FAZ 15.01.2026
15:35 Uhr

DRK warnt: Warum die Blutreserven knapp werden


Der DRK-Blutspendedienst kann die Krankenhäuser nicht mehr so beliefern wie im Notfall vorgesehen. In einigen Kliniken ist der Vorrat fast aufgebraucht. Die Gründe für den Mangel sind vielfältig.

DRK warnt: Warum die Blutreserven knapp werden

Der Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) warnt vor einem Mangel an Blutkonserven. „Die Krankenhäuser können derzeit nicht im erforderlichen Maße versorgt werden“, sagt Stephan David Küpper, Sprecher des DRK-Blutspendediensts West. Die Blutspendedienste kürzten die Anforderungen der Krankenhäuser um 30 bis 40 Prozent ein. In Hessen reichen die Blutkonserven derzeit nur für knapp zwei Tage, aber auch in anderen Bundesländern sei die Situation seit Jahresbeginn ähnlich angespannt. Für die Blutgruppen A-, 0- und 0+ reichen die Vorräte demnach sogar nur für rund eineinhalb Tage. Nötig wäre ein Vorrat bei allen Blutgruppen von vier bis fünf Tagen, um die Versorgung in Notfällen aufrechtzuerhalten, so Küppers. In der BG Unfallklinik ist das Depot nahezu erschöpft „Wir verfügen aktuell noch über ausreichend Blutkonserven für die geplanten Operationen, jedoch ist das eigentliche Depot nahezu erschöpft“, sagt Andreas Marx, Leitender Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin an der BG Unfallklinik Frankfurt. Bei der Versorgung schwer verletzter Patienten müsste gegebenenfalls auf die Konserven zurückgegriffen werden, die für geplante Operationen vorgesehen seien. Am Klinikum Darmstadt ist die Situation hingegen entspannter, teilt eine Sprecherin mit. Es könne vorkommen, dass die Blutreserven einmal knapp würden, aber als große Klinik erfahre man eine bevorzugte Behandlung. „Wir kommen nie in einen Bereich, wo es kritisch wird“, sagt die Sprecherin. Die Gründe für den Mangel sind vielfältig. Erst seien es laut dem DRK-Sprecher die Feiertage gewesen, anschließend seien viele Menschen krank geworden. Menschen mit Atemwegserkrankungen oder der Grippe sollen und dürfen kein Blut spenden. Es fehlt an der „Blutspenderoutine“ in der jüngeren Generation Ein weiterer Grund für die geringe Zahl an Blutkonserven sei die fehlende „Blutspenderoutine“ bei der jüngeren Generation, sagt Küppers. Die Generation der Babyboomer habe die Blutspende lange getragen und werde nun eben älter, und viele erkrankten. „Für einen verlorenen Boomer müssen wir mehr als zwei junge Leute aktivieren, um diesen zu ersetzen“, sagt Küppers. Und da habe man noch nicht einen einzigen neuen Spender gewonnen. Derzeit spendeten rund drei Prozent der deutschen Bevölkerung Blut. Das DRK möchte mehr Menschen motivieren, um eine größere Spendenbasis zu haben. Dann könne auch eine Krankheitswelle das System nicht so aus dem Gleichgewicht bringen, sagt Küppers. Angebote gibt es aus Sicht des DRK mehr als genug. Im Jahr werden in ganz Deutschland 40.000 Termine angeboten, sodass Sondertermine nicht nötig seien. Mehr Termine würden aber nicht gleich mehr Spender bedeuten, so Küppers. In Großstädten habe es früher in fast jedem Stadtteil einen Blutspendedienst gegeben. „Als gemeinnützige Organisation müssen wir die Kosten im Blick behalten“, sagt Küppers. Es würde keinen Sinn machen, vier Mitarbeiter an einen Ort zu schicken, an den am Ende nur ganz wenige Menschen kämen. „Wir sind auch abhängig von Spendelokalen“, sagt Küppers. Es sei schwierig geworden, geeignete Räume zu finden. Und unentgeltlich würden diese schon lange nicht mehr zur Verfügung gestellt. Termine werden seit einigen Jahren nur noch online auf der Homepage des DRK vergeben. Seit der Warnung Anfang der Woche haben sich die Zugriffszahlen mehr als verdreifacht. Die hessische Gesundheitsministerin Diana Stolz (CDU) hat ebenfalls zum Blutspenden aufgerufen. „Jeder von uns kann auf eine Blutkonserve angewiesen sein. Sei es bei einem Notfall, bei einer Operation oder einer Therapie“, sagt Stolz in einem Video. In der BG Unfallklinik Frankfurt werden Blutspendetermine ab und an direkt in der Klinik angeboten. „Möglicherweise können Aktionen auch für andere Regionen eine Möglichkeit sein, zusätzliche Spender zu gewinnen“, sagt Andreas Marx. Dabei würde den Spendern bei den Blutspenden in der BGU sehr deutlich, dass ihre Spenden insbesondere für dringliche Fälle, wie die Versorgung schwer verletzter Patienten, benötigt würden.