FAZ 06.03.2026
09:03 Uhr

David Gilmour 80: Fliegen lernen, über Pink Floyd hinaus


Sein Ton ist unverkennbar, seine Gitarrenkunst die Konstante der Rockband Pink Floyd, so sehr sie sich über die Jahrzehnte verändert hat. Auch sein Solowerk hat Höhepunkte erreicht. Nun wird David Gilmour achtzig.

David Gilmour 80: Fliegen lernen, über Pink Floyd hinaus

Nicht alle Gitarristen haben so spendable und talentfördernde Eltern: Zu seinem 21. Geburtstag 1967, als er mit seiner ersten Band erfolglos in Paris weilte, bekam David Gilmour eine weiße Fender Telecaster und eine „Fuzzbox“, also ein Pedal für Klangeffekte, mit der Post aus New York, wie er einst in einem Interview erzählte. Der Sohn eines Zoologen und einer BBC-Mitarbeiterin, der im englischen Cambridge geboren wurde und dort auch ein Studium begann, hatte vielleicht bessere Startbedingungen als manche andere, aber die allein erklären nicht, wie er zu einem der charakteristischsten E-Gitarristen der Welt wurde, den man nach wenigen Tönen erkennt. Während die Anekdote ein Stigma seiner späteren Band Pink Floyd vorwegzunehmen scheint – das der verwöhnten College-Rocker –, deutet sich mit dem Effektpedal auch schon an, wie wichtig für Gilmour das werden sollte, was man bei ihm wirklich treffenderweise „Sounddesign“ nennen kann: Denn wie wenige andere Bands stehen Pink Floyd für ihre Klangskulpturen, die vor allem von Gilmours orchestralen Rhythmus- und singenden Leadgitarren aufgetürmt werden. Sie entstammen allerdings zumeist einer schwarzen Stratocaster, die zu seinem Erkennungsmerkmal werden sollte. Von Pompeii in moderne Stadien Die Gitarrenkunst zeigt sich vom psychedelischen Frühwerk „A Saucerful Of Secrets“ (1968) oder auf „Ummagumma“ (1969), wo die Klänge am Krach kratzen, über epochale Alben wie „The Dark Side of the Moon“ (1973) bis zum bombastisch-elegischen Spätwerk „The Division Bell“ (1994). Emblematisch wird sie in einzelnen Soli wie bei „Echoes“ oder „Another Brick in the Wall“, erst recht aber in noch kleineren musikalischen Einheiten wie dem Vierton-Klangmotiv aus „Shine On You Crazy Diamond“. Wenn Gilmour diese vier mit diversen Halleffekten glasierten Töne nach gespannter Stille durch ein antikes Amphitheater („Live at Pompeii“, 2017, wo Pink Floyd auch schon 1972 auftraten) oder ein modernes Stadion wabern lässt, versetzt das bis heute auf unheimliche Weise Tausende Menschen in Ekstase, erst recht, wenn dazu noch die typische inzwischen legendäre Lichtshow kommt. Sein Gitarrenspiel ist die Konstante der Band, sosehr sich diese auch verändert hat von den Anfängen mit dem Sänger Syd Barrett über die Trennung vom Bassisten und Sänger Roger Waters bis zum Tod des Keyboarders Rick Wright. Gilmours Gesang bildet ein Gegenstück zu seiner gitarristischen Extravaganz, und doch ist nicht zu unterschätzen, wie er auch damit, also mit der oft leicht heiseren Stimme oder im Parlandoton, die Songs einer Generation geprägt hat – um nur einige zu nennen: „Us and Them“, „Wish You Were Here“ und „Learning to Fly“. Neben Pink Floyd hat Gilmour mit seinen Talenten auch noch ein Solo-Werk aufgebaut, das zunächst vielleicht verzichtbar erschien, inzwischen aber zu eigenen Höhepunkten geführt hat, zuletzt mit dem Album „Luck and Strange“. Während sich Legionen von Youtube-Tutoren und deren Schülern die Finger wund spielen und die Zähne daran ausbeißen, nicht nur seinen Anschlag und die waghalsigen Bendings auf der Gitarre nachzuahmen, sondern mit zahllosen Effektpedalen auch genau seinen Sound, stellen viele davon fest, dass sein Ton trotzdem kaum genau zu treffen ist: Dies eben hebt ihn heraus. Am heutigen Freitag wird David Gilmour achtzig Jahre alt.