Landeten amerikanische Truppen in Grönland und hissten in Nuuk die Stars-and-Stripes-Fahne mit dann 51 Sternen, wäre das noch nicht das förmliche Ende der NATO. Doch kein Aggressor von außerhalb des Bündnisses würde danach noch glauben, dass nach einem solchen Worst-Case-Szenario in der NATO weiter gälte: „Einer für alle, alle für einen.“ Das neue Gesetz lautete dann für alle Welt sichtbar: einer gegen alle, Trump gegen Europa. Zweifel an Amerikas Bereitschaft, die Europäer bis hin zum Einsatz der Atombombe zu verteidigen, gibt es schon lange. Doch noch niemand nährte diese Zweifel so wie Trump und seine Leute, die Europa nicht als befreundeten Verbündeten betrachten, sondern als einen politisch verkommenen Kontinent und lästigen wirtschaftlichen Konkurrenten. Die Europäer rüsten nicht nur auf, weil sie von Putin bedroht werden, sondern auch weil Trump sich von ihnen abwendet. Nun dämmert es selbst manchen Sozialdemokraten Die konventionelle Kriegstüchtigkeit ist unerlässlich, kann aber nicht den Schutzschirm der nuklearen Abschreckung ersetzen. Nun dämmert es selbst in der SPD den Ersten, dass man sich in Berlin schleunigst überlegen muss, wie man Putin – der schon oft mit seinen Atomwaffen drohte – nuklear abschreckt, wenn der nicht mehr daran glaubt, dass Trump auf den Knopf drücken würde. Der für Deutschland einfachste Weg wäre es, unter die Atomschirme Großbritanniens und Frankreichs zu schlüpfen. Deren Arsenale sind allerdings vergleichsweise klein, und niemand weiß, wie lange in Paris und London die Bereitschaft besteht, die atomaren Fittiche über den Deutschen auszubreiten. Eine glaubwürdige nukleare Abschreckung aber ist für die Sicherheit Deutschlands unabdingbar. In Berlin muss daher auch über eine eigene nukleare Bewaffnung nachgedacht werden, so viele Gegenargumente es gibt. Lieber auf Diplomatie und Entwicklungszusammenarbeit zu setzen, wie Ralf Stegner es vorschlägt, entspricht zwar traditioneller linker Realitätsverweigerung, verringert die Gefährdung ganz Europas durch Putins Kriegslust aber nicht.
