FAZ 23.02.2026
20:43 Uhr

Deepseek & co.: KI-Chatbots aus China sollen bei Anthropic abgekupfert haben


Laut dem amerikanischen KI-Unternehmen Anthropic hat die Konkurrenz aus China im großen Stil die Fähigkeiten des Chatbots Claude abgegriffen. Besonders zu politisch heiklen Themen soll der Spickzettel groß gewesen sein.

Deepseek & co.: KI-Chatbots aus China sollen bei Anthropic abgekupfert haben

Der amerikanische KI-Entwickler Anthropic wirft drei chinesischen Konkurrenten vor, im großen Stil Fähigkeiten seines Chatbots Claude abgegriffen ⁠zu haben, um ihre eigenen Modelle zu verbessern. Die Unternehmen DeepSeek, Moonshot und MiniMax hätten über 24.000 gefälschte Konten ‌genutzt, um mehr als 16 Millionen Interaktionen mit der Künstlichen Intelligenz (KI) zu generieren, teilte Anthropic am Montag in einem ‌Blogeintrag mit. Dabei hätten ‌sie das sogenannte Destillationsverfahren angewandt. Hierbei lässt ein schwächeres KI-Modell seine Antworten von einem leistungsfähigeren System bewerten und korrigieren, um dessen „Wissen“ und Logik zu übernehmen. Besonders brisant ⁠sind die Vorwürfe gegen DeepSeek: Das Unternehmen habe Claude gezielt genutzt, um „zensurkonforme Antworten“ zu politisch heiklen Themen zu erstellen. So sei die US-KI etwa ⁠gefragt worden, wie ‌man Antworten zu Dissidenten oder der Parteiführung formulieren müsse, um den chinesischen Zensurvorgaben zu entsprechen. Da Anthropic seinen Dienst ⁠in China aus ⁠Sicherheitsgründen nicht anbietet, griffen die Firmen laut dem Bericht auf komplexe ⁠Netzwerke von ⁠Proxy-Servern zurück, um ihren Standort zu verschleiern. DeepSeek und MiniMax reagierten zunächst nicht ‌auf Anfragen um Stellungnahme. Ein Stellungnahme von Moonshot lag nicht vor.