseinfärbungen auszumachen, und selbst die Stierstädter Heide verliert im Winter nicht ihren Reiz. Da die Knöspchen nie ganz verblühen, sieht das Areal auch jetzt rosa-braun aus. Wegbeschreibung Für die Hünerbergwiesen bildet die Hohemark den besten, weil nächstgelegenen Zugang. Ungeachtet der guten Verbindung mit der U-Bahn gibt es auch größere Parkplätze neben der Endstation sowie am Taunus-Informationszentrum (beide mit moderaten Gebühren). Nicht zu übersehen ist davor eine Tafel mit den wichtigsten Wanderwegen im Hochtaunus. Zum Auftakt erübrigt sich fast eine Markierung, da es geradeaus auf der Birkenallee in Richtung Feldberg hinausgeht. Das nach knapp 500 Metern erreichte Gebäude – heute ein Wasserwerk – erinnert an ein seit 1860 gut 40 Jahre lang bestehendes Textilunternehmen. Ein verheerender Großbrand 1919 beließ nur dieses und das etwas abseits stehende, der Direktion dienende Haus neben der Endstation. Der Antrieb via Transmissionen erfolgte über insgesamt vier Kilometer lange, vom Urselbach gespeiste Werkgräben. Per Extrarunde kann ein erhaltener Abschnitt auf 450 Metern begangen werden. Er lässt sich auch aussparen. Dann geht man hinter dem Wasserwerk links etwas ansteigend gen Hünerbergwiesen. Ansonsten läuft man weiter geradeaus bis zu einem früheren, jetzt privat genutzten Forsthaus, davor wendet man sich nach links und reiht sich neben dem Kanal ein. Buchen, deren Wurzelgeflechte offen hineinragen, standen dort natürlich nicht. Bei gerade zwei Prozent Gefälle war jede Störung des Wasserflusses zu vermeiden. Der Pfad mündet an einer Kreuzung in den Hauptweg, und mit dem geht es nach rechts zum oberen Teil der geschützten Wiese. Die einzige Querpassage lässt man vor der Schautafel links leicht abwärts zurück, wobei unvermutet mächtige, teils ineinander verwobene Eichen und Buchen zu passieren sind. Fast wirkt es, als wollten sie einen Schutzzaun um die Graslandschaft im südlichen Teil bilden. Die verschiedenen Grünfärbungen von Seggen, Borst- oder Magerrasen sind vom erhöhten Weg gut einzusehen, ebenso der vorgelagerte Hünerberg. Der linksseitig begleitende Wald schließt sich ausgangs des geschützten Areals ganz, ohne dass sich an Richtung und moderatem Bergab etwas ändert. Unter Mitnahme hinzukommender Zeichen wie dem blauen X muss man zum Queren der B 455 über die ampelgeregelte Kreuzung einen Haken schlagen. Auf der anderen Seite geht es gleich rechts und nach wenigen Metern links. Bald treten an einer Talung die Bäume wieder zurück. Hier ist es das vom Stuhlbergbach geöffnete Grasland nahe Oberhöchstadt. Das genießt zwar keinen Schutzstatus, es gelang aber, die Bebauung auf Distanz zu halten. Nach einigen Hundert Metern wechseln die Zeichen von der rechten zur linken Seite, wo sie dann ein Stück knapp in den von Graureihern und Störchen aufgesuchten Weiden verlaufen. Geht es wieder unmittelbar am Baumrand weiter, erfolgt nach 400 Metern – etwas verdeckt – der Linksabzweig zurück in Wald, entsprechend dem letzten Richtungswechsel bis zur Stierstädter Heide. Das Naturpark-Symbol braunes Ahornblatt löst dort die bisherigen Markierungen ab. Hat man eine Senke durchschritten, zeigen Kiefern den Übergang zu sandigen Böden und damit der nahen „Heide“ an. Sie kann ringsum eingesehen und auch mittig gekreuzt werden. Weiter geht es dann vor der rechtsseitigen Häuserfront zum koreanischen Restaurant „Heidekrug“ an der Landstraße. Man quert sie halb rechts und setzt am Zaun einer großzügigen Hotelanlage den Weg fort. Sporadisch tritt das mit R 2 versehene grüne Eichel-Emblem des Taunusklubs auf, das 700 Meter später – wenige Schritte nach rechts – zum schwarzen Winkel findet. Durch teils struppigen Wald führt dieser unverändert aufwärts; erst an einer Schutzhütte („Uhlandsruh“) mit ausgewählten Quarzitblöcken davor gönnt er eine Verschnaufpause. Bald wieder moderater, trifft man schließlich am unteren Ende des Friedhofs von Oberursel ein. Rechts abwärts könnte man direkt zur U-Bahn-Station Waldlust laufen oder links – unter der Bundesstraße hindurch und vor der Klinik rechts – zur Hohemark. Sehenswert Wo heute Bäume stehen, sah es bis ins 19. Jahrhundert gänzlich anders aus: Die Taunushöhen waren oben kahl und dienten unten vorwiegend als Weideflächen. Einige Landschaftsformen erinnern noch daran, so die wegen ihrer „Grasgesellschaften“ auf 20 Hektar geschützten Hünerbergwiesen nahe der Hohemark oder die Stierstädter Heide. Das auf zwei Hektar mit Erika bewachsene Areal ist Teil des als Fauna-Flora-Habitat (FFH) anerkannten westlichen Stadtwaldes von Oberursel. Rund um die Hohemark erinnern noch das vormalige Direktionsgebäude und – abzugehende – Werkgräben an den zeitweilig größten Betrieb im Taunus. Zwischen 1860 und 1902 bestand ein Textilunternehmen mit bis zu 400 Beschäftigten. Die insgesamt vier Kilometer langen Kanäle speisten ein komplexes System zum Antrieb von mehr als 10.000 Spindeln. Nach unterschiedlicher Nutzung und Teilabrissen vernichtete ein Großbrand 1919 das Verbliebene. Einkehren Restaurant „Waldtraut“ im Taunus-Infozentrum (täglich geöffnet); oberhalb davon das asiatische Gasthaus „Seoul“ (dienstags Ruhetag) sowie nahe der Stierstädter Heide der „Heidekrug“ mit koreanischer Küche (montags Ruhetag) Anfahrt Über die A 661 und ihre Verlängerung B 455 bis zur Abfahrt Großer Feldberg; aus dem Kreisel dann wahlweise auf den Parkplatz am Infozentrum oder neben der Endhaltestelle der U-Bahn-Linie 3. Diese verkehrt von der Frankfurter Innenstadt im 15-Minuten-Takt.
