FAZ 14.02.2026
09:00 Uhr

Demenzfreundliches Kronberg: Stadt der Sticker


Eine Stadt im Taunus soll demenzfreundlich werden. Dabei helfen Schulungen für Personal und Privatleute. Das Beispiel sollte Schule machen.

Demenzfreundliches Kronberg: Stadt der Sticker

Warum sollte jemand, der nicht mehr weiß, dass er gestern schon im selben Café war, heute nicht wieder dorthin gehen? Die rhetorische Frage stellen die Verantwortlichen eines Projekts, das die Stadt Kronberg demenzfreundlich machen will. So wird deutlich: Es gibt keinen Grund, dass Demenzkranke nicht mehr am Sozialleben teilnehmen sollten. Aber es gibt viele Gründe, aus denen sie es unterwegs schwerer haben als nötig. Das wollen die Frankfurter Hans und Ilse Breuer-Stiftung und der Kronberger Rotary Club in der Stadt im Taunus ändern. Dabei helfen Schulungen und Aufkleber an allen Läden und Einrichtungen, in denen jemand arbeitet, der wichtige Dinge über Demenz und den Umgang mit Betroffenen gelernt hat. Auch Privatleute können an den Schulungsabenden teilnehmen. Kronberg eignet sich gut für das Pilotvorhaben, dessen Schirmherrschaft der Bürgermeister übernommen hat. Für den Ort sprechen die überschaubare Größe und die Bevölkerungsstruktur. Und die rund 19.000 Kronberger sind überdurchschnittlich alt, vier Jahre älter als die Deutschen im Durchschnitt. Und wie grundsätzlich in der Bundesrepublik wächst auch in Kronberg der Anteil der Senioren. Somit werden in Zukunft auch immer mehr Demenzkranke in der Stadt leben. Interesse auch in anderen Städten Wie viele von ihnen die lilafarbenen Aufkleber wahrnehmen werden, wenn sie künftig ein Restaurant oder eine Behörde betreten, ist schwer zu sagen. Aber die Sticker richten sich auch nicht in erster Linie an die Betroffenen. Sondern an alle in der Stadt. Dass die Burgsilhouette mit dem Herz in dem Logo ein Zusammengehörigkeitsgefühl fördern könnte, mag auf den ersten Blick banal erscheinen. Aber je öfter die Einwohner das Zeichen sehen, meist vermutlich nebenbei und unbewusst, desto alltäglicher dürfte es werden, dass zu Kronberg eben auch Einwohner gehören, die vielleicht vergessen haben, wie ihre Heimatstadt heißt. Die aber trotzdem noch gerne in ihrem Stammlokal essen gehen – und sich dort gut aufgehoben fühlen, wenn ihnen die Kellnerin in die Augen schaut und sie auch sonst nicht aus dem Blick verliert. Es verwundert nicht, dass das im vorigen Sommer begonnene, niederschwellige Vorhaben schon in anderen hessischen Gemeinden auf Interesse stößt. Es wäre ein gutes Zeichen, wenn bald Aufkleber mit weiteren Stadtsilhouetten nachgedruckt werden müssten.