FAZ 25.12.2025
08:00 Uhr

Demenzsensibles Krankenhaus: Klinik-Mitarbeiter treffen schwedische Königin


Die Hochtaunus-Kliniken erwerben ein Zertifikat als demenzsensibles Krankenhaus. 18 Mitarbeiter haben jüngst gelernt, was dabei zu beachten ist. Nutzen soll das dem Kreiskrankenhaus auch in der Krankenhausreform.

Demenzsensibles Krankenhaus: Klinik-Mitarbeiter treffen schwedische Königin

Schon seit April trägt das St. Josef-Krankenhaus in Königstein das Zertifikat als demenzsensibles Krankenhaus. Die beiden anderen Häuser der Hochtaunus-Kliniken sollen sich ebenfalls für die Auszeichnung der schwedischen Silviahemmet-Stiftung qualifizieren, der Hauptsitz in der Kreisstadt Bad Homburg ebenso wie das Krankenhaus in Usingen im nördlichen Hochtaunuskreis. Dafür haben 18 Mitarbeiter aus vielen Abteilungen jetzt eine vierwöchige Ausbildung zu Silviahemmet-Trainern mit mündlichen und schriftlichen Prüfungen beendet, wie das Kreiskrankenhaus mitteilt. Die eigens ausgebildeten Trainer sind ebenfalls Teil der Belegschaft. Der Name stammt von Silvia von Schweden und bedeutet „Silvias Heim“. Die Königin, deren Mutter viele Jahre an Demenz litt, empfing die Pflegekräfte, Therapeuten, Ärzte, Mitarbeiter von Geschäftsführung, Verwaltung, Service und Empfang sowie die Techniker und das Reinigungspersonal persönlich in Stockholm. Seit die Angestellten das Zertifikat in Händen halten, dürfen sie sich Silviahemmet-Botschafter nennen. Das bedeutet, dass sie die Perspektive von Demenzkranken einzunehmen gelernt haben und so deren Bedürfnisse und Reaktionen besser verstehen als vorher. Das soll vor allem älteren Patienten mehr Selbständigkeit ermöglichen. Genauso wichtig ist aber, Einschränkungen zu erkennen, diese zu benennen und den Klinikalltag für die Demenzkranken anschließend gezielt zu verbessern. Dabei sollen auch Gespräche mit den Angehörigen helfen. Jeder sechste Klinikpatient ist dement Etwa jeder sechste Krankenhauspatient leidet unter Demenz oder Demenzsymptomen, wie die Hochtaunus-Kliniken unter Berufung auf die Deutsche Alzheimer-Gesellschaft mitteilen. Aber nur wenige Kliniken könnten solche Patienten optimal behandeln. „Wir haben daher die strategische Entscheidung getroffen, unsere Krankenhäuser so aufzustellen, dass wir an Demenz erkrankte Patienten medizinisch hochwertig versorgen und gleichzeitig auf ihre besonderen Bedürfnisse bestmöglich eingehen.“ Strategisch ist die Entscheidung vor allem vor dem Hintergrund der Krankenhausreform, bei der viele Kliniken geschlossen werden sollen. Denn demenzssensibles Krankenhaus zu sein, ist ein Alleinstellungsmerkmal. Das soll besonders dem kleinsten Hochtaunus-Standort Königstein helfen, die Reform zu überstehen. Für die im Jahr 1997 gegründete schwedische Stiftung habe sich die Leitung entschieden, weil „Deutschland hier noch in den Kinderschuhen steckt und Schweden uns um Jahrzehnte voraus ist“. Silvia, die am 23. Dezember 82 Jahre alt geworden ist, habe die Gäste der Hochtaunus-Kliniken herzlich empfangen und sich viel Zeit für ein ausführliches Gespräch genommen, berichtet das Krankenhaus aus dem Taunus. „Sie fragte gezielt nach den Erfahrungen der Klinik-Teams im Alltag.“ Ein Foto zeigt die im Halbkreis um die Königin gescharte Gruppe in einem Saal, an dessen Wand wiederum ein Gemälde mit einer etwas jüngeren Silvia hängt.