Yasmin hat lange, wasserstoffblonde Haare, betont ihre Gesichtszüge mit glitzerndem Make-up und zieht gern kurze Kleider mit tiefen Ausschnitten und High Heels an. Genauso präsentiert sich die Frankfurterin auch in der zweiten Staffel von „Love is Blind: Germany“. In der deutschen Adaption der amerikanischen Datingshow lernen sich Singles in sogenannten Pods kennen: schalldichten Kabinen, in denen sie miteinander sprechen, ohne sich zu sehen. Springt der Funke über, folgt die Verlobung – blind. Anschließend reisen die Paare auf die griechische Insel Kreta. Dort zeigt sich, wie gut sie wirklich zueinanderpassen. Zurück in Deutschland ziehen sie zusammen in eine Wohnung in München. Sie lernen Familie und Freunde kennen. Themen wie Wohnort, Finanzen oder Kinderwunsch werden konkreter. Der letzte Schritt des Experiments ist die Hochzeit. Erst am Altar entscheiden sie: Ja oder Nein. Als die Folgen schließlich ausgestrahlt wurden, erfuhr Yasmin, wie es ist, in der Öffentlichkeit zu stehen. „Ich hatte keine Ahnung, welche Reaktionen folgen würden, die Nachrichten haben mich erschlagen“, sagt sie. Vor Schwierigkeiten stellte sie auch, in Frankfurt unterwegs zu sein: „Ich bin einen Monat nicht mehr in die Innenstadt gegangen, weil ich Angst davor hatte, angesprochen zu werden“, gesteht die eigentlich so selbstbewusste Frau. Nicht nur Tech-Frau, auch Handwerkerin Sie sei in solchen Momenten sehr nervös, sagt sie. Was vielleicht auch daran liegen könnte, dass Yasmin teilweise unzufrieden mit dem Schnitt der Serie war. Sie sei wie eine Zicke dargestellt worden und habe sich beim Anschauen der Folgen nicht wie sie selbst gefühlt, sagt sie. Dass sie aufgrund ihres Aussehens in Schubladen gesteckt wird, ist für Yasmin nichts Neues. Im Master-Studiengang hat sie Wirtschaftsinformatik studiert, heute arbeitet sie als Projektmanagerin in der Unternehmensberatung eines Frankfurter Betriebs. „Ich hatte anfangs das Gefühl, dass ich von Kollegen nicht ernst genommen werde“, sagt sie. Viele seien überrascht, wenn sie von ihrem Beruf erzähle, erwarteten eher einen frauendominierten Job, aber: „Ich nehme den Menschen das nicht übel.“ Außer, wenn sie über Yasmin anstatt mit Yasmin reden, diese Situationen stören die Einunddreißigjährige. Mit solchen Vorurteilen möchte sie aufräumen, und teilt ihre Erfahrungen daher auch in den sozialen Netzwerken. „Breaking stereotypes“ steht in ihrem Instagram-Profil ganz oben. Andere Frauen ermutigen, für sich einzustehen und nicht auf andere Meinungen zu hören – das will die Frankfurterin mit ihren Social-Media-Beiträgen erreichen. Doch so viel Zeit für aufwendige Inhalte wie die anderen „Love is Blind“-Kandidaten habe sie neben ihrem Vollzeitjob nicht. „Ich teile einfach das, was ich liebe“, erzählt sie. Influencerin werden wolle sie nicht, denn ihre Arbeit mache ihr Spaß – solange die Kunden nett seien. Was man Yasmin außerdem nicht auf den ersten Blick zuschreiben würde, ist ihr handwerkliches Geschick: tapezieren, streichen, Türrahmen restaurieren und Böden verlegen. „Ich kann viele Sachen, die andere Leute vielleicht nicht können“, berichtet sie stolz. „Letztens habe ich erst einen Staubsauger repariert.“ Da sie bereits mit 18 Jahren aus ihrem Frankfurter Elternhaus ausgezogen sei, habe sie sich alles selbst beibringen müssen – mit Youtube-Videos. Yasmin stand also schon früh im Leben. Womit sie sich auch schon früh sicher war: „Einer meiner größten Wünsche ist es zu heiraten.“ Sie glaubt nicht, dass der Sinn des Lebens ein Job oder etwas Materielles sein könne. Die erste Staffel von „Love is Blind“ habe sie mit großer Begeisterung geschaut, woraufhin sie sich im Oktober 2023 beworben hatte. Im März 2025 begannen dann die Dreharbeiten – in Stockholm, wo sich die Pods befinden. „Man hört die Stimme und konzentriert sich darauf.“ So beschreibt die junge Frau die Situation während der Dates. Die andere Stimme, die gehört in ihrem Fall Andi. Zwar keine Liebe auf den ersten Blick, dafür Liebe auf den ersten Ton. Bereits während der Verlobungsreise kommen Yasmin jedoch Zweifel auf, sie stellt Andis und ihre Gefühle infrage. Aber auch die ständige Präsenz der Kamerateams auf Kreta habe sie deutlich unterschätzt: „Ich habe von mir selbst gelernt, dass ich meine eigenen Emotionen schwer einschätzen kann“, gesteht sie sich rückblickend ein. Vor dem Altar hat sie „Nein“ gesagt Trotz vieler Unsicherheiten schaffen die beiden den letzten Schritt des Experiments: die Hochzeit im Kurhaus in Bad Kissingen. Sie habe das Experiment unbedingt bis zum Ende durchziehen wollen, sagt Yasmin. „Vielleicht schaue ich ihn an und denke, wir wachsen da noch rein.“ Das sind ihre Gedanken, kurz bevor es losgeht. „Als ich vor dem Altar stand, dachte ich, es könnte noch werden“, sagt sie. Doch dann habe sie sich an all die negativen Dinge erinnert, die zwischen ihnen passiert seien, an alle Enttäuschungen. Vor versammelter Mannschaft, vor Familie und Freunden, sagt sie deshalb „Nein“. Nein zur Hochzeit, Nein zu einem gemeinsamen Leben, Nein zu Andi. Es sei für sie die richtige Entscheidung gewesen, sagt Yasmin heute, etwa ein Jahr nach den Dreharbeiten. Mit Andi hat sie keinen Kontakt mehr. Nun sei sie aber wieder in einer neuen Beziehung – mit einem Frankfurter, den sie über Freunde kennenlernte. Die Beziehung sei noch frisch, aber Yasmin sehr verliebt. Am Ende ist es wohl doch das echte Leben, in dem der Topf seinen Deckel findet.
