FAZ 23.01.2026
15:10 Uhr

Dänemarks Soldaten: Der Einsatzbefehl war: Grönland verteidigen


Dänische Soldaten wurden offiziell zur Übung, aber auch mit dem Befehl zur Verteidigung nach Grönland geschickt. Die Sorge vor einem amerikanischen Angriff war groß.

Dänemarks Soldaten: Der Einsatzbefehl war: Grönland verteidigen

Dänemark war bereit, Grönland militärisch zu verteidigen, sollte es von den USA angegriffen werden. Das berichtete der dänische Rundfunk am Freitag unter Berufung auf den Einsatzbefehl, den die Soldaten erhielten. In diesem heißt es demnach, die Streitkräfte müssten so schnell wie möglich ihre Fähigkeit zur Umsetzung des Verteidigungsplans für Grönland stärken. Aus dem Befehl geht auch hervor, dass die dänischen Soldaten mit scharfer Munition nach Grönland entsandt wurden. Offiziell hatte die dänische Regierung die Entsendung der Soldaten als Teilnahme an der Mission „Arctic Endurance“ dargestellt, verwiesen wurde darauf, dass es sich – ganz im Sinne des amerikanischen Präsidenten Donald Trump – um eine Stärkung der Sicherheit in der Arktis handelte. Breiter politischer Wille zur Verteidigung gegen die USA Faktisch diente die Entsendung von Soldaten und Material aber auch dazu, den Preis für einen möglichen amerikanischen Angriff auf Grönland hochzutreiben. Den Dänen war klar, dass sie die arktische Insel nie gegen die militärische Übermacht der USA verteidigen könnten. Die Aussicht auf hohe Folgekosten eines Angriffs – etwa tote NATO-Soldaten oder gar getötete Zivilisten – sollte Trump vor einem Angriff aber abschrecken. Wie viele Soldaten sich mittlerweile in Grönland befinden, ist unklar. Doch es soll sich um erhebliche Kräfte handeln, darunter auch Spezialeinheiten. Vertreten sind laut dem dänischen Rundfunk auch Panzerinfanteristen des Jydske Dragonregiment. Dabei handelt es sich um das Rückgrat der dänischen Panzertruppen. Das Regiment gilt als Hauptschlagkraft der Landstreitkräfte und wird  „Faust der Armee” genannt. Weiterhin dabei sind Spezialisten für die Räumung von Minen und Munition sowie den Bau von Kampfstellungen. Auch mehrere Patrouillenschiffe sind vor Ort. Vom dänischen Verteidigungsministerium hieß es am Freitag, die verstärkte militärische Präsenz in Grönland werde bis zum Ende des Jahres fortgesetzt. Dem Bericht des dänischen Rundfunks zufolge gab es in der Regierung wie auch in den meisten Oppositionsparteien den breiten politischen Willen, den Kampf aufzunehmen, sollte es zu einem amerikanischen Angriff kommen. Zwar wurde demnach ein Angriff für unwahrscheinlich gehalten, doch Trump hatte einen solchen lange nicht ausgeschlossen. Dänen zurückhaltend über Vereinbarung von Trump und Rutte Am Mittwoch aber sagte Trump bei seinem Auftritt beim Weltwirtschaftsforum in Davos, er müsse, wolle und werde keine Gewalt anwenden. Später gab er an, zusammen mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte einen Rahmen für ein künftiges Abkommen in Bezug auf Grönland und die gesamte Arktisregion geschaffen zu haben. Vertreter Dänemarks und Grönlands hatten sich über die Ankündigung, keine Gewalt einzusetzen, erleichtert gezeigt. Zugleich äußerten sie sich sehr zurückhaltend zu der Vereinbarung. Inwiefern diese mit Dänemark und Grönland abgesprochen war, ist offen. Grönlands Ministerpräsident Jens-Frederik Nielsen gab am Donnerstagabend dazu an, er wisse nicht, was konkret vereinbart worden sei. Einig sei man sich, dass mehr für die Sicherheit in der Arktis getan werden müsse, so Nielsen. Nielsen verwies darauf, dass Vertreter aus Grönland und Dänemark darüber vor einigen Tagen mit Rutte gesprochen hatten. „Dabei wurden unsere roten Linien kommuniziert.“ Über Mineralien oder Ressourcen sei aber nicht gesprochen worden, so Nielsen. Allerdings hieß es in Davos, Teil des Plans sei auch Abmachung über ein Vetorecht der USA in Grönland bei Investitionsabsichten von Nicht-NATO-Mitgliedern in den Rohstoffabbau. Am Freitag traf Ministerpräsidentin Mette Frederiksen den NATO-Chef in Brüssel, zu Details der Vereinbarung äußerten sie sich nicht. Später flog Frederiksen nach Grönland weiter, wo sie am Freitagnachmittag eintraf. Geplant war eine Zusammenkunft mit Regierungschef Nielsen sowie Grönländerinnen und Grönländern.