FAZ 11.01.2026
08:01 Uhr

DNA aus den Tropen: Mit einem Teelöffel Schlamm alte Rätsel lösen


In heißem Klima wird freie DNA schnell abgebaut – so die gängige Annahme. Frankfurter Forscher haben sie widerlegt: Sie zeigen, was sich mit Proben aus den Tropen herausfinden lässt.

DNA aus den Tropen: Mit einem Teelöffel Schlamm alte Rätsel lösen

Sie haben Beweise für das frühe Vorkommen der Syphilis in Mexiko entdeckt und herausgefunden, dass Salmonellen dort im 16. Jahrhundert eine Epidemie verursacht haben: Biologische Rätsel wie diese haben Forscher mithilfe von alter DNA lösen können, die aus Boden- oder Wasserproben isoliert wurde – und das in tropischen Ländern, wie eine Übersichtsarbeit des Frankfurter Senckenberg-Instituts zeigt. Bisher war angenommen worden, dass sich die Erbsubstanz außerhalb des Organismus bei großer Hitze und Feuchtigkeit zu schnell zersetzt, um aus ihr Erkenntnisse gewinnen zu können. Daher haben sich Wissenschaftler bei der Suche nach Umwelt-DNA bisher meist auf kalte und trockene Regionen beschränkt. Die Senckenberg-Studie macht jedoch klar, dass freies Erbmaterial auch in den Tropen über Tausende und in manchen Fällen über eine Million Jahre erhalten bleiben kann. Man müsse nur an den richtigen Stellen danach suchen, etwa in Seesedimenten oder sauerstoffarmen Sümpfen. Solche Analysen könnten helfen, die Entwicklung des Menschen zu rekonstruieren und die Folgen von Klimaveränderungen für Ökosysteme besser zu verstehen. „Wir können nun ganze Gemeinschaften von Pflanzen und Tieren aus einem Teelöffel Schlamm rekonstruieren, ohne seltene Fossilien finden zu müssen“, sagt Erstautorin Justine Nakintu. Obwohl die Tropen die größte biologische Vielfalt aufweisen, gibt es die meisten Labore für die Untersuchung alter Umwelt-DNA in Europa, Nordamerika und Asien. Die Autoren empfehlen, auch in tropischen Ländern mehr solcher Forschungsstätten aufzubauen, um schnellere Analysen und tiefere Einsichten zu ermöglichen. Die Studie ist ein Ergebnis der Initiative „Senckenberg with Africa“, die zum Ziel hat, die gleichberechtigte Zusammenarbeit zwischen deutschen und afrikanischen Wissenschaftlern zu fördern.