FAZ 10.05.2026
15:07 Uhr

Debatte in Prag: Kritik an geplantem Sudetentag in Brünn


Der Sudetentag soll erstmals in der Tschechischen Republik abgehalten werden. Eine der Regierungsparteien will das mit einer Resolution verhindern.

Debatte in Prag: Kritik an geplantem Sudetentag in Brünn

Am Pfingstwochenende soll der seit 1950 abgehaltene Sudetentag zum ersten Mal auf tschechischem Boden stattfinden. Doch inzwischen hat sich an der als Versöhnungsfest geplanten Zusammenkunft eine heftige politische Debatte entfacht. In der vergangenen Woche brachte die rechtsextreme SPD von Parlamentspräsident Tomio Okamura, die neben den Motoristen und der ANO von Ministerpräsident Andrej Babiš der Regierungskoalition angehört, eine Resolution ins Abgeordnetenhaus ein, die die Veranstalter auffordert, das Treffen abzusagen. Die Opposition wirft der SPD wiederum vor, das Thema angesichts durchwachsener Umfragewerte zur Mobilisierung der eigenen Wählerschaft zu nutzen. Nach mehrstündiger Debatte wurde der Antrag vertagt und soll nun in dieser Woche abermals verhandelt werden. Die Einladung nach Brünn (Brno) haben die Veranstalter des Festivals Meeting Brno ausgesprochen, denen beim vergangenen Sudetentag 2025 der Menschenrechtspreis der Landsmannschaft verliehen wurde. Das Festival widmet sich seit rund zehn Jahren Themen rund um Völkerverständigung und Versöhnung. Im Umfeld der rechten Regierungskoalition wird den Veranstaltern jedoch vorgeworfen, bewusst „progressive“ Themen zu setzen, um die Rechte zu provozieren. Söder spricht als Schirmherr auf dem Sudetentag Eine offizielle Einladung vonseiten der tschechischen Regierung oder der Stadt Brünn gab es nicht, auch wenn traditionell der bayrische Ministerpräsident als Schirmherr auf dem Sudetentag spricht. Von der Landsmannschaft heißt es, dass es sich um eine zivilgesellschaftliche Initiative handele. Für dieses Jahr hat neben Bayerns Ministerpräsident Markus Söder auch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (beide CSU) sein Kommen angekündigt. In der Tschechischen Republik hatte der Umgang mit den rund drei Millionen Sudetendeutschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Tschechoslowakei vertrieben worden waren, in den vergangenen Jahren kaum noch eine Rolle gespielt. Die äußere Rechte wirft den Sudetendeutschen allerdings weiterhin vor, NS-Unrecht durch den Verweis auf das eigene Schicksal zu relativieren und rechtliche Fragen rund um die Enteignung der Sudetendeutschen wieder auf den Tisch bringen zu wollen. Die Sudetendeutsche Landsmannschaft betont hingegen seit vielen Jahren, dass es ihr vor allem um Versöhnung gehe. Der Bundesvorsitzende der Sudetendeutschen Landsmannschaft, der CSU-Politiker Bernd Posselt, gewinnt dem Streit aber auch etwas Positives ab. Durch die Anfeindungen der extremen Rechten sei eine breite Debatte entstanden, sagte Posselt kürzlich der F.A.Z. Der Verständigungsprozess komme so weiter in Gang. „Wir bekommen Zuspruch von vielen Seiten.“ Zahlreiche tschechische Politiker hätten in den vergangenen Tagen angekündigt, nun selbst zum Sudetentag in Brünn zu komme