Auf den ersten Blick kamen aus Leipzig am Wochenende gute Nachrichten. Zu den befürchteten Ausschreitungen bei den Demonstrationen sich feindlich gesinnter linker Gruppen kam es nicht. Zu einem Schlagabtausch mit den rechtsextremen „Freien Sachsen“ auch nicht, weil die ihre Kundgebung absagten, nach eigenen Angaben wegen fehlender Teilnehmer. Auf den zweiten Blick lassen die Vorgänge von Leipzig tief blicken – auf ein linkes Spektrum, das sich in Teilen nicht zu schade ist, mit Hamas-Freunden aufzumarschieren und linke israelfreundliche Personen als Feinde zu brandmarken und zum Ziel von Kampagnen zu machen wie die Linken-Politikerin Juliane Nagel. Und es zeigt sich, dass es ein israelfreundliches linkes Lager gibt, in dem auch Antideutsche willkommen sind. Zum Leipziger Trauerspiel gehörte schließlich auch, dass Rechtsextreme Beifall klatschten für diesen Kampf Linker gegen Linker. Die „Freien Sachsen“ wollten laut ihrem Demonstrationsaufruf Popcorn liefern für „Migrantifa vs. antideutsche Antifa“. Dass sie es durch ihre Grabenkämpfe so weit getrieben haben, dass Rechtsextreme hämisch Beifall spenden, sollte den selbst ernannten Antifaschisten zu denken geben – und dass der Konflikt auf den Leipziger Straßen auch mitten durch ihre Partei verläuft, den Spitzen der Linken.
